Entwendete HSBC-Daten international ausgewertet

GENF. Die Erkenntnisse über HSBC sind unter dem Namen «Swissleaks» von Journalisten in über 40 Ländern recherchiert und veröffentlicht worden. Dafür werteten sie Kundendaten des Schweizer Ablegers der Privatbank HSBC aus.

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GENF. Die Erkenntnisse über HSBC sind unter dem Namen «Swissleaks» von Journalisten in über 40 Ländern recherchiert und veröffentlicht worden. Dafür werteten sie Kundendaten des Schweizer Ablegers der Privatbank HSBC aus. Informationen, die sich in den Daten befanden, die der Informatiker Hervé Falciani der HSBC stahl und dem französischen Fiskus übergab.

Von dort gelangten sie zur französischen Zeitung «Le Monde», die im letzten September mit der Auswertung der Angaben über rund 106 000 Kunden begann. In der Folge lancierte die Zeitung unter Mithilfe des Recherche-Netzwerks «Consortium of Investigative Journalists» (ICIJ) eine weltweite Recherche.

Inzwischen neu ausgerichtet

In einer Stellungnahme, die die Bank online verbreitete, anerkennt HSBC Schweiz, dass die «Kultur der Compliance» und die Standards der Due Diligence bei der HSBC und anderen Schweizer Banken im Jahr 2007 «deutlich tiefer» lagen als heute.

Die Enthüllungen über den Schweizer Ableger der Privatbank HSBC beunruhigen die Schweizer Bankiervereinigung nicht übermässig. «Wir sind überzeugt, dass heute alle wissen, dass sich der Finanzplatz schon vor Jahren neu ausgerichtet hat», teilte die Bankiervereinigung gestern mit. Die Compliance-Anstrengungen beispielsweise hätten sich erheblich verstärkt, gab Thomas Sutter von der Bankiervereinigung auf Anfrage bekannt.

Die Enthüllungen würden sich zudem auf weit zurückliegende Fälle einer einzelnen Bank beziehen. Trotzdem seien solche Schlagzeilen «kurzfristig natürlich nie positiv», teilte Sutter weiter mit. Es liege nun an den Behörden, die Fälle zu beurteilen. In der Geldwäschereibekämpfung habe die Schweiz weltweit mit die strengsten Bestimmungen, es liege aber an den einzelnen Finanzinstituten, diese einzuhalten, teilte Sutter mit.

Finma intervenierte

Die Eidg. Finanzmarktaufsicht (Finma) hatte sich in den vergangenen Jahren bereits mehrmals mit dem Schweizer Ableger der HSBC befasst: Sie führte zwei Untersuchungen im Bereich Geldwäscherei durch. Die Bank habe dabei gegen aufsichtsrechtliche Bestimmungen verstossen, sagte Tobias Lux, Mediensprecher der Finma, auf Anfrage. Die Finma habe Massnahmen angeordnet, welche HSBC umgesetzt habe. Seither sei bei der Bank viel geschehen.

Die Finma habe auch eine Untersuchung zur Sicherheit in der IT-Abteilung geführt. Der bei HSBC tätige Informatiker Hervé Falciani hatte die Kundendaten in den Jahren 2006 und 2007 gestohlen. (sda)

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