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Ende einer langen Geschichte

Am Anfang kämpfte die Druckerei Zollikofer gegen die Zensur. Der Kampf gegen die Marktkräfte ging nun verloren. Über sechs Generationen haben die Zollikofers St. Galler Druckerei- und Zeitungsgeschichte geschrieben.
Rolf App
Die Druckmaschinen an der Fürstenlandstrasse sollen Mitte 2012 stillstehen – das Ende einer 222jährigen Geschichte. (Bild: ky/Ennio Leanza)

Die Druckmaschinen an der Fürstenlandstrasse sollen Mitte 2012 stillstehen – das Ende einer 222jährigen Geschichte. (Bild: ky/Ennio Leanza)

ST. GALLEN. Es ist traurig, sehr traurig sogar: Der Druckereiverbund Swissprinters (siehe Kasten) schliesst seinen Standort in St. Gallen, 173 Mitarbeiter müssen sich eine neue Stelle suchen. Die Krise im Druckereigewerbe fordert ein weiteres Opfer. Unter geht dabei das, was einmal die Zollikofer AG war. Deren Geschichte gleicht einem Strom, in den sich viele Bäche ergiessen, der sich dann aber 1999 teilt, mit der Aufgliederung von St. Galler Tagblatt AG und Zollikofer AG. Schon 1991 hat die Familie Zollikofer ihre Anteile an die Freie Presse Holding verkauft, wo im Jahr zuvor die NZZ eingestiegen war. Zollikofer: Das ist Vergangenheit.

Ärger mit der Zensur

Doch was für eine Vergangenheit! Dass sie 1789 einsetzt, mit dem Ausbruch der Französischen Revolution, ist dabei keineswegs Zufall. Denn vorher hat der Buchdruck in St. Gallen einen ausgesprochen schweren Stand. Wer immer es versucht, bekommt es mit der Zensur zu schaffen. Gedruckt wird in der Schweiz zuerst 1470 im Flecken Beromünster, dann in Basel, Burgdorf, Genf, Zürich, Neuenburg, im Puschlav – und erst 1578 in St. Gallen. Der es wagt, Leonhart Straub, wird schon mit einem harmlosen Kalender zum Gegenstand «aussenpolitischer» Verstimmungen zwischen Appenzell und St. Gallen.

Manch einer versucht es nach ihm, meist gibt es Ärger. Aber man kann auch Geld verdienen. Denn es gibt viel zu drucken, Religiöses vor allem. Am Ende des 18. Jahrhunderts hat der Buchbinder und Verleger Alexander Zollikofer so viel Erfolg, dass sein Sohn Johannes den Buchdruck erlernt und 1789 in St. Gallen eine Buchdruckerei begründet.

Geschickte Geschäftspolitik

Obwohl auch er manchen Verweis der Zensur einsteckt, die erst 1795 ihre Arbeit einstellt, laufen seine Geschäfte so gut, dass er bald die Konkurrenz verdrängt und über Jahrzehnte der einzige Drucker in der Stadt St. Gallen bleibt. Wer sich nicht aufkaufen lässt, den macht er zum Partner. Wie zum Beispiel Leonhard Dieth, durch dessen Tod Zollikofer Besitzer des «St. Gallischen Wochenblattes» wird.

Jeder Partei ihre Zeitung

1839 schliessen sich Johannes Zollikofer und sein Sohn Christoph mit dem Buchhändler Carl Peter Scheitlin zusammen. Er bringt das «Tagblatt der Stadt St. Gallen» mit, in der Folge fördert Christoph vor allem den Ausbau des «Tagblatts». Es ist eine Zeit heftigen Parteienstreits, und alle Parteien haben ihre eigenen, freilich manchmal eher kurzlebigen Organe. Es gibt den «Erzähler», den «Freimüthigen», den «Wahrheitsfreund».

Christoph Zollikofer macht in dieser Situation Zukunftsweisendes. Erstens kommt sein Anzeigenblatt täglich heraus, zweitens bindet er sich mit seinem Blatt an keine Partei – und kann 1858 zufrieden feststellen: «Die vaterländische, unparteiische, freisinnige Haltung hat demselben in allen Kantonen viele Freunde gewonnen.» 4000 Abonnenten zählt Zollikofer, das «Tagblatt» sei «eines der weitestverbreiteten Blätter».

Ansehen gewinnen die Zollikofers freilich zuallererst mit der Qualität ihrer Druckerzeugnisse. Schon bald wird ein erstes Domizil zu klein, Zollikofer baut am damaligen Rand der Stadt, beim St. Galler Bahnhof – dort, wo sich heute das Einkaufszentrum Neumarkt befindet.

Doch 1880 wird diese Druckerei ein Raub der Flammen. In nur vier Monaten entsteht am selben Ort «ein noch schönerer Tempel Gutenbergs», wie es in einem Bericht heisst. Bis auch er zu klein wird und Zollikofer 1967 hinaus an die Fürstenlandstrasse zieht.

Verkauf an die NZZ

Im Auf und Ab der Konjunkturen vermag Zollikofer sich ganz gut zu behaupten, 1991 verkauft der letzte Zollikofer seine Anteile an die NZZ, jetzt verschwindet der Geschäftsdruck. So kommt jede ruhmreiche Geschichte an ihr Ende. Auch wenn es traurig ist.

Wichtigste Grundlage war das von Hermann Strehler verfasste Buch: Die Buchdruckerkunst in alten St. Gallen – Die Geschichte der Offizin Zollikofer – Vom «Wochenblatt zum «St. Galler Tagblatt»

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