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Wie Berghütten erneuerbare Energie erzeugen

In den Bergen ist die Sonneneinstrahlung besonders intensiv. Die Hütten versuchen, diese Energiequelle stärker zu nutzen. Eine Hütte strebt sogar die Selbstversorgung über erneuerbare Energien an.
Andreas Lorenz-Meyer
Die Cabane des Dix im Wallis: Musterbeispiel einer Berghütte, die selber Energie produziert. (Bild: Getty)

Die Cabane des Dix im Wallis: Musterbeispiel einer Berghütte, die selber Energie produziert. (Bild: Getty)

Die Berghüttensaison hat begonnen. Seit Mitte Juni ist auch die Cabane des Dix wieder geöffnet. Sie steht im Zentralwallis auf einem Granitsockel in 2928 Metern Höhe. Von hier aus lassen sich der Mont Blanc de Cheilon oder der Pigne d’Arolla erklimmen. 120 Schlafplätze gibt es. Die Bewirtschaftung verbraucht einiges an Energie, unter anderem fürs Kochen, Licht, Telefon, Warmwasser.

Dafür brauchte man bisher Dieselmotoren. Ab 2020 soll der Hüttenbetrieb aber frei von fossilen Energien laufen. Zu den Fotovoltaik-Paneelen an der Terrassenmauer und an der Fassade kommt nun eine Anlage auf dem Dach. Dessen gesamte Fläche von 240 Quadratmetern wird zur Stromproduktion genutzt. Zusätzlich wird es 10 Quadratmeter thermische Kollektoren zum Erzeugen von Wärme geben.

Imagegewinn als Nebeneffekt

Solarenergie erledigt aber nur einen Teil der künftigen Versorgung, denn man installiert auch Wasserstoffbrennzellen. Die sorgen für die Energiespeicherung und Wiedergewinnung – und das ist der eigentliche Clou.

Momentan produziert die Hütte in der Schliessungszeit ab September mehr Energie, als verbraucht wird. Energie, die einfach so verloren geht. Durch die Wasserstofftechnik ist die Speicherung den langen Winter hindurch möglich. Hat die Hütte dann wieder geöffnet, wandelt man den Wasserstoff in Elektrizität um und speist diese in Batterien ein. Sie steht so für den Betrieb zur Verfügung.

«Ein sehr interessantes Projekt», sagt Ulrich Delang, Ressortleiter Hütten und Infrastruktur beim Schweizer Alpen-Club. «Produktion und Speicherung erfolgen über das ganze Jahr, und die ausserhalb der bewirteten Zeit gespeicherte Energie kommt dann zeitlich verzögert zum Einsatz, sobald der Betrieb zum Sommer hin wieder losgeht», so Delang. Das bringt der Cabane des Dix «hundertprozentige Energieautarkie inklusive Kochen und Backen».

Der Schweizer Alpen-Club betreibt 153 Hütten mit rund 9000 Schlafplätzen. Fernab der Stromleitungen ist die Energieversorgung eine Herausforderung. Solarenergie spielt dabei eine immer grössere Rolle. Allerdings streben längst nicht alle Hütten Richtung Autarkie. Eine ähnliche Unabhängigkeit wie die Cabane de Dix erreicht nur die spektakuläre neue Monte-Rosa-Hütte, die sich seit bald zehn Jahren mittels Fotovoltaik und thermischen Solarkollektoren zu über 90 Prozent selbst versorgt.

«Viele Hütten haben einen bedeutend tieferen Technisierungsgrad», so Delang. Momentan ist Fotovoltaik bei Beleuchtung, Telefon, Internet und Tiefkühler zwar kein Problem. «Kochen und Backen mit Sonnenstrom geht aber nicht, das machen wir weiterhin mit Holz oder Gas.» Und solare Wärme? Solarkollektoren gibt es in einigen Hütten. Sie können bis zu 100 Prozent des erforderlichen Warmwassers erzeugen.

«Der Imagegewinn ist höchstens ein angenehmer Nebeneffekt.»

Unter anderem in der Clariden-Hütte im Glarus läuft die Erwärmung des Wassers für die Geschirrspülmaschine auch über Sonnenkollektoren. Delang: «Wir versuchen insgesamt, den Verbrauch tief zu halten. Warme Duschen wie in der Keschhütte in den Albula-Alpen bleiben daher die Ausnahme. Sie können wenn überhaupt nur gegen Bezahlung benutzt werden.» Solarenergie in 2500 oder 3000 Metern Höhe ist etwas ganz anderes als in den Tälern. «Besonders wenn sie an der Aussenhaut angebracht sind, müssen die technischen Anlagen äusserst stabil sein», erklärt Delang. «Wind-, Eis- und Schneeeinwirkungen sind besonders stark.»

Zudem gelten für die Hinterlüftung der Paneele erhöhte Anforderungen, um Überhitzung zu vermeiden. Der Ertrag ist im Gebirge um einiges höher als im Tal – und damit auch die Erwärmung. Delang findet, dass Solarenergie einen Imagegewinn für die Hütten bedeutet. Mit Diesel betriebene Stromaggregate hätten einen schweren Stand. Häufig würden sie aber auch nur im Notfall oder zur Deckung der Spitzenlast eingesetzt.

Nachhaltige, mit Sonne, Wasser oder Wind erzeugte Energie läge bei den Gästen klar vorn. «Der Imagegewinn ist aber höchstens ein angenehmer Nebeneffekt.» Primär wolle man – aus Sorge zur Umwelt – die Energieproduktion in sämtlichen Hütten möglichst frei von fossilen Brennstoffen bekommen.

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