Eng verflochten mit der Schweiz

Katar unterhält auch zur Schweiz enge wirtschaftliche Verbindungen. Das schützt die herrschenden Scheichs möglicherweise auch vor Sanktionen durch den UN-Sicherheitsrat.

Daniel Zulauf
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Blick auf die Skyline von Doha, der Hauptstadt von Katar. Dem reichsten Land der Welt droht die Isolation. (Bild: Nic Bothma/EPA (Doha, 12. Januar 2015))

Blick auf die Skyline von Doha, der Hauptstadt von Katar. Dem reichsten Land der Welt droht die Isolation. (Bild: Nic Bothma/EPA (Doha, 12. Januar 2015))

Daniel Zulauf

Die arabische Koalition der Golfstaaten versucht ihr Mitglied Katar offensichtlich politisch und wirtschaftlich zu isolieren. Der Vorwurf, das Land finanziere den Terrorismus und leiste mit seiner Unterstützung für den Iran der Verbreitung von «Chaos» Vorschub, wiegt schwer. Ob er über die regionalen Sanktionen im Nahen Osten hinaus Folgen haben wird, muss sich noch weisen. Ein ehemaliger Schweizer Spitzendiplomat zeigt sich im Gespräch mit unserer Zeitung skeptisch. Für ihn ist es «unwahrscheinlich», dass sich die Völkergemeinschaft im UNO-Sicherheitsrat einstimmig auf ein Sanktionsregime gegen Katar einigen wird.

Das Land ist wirtschaftlich extrem globalisiert und erfüllt auch militärisch und politisch eine wichtige regionale Brückenfunktion für die westliche Welt. Sollten die Vereinten Nationen wider Erwarten doch Sanktionen gegen Katar beschliessen, wäre die Schweiz völkerrechtlich verpflichtet, diese umzusetzen. Zudem prüfe der Bundesrat die Übernahme von Sanktionen der EU im Einzelfall im Rahmen einer umfassenden Interessenabwägung, hiess es auf Anfrage beim Staatssekretariat für Wirtschaft.

Katar ist einer der grössten Aktionäre der Credit Suisse

Sanktionen könnten unter anderem die Eigentumsrechte der Kataris an der Credit Suisse tangieren. Der Golfstaat ist mit 5% einer der grössten Aktionäre bei der Grossbank. Zudem haben die Scheichs dem Institut 1,7 Mrd. $ und 2,5 Mrd. Fr. in Form sogenannter Pflichtwandelanleihen (Coco) ausgeliehen. Diese Anleihen sind so ausgestaltet, dass sie sich im Krisenfall in Aktien verwandeln. Für die Inkaufnahme dieses Risikos werden die Gläubiger reichlich entschädigt. Die Anleihen werden zu 9,5% beziehungsweise zu 9% im Jahr verzinst. Die Bank überweist somit jährlich umgerechnet 388 Mio. $ nach Katar, wie eine Unternehmenssprecherin auf Anfrage erklärte. Dazu kommen die Dividen, die nochmals mehr als 50 Mio. Fr. erreichen können. Über die Anleihen besitzen die Investoren aus dem Nahen Osten auch zusätzliche Erwerbsrechte am Aktienkapital von bis zu 12,96%. Im grossen Stil waren die Scheichs im Herbst 2008 bei Credit Suisse eingestiegen. Damals war es für die Credit Suisse darum gegangen, die Bank vor einer staatlichen Rettungsaktion zu bewahren, wie sie die UBS über sich ergehen lassen musste.

Die Verbindungen zwischen der Credit Suisse und dem kleinen, aber reichen Golfstaat gehen dem Vernehmen nach bis in die erste Hälfte des vergangenen Jahrzehnts zurück. Inzwischen wird indessen gemunkelt, dass die Leitung zwischen Doha und Zürich stockt. So ist im Frühjahr mit Jassim Al Thani der Vertreter der katarischen Herrscherfamilie aus dem Credit-Suisse-Verwaltungsrat zurückgetreten. Eine offizielle Begründung gab es nicht. Der Scheich ist erst 35 Jahre alt. Die Banksprecherin betonte auf Anfrage, die Beziehung zu den Grossaktionären aus Katar seien gut und nicht abhängig von einer Vertretung im Verwaltungsrat.

Schweiz ist für Investoren interessant

Die Schweiz mit ihren zahlreichen internationalen Unternehmen bietet für die Investoren aus dem Golfstaat aber auch über den Bankensektor hinaus ein naheliegendes Betätigungsfeld. So sind die Kataris mit einem Aktienanteil von 8,5% die grössten Aktionäre beim Rohstoffhändler Glencore. Die Scheichs hatten diese Beteiligung 2012 gegen ihren Anteil am Bergbauunternehmen Xstrata eingetauscht. Glencore-Chef und Grossaktionär Ivan Glasenberg wollte durch die Fusion mit Xstrata um jeden Preis in die Liga der grössten Rohstoffproduzenten und -händler aufsteigen. Die Kataris entlarvten die Absicht des Südafrikaners und pochten auf einer Nachbesserung der Bedingungen für den Umtausch. In der Folge geriet die hochverschuldete Glencore in Schwierigkeiten.

Doch die Kataris wirken in der Schweiz auch andernorts als stille Grossinvestoren mit. Beim Duty-Free-Händler Dufry gehö­ren sie mit einem Aktienanteil von 6,9% zu den grössten Eigentümern. Und in der Schweizer Luxushotellerie spielen die Scheichs gleich an mehreren Orten die erste Geige. Allen voran in der Zentralschweiz. Das Bürgenstock-Resort hoch über dem Vierwaldstättersee soll nach Abschluss des gigantischen Neubaus im Preis von über 500 Mio. Fr. in diesem Sommer eröffnet werden. In Bern haben die Kataris schon vor einiger Zeit das traditionsreiche Hotel Schweizerhof übernommen und für 45 Mio. Fr. restauriert. Am Genfersee (Lausanne) wird man im Royal Savoy Gast der Hoteliers aus dem Nahen Osten.