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Europas IT-Messe Cebit wird wegen mangelndem Interesse eingestellt

Immer weniger Besucher, sinkendes Interesse der Aussteller – die IT-Messe Cebit wird es künftig nicht mehr geben. Zu gross ist die Konkurrenz aus Asien und den USA. Der Versuch, aus der Messe eine Show zu machen, kam zu spät.
Christoph Reichmuth, Berlin
Angela Merkel und Johann Schneider-Ammann testeten an der Cebit in Hannover Reality-Brillen aus. (Bild: Ole Spata/Keystone (15. März 2016))

Angela Merkel und Johann Schneider-Ammann testeten an der Cebit in Hannover Reality-Brillen aus. (Bild: Ole Spata/Keystone (15. März 2016))

Das Foto des damaligen Bundespräsidenten Johann Schneider-Ammann und der deutschen Kanzlerin Angela Merkel ging um die Welt. Die beiden hohen Politiker begutachteten bei der Eröffnung der weltweit grössten Computermesse Cebit in Hannover im März 2016 etwas unbeholfen ein Videodisplay. Die Schweiz war damals Partnerland der Cebit, der Schweizer Bundespräsident durfte den Event eröffnen und eine schöne Rede halten. Die Öffentlichkeit konnte damals nicht erahnen, dass die Cebit bald Geschichte sein wird.

Die Organisatoren der Cebit, die Deutsche Messe AG, haben am Mittwoch bekanntgegeben, dass «Europas führender Digital-Event», wie die Cebit einst angepriesen wurde, per sofort eingestellt wird. «Angesichts rückläufiger Flächenbuchungen», hiess es in der Begründung der Veranstalter. «Aus heutiger Perspektive würde eine Cebit 2019 massiv in den Verlustbereich abdriften. Auch in der längerfristigen Perspektive ist eine Besserung nicht zu erwarten», teilte der Messevorstand in einem internen Schreiben der Belegschaft mit. Der Verlust für das nächste Jahr wäre laut deutschen Medienberichten bei rund fünf Millionen Euro gelegen.

Festivalcharakter konnte nicht etabliert werden

Die Cebit kämpft seit Jahren mit rückläufigen Besucherzahlen. Auch der letzte Rettungsversuch in diesem Jahr konnte die Computermesse nicht mehr retten. Die Veranstalter verlegten die Cebit vom in der Regel eher kühlen März in den Sommermonat Juni und gaben der Cebit ein moderneres, jüngeres Auftreten. Zum herkömmlichen, eher sterilen Messebetrieb mit verschiedenen Ständen in der Ausstellungshalle gab es diverse Outdoor-Stände mit Attraktionen wie Wellenreiten für Surfer und Konzerte am Abend. Ziel war es, ­einen Festivalcharakter zu etablieren und damit vermehrt auch die junge Generation der Start-up-Szene nach Hannover zu locken. Trotz des neuen Gewandes fanden indes nur 120000 Be­sucher den Weg aufs Messegelände – 80000 weniger als noch im Vorjahr. Seit der Jahrtausendwende sind die Besucherzahlen sinkend. 2001 registrierte die Cebit noch 850000 Gäste.

Das sinkende Besucherinteresse und mangelnder Aufmarsch des Fachpublikums sorgten auch dafür, dass namhafte Technologiefirmen der Messe den Rücken zugekehrt haben. Bereits in diesem Jahr hatte Microsoft auf eine Cebit-Präsenz verzichtet, laut dem «Handelsblatt» wollten auch IBM, Salesforce und Huawei ihr Engagement einstellen, Volkswagen, SAP und Vodafone wollten demnach künftig deutlich weniger investieren. Die Messe-Konkurrenz für die Cebit ist inzwischen gigantisch: Die CES in Las Vegas oder der Mobile World Congress in Barcelona, aber auch Messen in Asien richten sich an das gleiche Publikum wie die Cebit. Hinzu kommen unzählige Spezialmessen für die IT-Branche. Ausserdem richten etliche Technologiefirmen inzwischen eigene Veranstaltungen – sogenannte Hausmessen – durch.

Messe wird teils in Hannover weitergeführt

Ein Teil der Cebit – industrienahe Digitalthemen – werden künftig in der Hannover Messe weitergeführt, heisst es in einer Mitteilung. «Die deutsche Wirtschaft hat in den vergangenen Jahren immer wieder über die Überschneidung von Cebit und Hannover Messe diskutiert», erklärte Messevorstand Joachim Köckler.

Die Cebit gab es seit 1970, gegründet wurde sie als «Centrum der Büroautomation, Informationstechnologie und Telekommunikation» und war bis Mitte der 1980er-Jahre Teil der Hannover Messe. 1986 wurde die Cebit als eigenständige Messe etabliert. Deren Ende wird bedauert. «Das ist ein Schlag ins Kontor für den Messestandort Hannover und damit für den gesamten Wirtschaftsstandort Niedersachsen», sagte Volker Schmidt von den niedersächsischen Metallarbeitgebern.

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