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Entgehen den Landbesitzern Millionen?

Landbesitzer könnten von Mobilfunkanbietern höhere Preise für die Miete von Antennenstandorten verlangen, sagt ein Makler. Die Telekombranche widerspricht.
Maurizio Minetti
Die Vielfalt der Mobilfunkantennen ist gross. (Bild: Martin Rütschi/KEY)

Die Vielfalt der Mobilfunkantennen ist gross. (Bild: Martin Rütschi/KEY)

Jedes Jahr verdoppelt sich das Datenvolumen im Mobilfunknetz. Allein in der Schweiz gibt es mittlerweile über 17 000 Antennenstandorte. Rund zwei Drittel davon sind Gross-Antennen-Anlagen und befinden sich auf Gebäuden oder sind auf Grundstücken errichtet. Die restlichen rund 5600 Antennen sieht man kaum: Es sind Micro- und Inhouse-Antennen-Anlagen, die zum Beispiel in Einkaufszentren oder Leuchtreklamen versteckt sind.

Die drei Mobilfunkanbieter Swisscom, Sunrise und Salt bezahlen den Landeigentümern Miete dafür, dass sie die Standorte für ihre Infrastruktur nutzen dürfen. Doch diese Miete variiert je nach Verhandlungsgeschick des Eigentümers stark. Stellvertretend dafür ein Beispiel aus dem Kanton Luzern. So zahlte Swisscom dem Schlierbacher Bauer Daniel Muff jährlich gerade mal 2000 Fr. für den Standort; erst Jahre später erfuhr Muff, dass ein befreundeter Landwirt von Swisscom für die Nutzung seines Grundstückes das Zehnfache bezahlt bekommt.

Muff verlangte von Swisscom daraufhin bis zu 18 000 Fr. Jahresmiete, Swisscom wollte aber nicht mehr als 6500 Fr. bezahlen. Bis heute ist man sich nicht einig geworden.

Einen Konsens gibt es nicht

«Das ist kein Einzelfall», weiss Daniel Gruber. Der 43-Jährige hat nach einer Karriere in der Telekombranche vor 14 Jahren die W-Com Wireless Communications AG in Zug gegründet. Die Firma kümmerte sich zunächst um die Suche nach Antennenstandorten und hat Baugesuche für die Schweizer Mobilfunkprovider betreut. Vor rund vier Jahren hat Gruber aber sein Geschäftsmodell geändert. Jetzt berät er Grundeigentümer bei Vertragsverhandlungen mit den drei grossen Telekomanbietern. Heute betreut seine Firma rund 750 Anlagen.

Mit seinem Geschäftsmodell hat sich Gruber in der Telekomszene keine Freunde gemacht. «Es ist nicht erstaunlich, dass gewinnorientierte Mobilfunkmakler ein Interesse an höheren Preisen haben», kritisiert etwa Swisscom-Sprecher Armin Schädeli. Diese Praxis erhöhe die Kosten für den Aufbau und Betrieb der Netze. «Die Folge sind höhere Preise für den Mobilfunk, was nicht im Interesse unserer Kunden ist», sagt der Swisscom-Sprecher. Gruber widerspricht: «Bei höheren Mieten wird der Netzausbau sogar günstiger, weil die Vermietung von Standorten für Immobilienbesitzer lukrativer wird. Dadurch müssen Telekomanbieter nicht mehr so viel Zeit und Geld in die Standortsuche investieren.»

Fakt ist, dass es keinen Konsens darüber gibt, wie viel Miete ein Landbesitzer von den Mobilfunkanbietern verlangen kann. Gruber selbst geht davon aus, dass der Immobilienbranche jährlich 200 Mio. Fr. an Mieterträgen verloren gehen (siehe Box). Für die Telekomanbieter ist das nur eine These ohne jegliche Grundlage. «Swisscom hält sich an ein Mietzinsmodell, das von Wüest & Partner indexiert wurde. Dieses berücksichtigt viele Einflüsse wie beispielsweise Standort, Grundstückpreise und nötige Mobilfunkkapazität», sagt Mediensprecher Schädeli. Dieses Mietzinsmodell entspreche der Methodik, wie man sie auch von Wohn- und Geschäftsräumlichkeiten kenne. Schädeli: «Wir erachten unsere Mieten für Mobilfunkstandorte als fair und marktgerecht.»

Gruber sagt hingegen, dass das Modell von Wüest & Partner nicht eins zu eins auf kommerzielle Mobilfunk-Antennen-Anlagen angewandt werden könne. «Und kein Immobilienprofi in der Branche kann plausibel nachvollziehen, weshalb die Referenz ausgerechnet eine 1-Zimmer-Wohnung sein soll. Weshalb nicht zwei Parkplätze oder drei Kellerabteile oder doch eher eine 5-Zimmer-Wohnung?»

Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis

Bei Sunrise will man die Berechnungen von Gruber nicht kommentieren. Grundsätzlich sei die Entschädigung für die Nutzung von Grundstücken und Liegenschaften abhängig von verschiedenen Kriterien, so wie das auch bei Wohnungsmieten der Fall sei, sagt Sunrise-Sprecher Roger Schaller. Für Salt ist es «ein unweigerlicher Bestandteil der Marktmachungstätigkeit eines Mobilfunkmaklers», solche Thesen aufzustellen. Jedoch würden die Mietpreise für Antennenstandorte wie in jedem funktionierenden Markt zuletzt «recht simpel durch Angebot und Nachfrage bestimmt», schreibt der drittgrösste Schweizer Mobilfunkanbieter in einer Stellungnahme.

Dabei würden sowohl reine Standortfaktoren, die relative Nähe von anderen Antennen als auch die Verfügbarkeit von Alternativstandorten eine wichtige Rolle spielen. Dem pflichtet Gruber bei: «Den drei Mobilfunkanbietern als geschäftserfahrene und gewinnorientierte Unternehmungen ist sicherlich bekannt, dass grundsätzlich das Gesetz von Angebot und Nachfrage gilt. Dieses Gesetz ist preisbildend.» Keiner der drei Mobilfunkanbieter will verraten, wie hoch die Mietzinszahlungen übers ganze Jahr gesehen sind.

Meistens laufen die Mietverträge über einen längeren Zeitabschnitt. «Zehnjährige Verträge sind die Regel, oftmals sind faktische, zwanzigjährige Verträge keine Seltenheit», sagt Gruber. Aus eigener Erfahrung weiss er, dass in den kommenden drei bis vier Jahren viele Verträge auslaufen.

Ob man nun der Branche oder dem Makler Glauben schenken will: Es dürfte sich für Vermieter lohnen, die alten Verträge hervorzukramen und bei Bedarf neu zu verhandeln.

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