Energie für das Portfolio

Mit aufhellenden Konjunkturaussichten ist auch ein Anstieg der Öl- und Gaspreise wahrscheinlich. Energieaktien sind unterbewertetet, und deshalb empfehlen wir deren Übergewichtung.

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Mit aufhellenden Konjunkturaussichten ist auch ein Anstieg der Öl- und Gaspreise wahrscheinlich. Energieaktien sind unterbewertetet, und deshalb empfehlen wir deren Übergewichtung. Diese Präferenz, aber auch der Mangel an kotierten Energieunternehmen in der Schweiz, sollte zu einer Überprüfung des Anlageportfolios genutzt werden, um vom Preis- und Gewinnanstieg zu profitieren.

Die Extreme des Ölpreises

Der Erdölpreis reflektiert normalerweise die Berg-und-Tal-Fahrt der Weltwirtschaft deutlich. Allerdings haben im Juli 2008 Knappheitsängste zu einer Preisspitze von 145 $ pro Fass (159 Liter) geführt. Die Finanzkrise trieb den Ölpreis Ende 2008 auf unter 33 $. Diese Übertreibungen sollten jedoch nicht davon ablenken, dass die Energiepreise tendenziell steigen.

So steht der Ölpreis heute bereits wieder bei 73 $, obwohl die wirtschaftliche Erholung in den westlichen Ländern erst sehr zaghaft eingesetzt hat. Die geographische Verschiebung der Nachfrage in Richtung Schwellenländer ist eindrücklich. So war China im Jahr 2009 alleine für 75% des Nachfragewachstums verantwortlich.

Einem Tiefpunkt nahe

Als Anleger von diesem Trend direkt zu profitieren, ist nicht einfach.

Engagements im Ölmarkt sind vor allem wegen der Mindestgrösse für Investitionen und den anfallenden Kosten meist nur für grosse Anleger interessant. Gleichzeitig beobachten wir aber eine Bewertung der Öl- und Gasaktien, also des Energiesektors, nahe des Zehn-Jahres-Tiefpunktes und mit einem deutlichen Abschlag gegenüber dem Gesamtaktienmarkt. Damit ergibt sich eine attraktive Alternative, und wir empfehlen eine Übergewichtung des Energiesektors.

Öl dürfte wieder teurer werden

Die Gewinne der Unternehmen des Energiesektors haben 2009 stark unter dem Preisrückgang des Öls gelitten. Wir erwarten im laufenden Jahr jedoch wieder einen Anstieg. Die laufende Berichterstattung der Öl- und Gasunternehmen für das 4. Quartal 2009 bestätigt denn auch diesen Trend. Zwar leidet die Raffinierung von Rohöl zu Produkten wie Diesel oder Benzin noch unter sehr schwachen Margen, aber die Gewinne bei der Ölförderung sprudeln wieder kräftiger.

Wenn die Energienachfrage mit der Konjunkturerholung in den entwickelten Ländern weltweit wieder zunimmt, steht eine weitere Gewinnsteigerung an.

Häufig untergewichtet

Ein weiteres Argument, die Gewichtung von Energieaktien im Anlageportfolio zu überprüfen, ist die häufige Untergewichtung des Sektors mangels entsprechender Unternehmen im Schweizer Aktienmarkt.

Unsere Präferenz liegt bei amerikanischen Förderunternehmen, die unmittelbar von steigenden Öl- und Gaspreisen profitieren, und bei den europäischen integrierten Konzernen, die auch für defensive Anleger geeignet sind und eine Dividendenrendite von 5% bis 7% bieten. Dies ist auch vor dem Hintergrund tiefer Zinsen sehr attraktiv.

Rudolf Leemann,

Aktienanalyst, UBS

Wealth Management Research

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