«Erfahrung aus 2011 war Gold wert»

Seit Jahresbeginn ist Peter Diethelm der neue Leiter von Migros Ostschweiz. Zuvor hatte er schon die Direktion Supermarkt unter sich. Kaum im Amt, musste er auch schon auf die Aufhebung des Mindestkurses reagieren.

Stefan Borkert
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Peter Diethelm leitet die Geschäfte von Migros Ostschweiz. (Bild: pd)

Peter Diethelm leitet die Geschäfte von Migros Ostschweiz. (Bild: pd)

Herr Diethelm, verbringen Sie Ihre Skiferien im Ausland oder in der Schweiz?

Peter Diethelm: Seit 45 Jahren verbringe ich meine Skiferien mit meiner Familie in den Bündner Bergen, und es gefällt mir auch heute noch ausgezeichnet. Ich sehe deshalb keinen Grund, etwas daran zu ändern.

Und noch eine Frage in diese Richtung: Wann haben Sie als Weinfelder zuletzt in Konstanz oder ennet der Grenze eingekauft?

Diethelm: Vor etwa 20 Jahren habe ich mich auf einem Stadtbummel bei einem kleinen Optiker zu einem Linsentest entschieden. Die Dinger habe ich nicht gut vertragen, weshalb es keine Fortsetzung gab. Apropos Stadtbummel: Als unsere Kinder klein waren, haben wir einige Male die schöne Altstadt besucht und Pedalofahrten auf dem See unternommen. Das war für unsere Kids jeweils ein Highlight.

Gibt es noch Deutsche, die in grenznahen Migros-Läden einkaufen gehen, etwa wegen Kaffee oder Nudeln?

Diethelm: Ja, das gibt es, und nicht nur wegen des Kaffees oder der Nudeln. Wir können viele treue Kunden aus dem grenznahen Ausland in unseren Läden begrüssen. Wir geniessen in dieser wichtigen Zielgruppe ein hohes Vertrauen. Gemäss unseren regelmässigen Umfragen schätzen diese unser Frischesortiment, die Qualität, die Sauberkeit und die Einkaufsatmosphäre. Insbesondere die Hektik in den grenznahen deutschen Einkaufszentren und die langen Wartezeiten an den Kassen bescheren uns wieder mehr Kunden aus dem Ausland. Leider ist der gegenteilige Effekt, dass Schweizer in Deutschland einkaufen, aber noch immer viel bedeutender.

Die Migros hat dieses Mal blitzartig auf die Aufhebung des Mindestkurses reagiert. Sie mussten quasi zum Amtsantritt gleich die Preise senken. War das eine schwierige Übung?

Diethelm: Preise senken gehört zu unserem Alltag. Und das nicht erst seit den Währungsturbulenzen. Als Genossenschaft geben wir Einsparungen konsequent weiter an unsere Kunden. Und trotzdem war der 15. Januar eine besondere Herausforderung für uns. Die Kurzfristigkeit und die Heftigkeit der Reaktion der Märkte haben uns vor einige Schwierigkeiten gestellt. Unsere Systeme sind nicht auf solche Turbulenzen ausgerichtet. Wir können zum Beispiel den Wechselkurs pro Tag nur einmal festlegen. Als dann Leute mit 1000 Euro an den Kassen standen, mussten wir kurzfristig improvisieren. Seit dem 16. Januar ist aber auch das kein Problem mehr für uns.

Als Supermarktdirektor bei der Migros haben Sie ja schon die erste Frankenkrise miterlebt. Was war diesmal anders?

Diethelm: Diese Erfahrung war Gold wert für uns. Durch dieses Wissen haben wir viele Fehler von 2011 nicht mehr gemacht und konnten unsere Massnahmen auf die veränderten Rahmenbedingungen ruhig und bestimmt in Angriff nehmen.

Die Migros hat aber nicht als erstes Unternehmen reagiert.

Diethelm: Gerade in einem grossen Unternehmen ist es wichtig, dass keine Hektik entsteht, der Kunde sich weiterhin wohl fühlt und sich auf die Migros verlassen kann. Wir können nicht jedesmal die Schnellsten sein, haben aber immer den Anspruch, die Besten zu sein. Das Verhalten unserer Kundschaft deutet darauf hin, dass dies unseren vielen tausend Mitarbeitenden auch in dieser turbulenten Zeit sehr gut gelungen ist. Dafür bin ich sehr dankbar.

Welche neuen Produkte werden für die Kunden bald in den Regalen stehen?

Diethelm: Trotz Eurokrise bleiben wir unseren Grundsätzen treu und setzen weiterhin auf unsere Stärken und unsere Überzeugung. Wir haben einige sehr interessante Projekte aus der Migros-Eigenindustrie, aus unserer Region und aus unseren nachhaltigen Programmen, wie zum Beispiel Migros Bio oder Terra Suisse. Unsere Kunden werden sich auch weiterhin auf neue Eigenmarkenprodukte freuen können, welche vorwiegend aus der Schweiz stammen. Gerade in dieser schwierigen Zeit sind auch unsere Landwirte und unsere einheimischen Zulieferer auf Kontinuität und Sicherheit angewiesen. Diese Partnerschaft ist uns sehr wichtig.

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