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Drei Schwergewichte treiben die Schweizer Börse nach vorne

Das aktuelle Börsenhoch geht zur Hauptsache auf Rechnung der grössten Unternehmen – mit kritischen Folgen.
Daniel Zulauf
Blick in die Büroräumlichkeiten der Finanzinfrastrukturbetreiberin SIX.Bild: Christian Beutler/Keystone (Zürich, 5. Juli 2019)

Blick in die Büroräumlichkeiten der Finanzinfrastrukturbetreiberin SIX.
Bild: Christian Beutler/Keystone (Zürich, 5. Juli 2019)

Die zweite Hälfte des laufenden Börsenjahres hat ebenso gut begonnen, wie die erste Hälfte zu Ende ging. Der Swiss Market Index (SMI), der die 20 Aktien der wertvollsten Unternehmen an der Schweizer Börse repräsentiert, ist Anfang Woche auf über 10000 Punkte geklettert. Und er hat sich in den vergangenen Tagen weiter voran gearbeitet.

Der kräftige Kursanstieg der Börsen seit dem Jahreswechsel war nach den heftigen Turbulenzen im Herbst nicht zu erwarten gewesen. Zum damaligen Zeitpunkt deutete noch fast alles darauf hin, dass die Notenbanken in den Industrieländern – allen voran die amerikanische – ihren Weg zur Normalisierung des Zinsniveaus fortsetzen und die Finanzierungsbedingungen für die Wirtschaft weiter straffen würden. Auch die zunehmenden handelspolitischen Spannungen und die unter anderen von der neuen italienischen Regierung frisch verursachten politischen Unsicherheiten im Euroraum sprachen viel mehr für eine Fortsetzung der Achterbahnfahrt der Aktienmärkte als für die allen Unkenrufen zum Trotz eingetretene starke Erholung.

Der Swiss Performance Index (SPI), der alle 216 an der Schweizer Börse notierten Aktien abbildet, hat seit Jahresbeginn fast 24 Prozent zugelegt. Zieht man die Dividenden ab, die in die ­Gesamtperformance des SPI einfliessen, beträgt der reine Kursaufschlag noch gut 20 Prozent. Der Median oder Zentralwert, der die Kursperformance einer Aktie wiedergibt, die exakt in der Mitte der SPI-Rangliste liegt, beträgt zwar immer noch respektable aber doch deutlich bescheidenere 8,8 Prozent. Dieser statistische Wert zeigt deutlich, dass die aktuelle Börsenhausse weit weniger breit abgestützt ist als der von den Indizes wiedergegebene Durchschnitt suggeriert.

Es sind vor allem die drei Schwergewichte Nestlé, Novartis und Roche, die zusammen knapp die Hälfte des Börsenwertes aller Aktien im SPI repräsentieren, die den Markt nach vorne treiben. Mit einer Performance von 29 Prozent seit Jahresbeginn übertreffen die Nestlé-Aktien den Median um mehr als das Dreifache. Auch Novartis (+22 Prozent) und Roche (+15 Prozent) liegen weit über dem Zentralwert. Diese Verzerrung ist kein Zufall. Sie ist Ausdruck der bereits angetönten Unsicherheiten, welche die Investoren weltweit nach wie vor beschäftigen. «Nachhaltig solides Ertragswachstum wird in der optimal informierten neuen Welt zu einem immer begehrteren Gut», liest man im aktuellen Anlagekommentar des Zürcher Vermögensverwalters Albin Kistler. Das langfristig grösste Aufwärtspotenzial besässen deshalb Aktien der global besten Unternehmen mit sicheren und steigenden Ertragsflüssen. Exakt in dieser Kategorie figurieren auch die drei Schwergewichte im Schweizer Markt. «Die weltweit starke Nachfrage nach grossen Qualitätsaktien führt dazu, dass diese Titel sehr anspruchsvolle Bewertungsniveaus erreicht haben», sagt der Aktienspezialist und Fondsmanager Martin Schlatter von dem auf die Betreuung institutioneller Gelder spezialisierten Asset Manager Swiss Rock in Zürich.

In der Tat: Für eine Nestlé-Aktie bezahlt man aktuell das 30-Fache eines Jahresgewinns. So teuer waren die Nestlé-Titel seit mehr als zehn Jahren nicht mehr. Kursmässig zurückgeblieben seien dagegen besonders viele kleine, industrielastige Firmen, die zwar oft sehr robuste Bilanzzahlen aufweisen aber keine herausragende Wachstumsdynamik versprechen, weiss Schlatter. Dahinter verbergen sich die angetönten Konjunkturbefürchtungen, die unlängst auch die Notenbanken dazu bewogen haben, mit der Normalisierung des Zinsniveaus nun doch weiter zuzuwarten.

Spaltung könnte noch tiefer gehen

«Wenn die konjunkturellen Aussichten positiv sind, steigen am Aktienmarkt die Kurse typischerweise in der ganzen Breite deutlich an», sagt der Investmentspezialist. Doch die beliebte Metapher von der Flut, die alle Boote hebt, lasse sich auf die aktuelle Börsensituation eben überhaupt nicht anwenden. Die Spaltung könnte im Gegenteil noch tiefer gehen. Gerade in den USA passen die Finanzanalysten ihre Gewinnschätzungen mehrheitlich nach unten an. Für die zweite Hälfte des Börsenjahres ist das kein gutes Omen.

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