Entspannung ja, Entwarnung nein

Wachstumsängste um China haben die Börsen weltweit auf Talfahrt geschickt. Die Kurse konnten sich nach der übertriebenen Reaktion teils wieder erholen. Am Aktienmarkt ist dennoch weiter Vorsicht geboten.

Alexander Koch Raiffeisen Schweiz
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Wachstumsängste um China haben die Börsen weltweit auf Talfahrt geschickt. Die Kurse konnten sich nach der übertriebenen Reaktion teils wieder erholen. Am Aktienmarkt ist dennoch weiter Vorsicht geboten.

Turbulenzen um China

Nach den zähen Verhandlungen über die nächste Übergangslösung für Griechenland hat sich die Lage an den Finanzmärkten vorübergehend beruhigt. Dafür ist ein anderer Unsicherheitsfaktor in den Fokus gerückt. Eine Reihe enttäuschender Konjunkturdaten hat die Wachstumsängste um Chinas Wirtschaft geschürt und weltweit eine Ausverkaufswelle an den Börsen losgetreten. Diese mündete Anfang letzter Woche in einen vorübergehenden Absturz der Kurse. Nachdem sich der Kurszerfall an den chinesischen Märkten trotz staatlicher Stützungskäufe ungebremst fortgesetzt hatte, gaben auch die Notierungen europäischer Aktien letzten Montag im Tagesverlauf massiv nach. Der Swiss Market Index (SMI) lag zwischendurch gegenüber dem Schlusskurs vom Vortag um nahezu 8% im Minus.

Chinas Zentralbank greift ein

Die Einschätzungen der Marktteilnehmer, dass die drastischen Korrekturen der Vortage vielleicht doch übertrieben waren, haben die Märkte im Verlauf der Woche wieder stabilisiert. Unterstützung fand die teilweise Erholung der Kurse durch geldpolitische Lockerungen der chinesischen Zentralbank. Diese hat die Zinsen erneut gesenkt und mehr Liquidität in das Bankensystem gepumpt. Zudem wird auf zusätzliche Stimuli der chinesischen Regierung gehofft.

Verlorenes Vertrauen

Grundsätzlich geben die verfügbaren chinesischen Konjunkturdaten derzeit keinen Hinweis auf eine bevorstehende harte Landung der Wirtschaft. Allerdings hat die Regierung durch misslungene Eingriffe jüngst einen Vertrauensverlust erlitten, den sie erst wieder wettmachen muss. Das wird nicht einfach.

Die Märkte werden zu einer weniger emotional geprägten Neubeurteilung der fundamentalen Faktoren übergehen müssen. Der Fokus wird auf der weiteren konjunkturellen Entwicklung in China liegen und auf der Frage, wie die Industrieländer von einem langsameren Wachstum Chinas beeinträchtigt würden. Darüber hinaus sind andere ungelöste Themen in den Hintergrund gerückt. Am 20. September sind in Griechenland Neuwahlen, der Ölpreiszerfall wird Brasilien und Russland noch stärker zurückwerfen. Dass die Märkte nun spekulieren, ob es in den USA 2015 zu gar keiner Zinserhöhung mehr kommt, wird bald auch mit Fragezeichen versehen sein.

Geduld ist gefordert

Und sollten sich die Konjunkturängste der Märkte materialisieren, steht es eher schlecht um die Aussichten. Denn wie wollen die Notenbanken dann reagieren? Die Heftigkeit der Ausschläge der letzten Tage war übertrieben, zeigt aber die Unsicherheit der Märkte. Diese weicht kaum über Nacht. Die Neubeurteilung braucht Zeit.