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ENGPÄSSE: Die Demografie setzt Japan zu

Japan leidet unter dem Mangel an Arbeitskräften und Kundschaft. Personalintensive Branchen müssen bereits den Service einschränken oder schliessen.
Angela Köhler, Tokio

Es gab Zeiten, da hätten Ökonomen von paradiesischen Zuständen gesprochen. Im April konnten in Japan 100 Jobsuchende unter 148 Stellenangeboten auswählen. In der Megacity Tokio liegt der aktuelle Wert sogar bei bisher nie erreichten 2,07 Stellen pro Nachfrager. Dementsprechend verharrt Japans Arbeits­losenquote mit 2,8% auf dem niedrigsten Stand seit Juni 1994.

Paradiesische Zustände? Mitnichten. Über ein Drittel der Firmen findet nicht genügend geeignete Bewerber. Schuld daran ist massgeblich die beängstigende demografische Entwicklung. Die Zahl der Japaner im erwerbsfähigen Alter ist seit dem Spitzenwert 1995 um 11% auf 77,2 Millionen geschrumpft. Durchschnittlich sinkt deren Zahl derzeit jährlich um etwa 700000.

Weniger Kunden, weniger Umsatz

Bisher konnten solche Mankos durch die Mobilisierung der Rentnerarmee gemildert werden. Nach jüngsten Zahlen des Statistischen Amtes sind mit mehr als 34 Millionen Einwohnern derzeit über 27% der japanischen Bevölkerung im Rentenalter, mehr als ein Viertel. Eine Rekordzahl von ihnen – 7,3 Millionen – arbeitet. In der Altersspanne der 65- bis 69-Jährigen waren im vergangenen Jahr über 52% der Männer und fast 32% der Frauen erwerbstätig. Aber diese Reserve ist beinahe erschöpft. Viele Senioren arbeiten sogar weit über ein Alter von 70 oder sogar 80 Jahren hinaus. Sie verdienen Geld, weil sie müssen – nicht unbedingt, weil sie wollen. Die Rentenbezüge sind niedrig, nur wenige können davon leben. Laut jüngster Erhebung fallen 40% der japanischen Rentner unter die offizielle Armutsgrenze.

Weil die Jungen aufgrund der sinkenden Geburtenrate immer weniger werden und Frauen unter beruflicher Diskriminierung leiden, trocknet der Arbeitsmarkt tendenziell aus. Migration ist politisch generell nicht gewollt und wird allenfalls in Einzelfällen wie im Tourismus und der Hotellerie geduldet, weil dort spezielle Sprach- oder Sachkenntnisse verlangt werden. In der Folge müssen immer mehr personalintensive Branchen wie Logistik, Bau, Pflege und Massengastronomie ihren Service einschränken oder gänzlich beenden. Neuerdings tauchen selbst an den beliebten Nudel- oder Reistopfrestaurants der japanischen Grossstädte Schilder mit dem Hinweis «Geschlossen wegen Personalmangels» auf. Es fehlen nicht nur qualifizierte Arbeitskräfte, es schrumpft auch die zahlungskräftige Kundschaft. Vier von zehn japanischen Firmen rechnen in den kommenden drei Jahren mit sinkenden Umsätzen, ermittelte das Institut Nikkei Research.

Angela Köhler, Tokio

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