ENERGIE: Schweiz importiert wieder mehr Rohöl aus Kasachstan

Nigeria bleibt zwar der wichtigste Öllieferant für die Raffinerie im Westschweizer Cressier. Kasachstan holt jedoch auf.

Jann Lienhart (sda)
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Von Nigeria, dem grössten ­afrikanischen Erdölexporteur, stammten 2016 mehr als ein Drittel der Schweizer Erdölimporte. Auch im laufenden Jahr blieb Nigeria unangefochten an der Spitze. Aus diesem bevölkerungsreichen, aber auch durch Korruption geprägten Land stammten gemäss der Statistik der Eidgenössichen Zollverwaltung in den ersten fünf Monaten sogar rund 45 Prozent der Importe. Auf den weiteren Plätzen hat sich dagegen einiges verändert.

Einen steilen Wiederaufstieg legte Rohöl aus Kasachstan hin. 2015 waren die Importe aus dem zentralasiatischen Land auf einen Anteil an den gesamten Öleinfuhren von 8 Prozent eingebrochen. Danach erholten sie sich 2016 auf 16 Prozent. In den ersten fünf Monaten in diesem Jahr explodierte der Anteil nun förmlich auf 45 Prozent. Stark rückläufig waren die Importe hingegen aus den USA und Mexiko. Lieferten diese zwei Länder 2016 addiert noch einen Drittel des Rohöls, hat Cressier in diesem Jahr nur noch geringe Mengen aus dieser Region importiert.

Preis und Qualität geben den Ausschlag

Offensichtliche Gründe dafür gibt es nicht. «Für Raffinerie-Betreiber sind grundsätzlich vor allem der Preis und die Qualität für die Wahl der Erdöllieferanten entscheidend», sagt David Suchet von der Erdöl-Vereinigung (EV). Er verweist zudem darauf, dass die Anteile der Herkunftsländer innerhalb eines Jahres stark schwanken können. Eingebrochen ist aufgrund der schwierigen politischen Situation die Erdölförderung in Libyen.

Mit einiger Verzögerung und auf Umwegen zeigt sich das auch in der Schweiz. 2014 war das nordafrikanische Land mit einem Anteil von über 35 Prozent für die Schweiz noch der wichtigste Rohöllieferant. 2016 machte das libysche Öl dagegen nur noch 2 Prozent der Importe aus. Direkte Ursache dafür ist die im April 2015 erfolgte Schliessung der zweiten Schweizer Raffinerie in Collombey, die dem libyschen Staatsfonds Libyan Investment Authority gehört. Dieser betreibt unter der Marke Tamoil in Europa sowohl Tankstellen wie auch Raffinieren.

Ein prominenter Abwesender auf der Liste ist Saudi-Arabien – immerhin der grösste Erdölproduzent weltweit. Der Grund liegt laut Suchet in folgendem Umstand: Die Schweizer Raffinerie verarbeite nur leichtes, schwefelarmes Rohöl. Saudi Arabien dagegen fördere vor allem schweres, schwefelreiches Rohöl. Dass heisst jedoch nicht, dass Schweizer Treib- und Brennstoffe nicht aus saudischem Rohöl stammen können. Die Raffinerie in Cressier deckt nämlich nur ein Viertel des Schweizer Bedarfs. Drei Viertel werden importiert.

Jann Lienhart (SDA)