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Er rettet Plastik vor dem Feuer

Wo andere Abfall sehen, sieht Martin Model wertvolle Rohstoffe: Seine Innoplastics AG macht aus Plastikabfällen neuen Kunststoff. Noch lande zu viel davon in den Kehrichtverbrennungsanlagen, findet er.
Christof Lampart
Martin Models Innoplastics macht aus altem Plastik neuen Kunststoff. Auch dünne und verschmutzte Folien sind für ihn Rohstoffe. (Bild: Christof Lampart)

Martin Models Innoplastics macht aus altem Plastik neuen Kunststoff. Auch dünne und verschmutzte Folien sind für ihn Rohstoffe. (Bild: Christof Lampart)

ESCHLIKON. Der normale Bürger ist froh, wenn es in seiner Nähe Kehrrichtverbrennungsanlagen (KVA) gibt, welche den angelieferten Haushaltsmüll verbrennen. Ganz nach dem Motto: aus den Augen, aus dem Sinn. Martin Model tickt da anders. «KVA sind Ressourcenvernichter», sagt er mit ruhiger Stimme, doch der Gründer von Innoplastics verhehlt nicht, dass er von seiner Geschäftsidee viel mehr hält. «Die Wiederverwertung der Wertstoffe bringt der Wirtschaft und der Umwelt viel mehr als die Umwandlung von Wertstoffen in Energie – zumal der Wirkungsgrad bei der Energiegewinnung sehr bescheiden ist.»

«Kantone haben kein Interesse»

Wer mit Martin Model übers Firmengelände läuft, sieht an allen Ecken die unterschiedlichsten, teilweise meterhohe Wertstoffballen: PET-Flaschen, Spülmittelflaschen, Kunststoffblumentöpfe, Silagenfolien – in all diesen Dingen sieht der Firmenchef bares Geld. Umso mehr betrübt ihn, dass die Schweizer so wenig von ihrem Kunststoff wiederverwerten. «Wir führen gerade einmal 50 Prozent der Siedlungsabfälle der Wiederverwertung zu; der Rest wird bedauerlicherweise verbrannt.» Warum das so ist, ist für ihn klar: «Die Kantone sind an den KVA beteiligt und sitzen im Verwaltungsrat. Da haben sie natürlich kein Interesse, dass hierzulande die Recyclingquote steigt.» Andere Nationen wie Deutschland oder Schweden seien diesbezüglich «bedeutend weiter». Einen grossen Schatz an Wertstoffen sieht Model dort, wo andere am liebsten gar nicht mehr hinguckten: in den Deponien. «Was da früher abgelagert und vergraben wurde, ist phantastisch. Wenn wir irgendwann einmal so weit wären, dass wir das Ganze wieder ausgraben und verwerten würden, dann hätten wir einen grossen Schritt nach vorne getan», sagt Model.

Die Innoplastics AG produziert jährlich rund 16 000 Tonnen Kunststoffregranulate in den unterschiedlichsten Qualitäten und Farben. Wachstumspotenzial sieht das Unternehmen im Export. Insbesondere die Italiener schätzen das hochwertige Produkt aus Eschlikon und setzen es unter anderem für die Rohrherstellung für den Tiefbau ein, während in der Schweiz der Absatz stagniert. Doch auch hier scheint die ökologische Alternative, wie Model sein Produkt bezeichnet, allmählich an Boden zu gewinnen. «Im Bundesamt für Umwelt (Bafu) ist langsam ein Umdenken im Gange. Jene Bafu-Mitarbeiter, welche noch die KVA planten, sind nun in Pension, und eine neue Generation, die sich mehr mit den Möglichkeiten, welche das Recycling bietet, beschäftigt, kommt ans Ruder», sagt Model.

Rosige Zukunft?

Trotzdem ist Martin Model «kein Grüner, sondern ein Rohstoffhändler». Und da Kunststoffe aus Erdöl hergestellt werden und dieses zunehmend knapper wird, sieht er einer geschäftlich rosigen Zukunft entgegen, denn «wo man etwas für den Rohstoff kriegt, da wird auch gesammelt». Und der Hunger nach Kunststoff ist global riesig. Insbesondere die chinesische Wirtschaft habe einen enormen Effekt. «Wir verarbeiten in Europa noch die gleiche Menge wie vor 10 Jahren, wir sammeln aber die doppelte Menge – die Mehrmenge geht nach China», weiss Model.

Die Aufbereitung der oftmals mehrschichtigen und zugleich immer dünner werdenden Folien ist ein Problem für die Industrie. Aber Innoplastics hat es mit einem speziellen Verfahren so weit gebracht, dass «wir heute auch Folien, die gerade noch eine Dicke von 15 bis 20 Mikrometer aufweisen, wiederverarbeiten können.» Bis vor wenigen Jahren war die Standarddicke noch bei 80 Mikrometer. Je dünner und mehrschichtiger eine Folie, desto grösser ist das Risiko, dass sie nach dem Gebrauch verschmutzt wird. «Dieses Problem fordert uns sehr. Zugleich sehen wir aber darin auch für uns eine grosse Chance. Denn viele Mitbewerber wollen die oft verschmutzten Folien nicht. Wir haben hingegen das technische Know-how, um daraus ein gutes Kunststoffregranulat herzustellen».

Zur richtigen Zeit

Für die nächsten Jahre strebt Model mit seinen rund 30 Angestellten den Sprung in die Folienindustrie in der Schweiz an, damit die hiesigen Abfallsäcke und Tragtaschen auch vermehrt aus Regranulat hergestellt werden, ähnlich wie im umliegenden Ausland. Martin Model ist überzeugt, dass der gelingt, denn «wir sind zuverlässig; das ist unser Hauptkriterium». Ist das nicht ein bisschen wenig? «Nein, überhaupt nicht», entgegnet der Macher im Brustton der Überzeugung, «denn auch wenn es banal klingt, so ist es in unserer Branche immer noch ein Erfolgskriterium, wenn man dem Kunden zur richtigen Zeit die richtige Qualität liefern kann.»

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