Energiewende bringt Arbeit

Die Hälfte der Energie wird in der Schweiz immer noch in Gebäuden verbraucht. Eine gute Hausdämmung kann viel Energie sparen. Davon profitieren Unternehmen wie die Flumroc.

Markus Rohner
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Pieder Cadruvi, technischer Direktor der Flumroc, mit Dämmplatten aus Steinwolle. (Bild: Daniel Ammann)

Pieder Cadruvi, technischer Direktor der Flumroc, mit Dämmplatten aus Steinwolle. (Bild: Daniel Ammann)

FLUMS. Der Bündner Pieder Cadruvi (55) ist ein Mann mit Humor. Angesprochen auf den beruflichen Werdegang der letzten 20 Jahre, früher bei der Brauerei Calanda in Chur, heute bei der Flumroc in Flums, sagt er lachend: «Bier und Dämmstoffe, das sind beides Produkte, die isolieren.» Seit bald zwölf Jahren ist der NTB-Ingenieur technischer Direktor eines der grössten Schweizer Dämmstoffherstellers. Jedes Jahr werden in Flums aus regionalem Gestein 52 000 Tonnen Steinwolle produziert. «Steinwolle hat den grossen Vorteil, dass sie formstabil und nicht brennbar ist und über einen sehr hohen Schmelzpunkt verfügt», sagt Cadruvi. Sie nehme auch keine Feuchtigkeit auf und lasse ein Haus besser atmen als ein Haus mit Kunststoffdämmung.

Ein Generalist von der NTB

Cadruvi ist in der Surselva aufgewachsen und hat dort die Lehre als Elektrozeichner absolviert. An der Hochschule für Technik NTB Buchs studierte er in den frühen 80er-Jahren Elektro- und Regelungstechnik. «Die Vielseitigkeit dieses Studiums ist mir später in allen Berufen zugute gekommen. Generalist bin ich bis heute geblieben.»

Energiewende bringt Arbeit

Flumroc ist ein Unternehmen mit 250 Mitarbeitenden, das von der vom Bundesrat geforderten «Energiestrategie 2050» Nutzen ziehen wird. Wenn heute in der Schweiz immer noch die Hälfte aller Energie in Gebäuden verbraucht wird, liegt der Schluss nahe, dass hier das grösste Sparpotenzial liegt. Immer mehr Liegenschaftsbesitzer beginnen denn auch, ihre alten Häuser zu dämmen. Damit die Wärme im Winter drinnen und im Sommer draussen bleibt. «Der Energieeinsatz für die Produktion einer Dämmplatte wird in kurzer Zeit durch die eingesparte Energie wettgemacht», rechnet Cadruvi vor. Am Schluss zahle sich diese Investition auch noch finanziell aus – egal wie hoch der Ölpreis gerade ist.

Steinwolle ab Fliessband

Es ist laut und heiss in den Fabrikationshallen der Flumroc. Die Steinbriketts werden im Ofen mit Koks auf 1500 Grad Celsius erhitzt, bis sie den Schmelzpunkt erreichen. Als glühend heisser Strahl fliesst das Gestein über Spinnräder, die es zu Fasern verspinnen. Anschliessend entsteht ein Faserteppich, der später gepresst wird. Steinwolle aus Flums ist nicht nur ein Dämmstoff, sie findet zum Beispiel in Holzhäusern auch als Brandschutz Verwendung. Und überall dort, wo es laut ist, kann Steinwolle auch Lärm schlucken.

«Als Unternehmen, das für die Produktion seiner Erzeugnisse viel Energie aufwendet, suchen wir immer wieder nach Möglichkeiten, die Energie zu reduzieren», sagt Cadruvi. So betreibt die Firma mit der Abwärme aus der Fabrikation ein Fernwärmenetz, an das neben den eigenen Gebäuden benachbarte Wohnhäuser, Gewerbebauten und ein Schulhaus angeschlossen sind. Das gut 50 Jahre alte Bürogebäude wurde nach einer Sanierung der Gebäudehülle sowie dank Photovoltaik und Solarthermie zu einem Plusenergiehaus.

Alle sind gefordert

Die Energiewende steht am Anfang. Cadruvi ist aber überzeugt, dass sie sich durchsetzt. «Dafür sind aber noch sehr grosse Anstrengungen notwendig.» Sein Unternehmen steht in harter Konkurrenz mit in- und ausländischen Unternehmen. Forschung und Entwicklung haben bei den Sarganserländern deshalb einen hohen Stellenwert. «Nur so können wir uns auf dem Markt behaupten», sagt Cadruvi. In der Entwicklung neuer Produkte und Materialen arbeiten die Flumser eng mit ETH, Empa und Fachhochschulen zusammen. Der NTB komme grosse Bedeutung zu. Diverse NTB-Institute sind für die Flumser bei der Entwicklung innovativer Systeme wichtige Ansprechpartner.