Ems-Motor läuft auf Hochtouren

Der Spezialchemiekonzern Ems profitiert vom Aufschwung in der Autobranche, besonders in China. Die Geschäftszahlen erreichen das Niveau der Hochkonjunktur.

Stefan A. Schmid
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Domat/Ems. Auf die Talfahrt als Folge der globalen Wirtschaftskrise folgt der rasante Wiederaufstieg. Was sich bereits im Schlussquartal 2009 abgezeichnet hat, setzt sich dieses Jahr bei der Ems-Gruppe nahtlos fort. Beim Unternehmen von Konzernchefin und -Mehrheitsaktionärin Magdalena Martullo brummt das Geschäft wie zu Zeiten der Hochkonjunktur. So wurde beim Umsatz im 1. Halbjahr 2010 mit 836 Mio. Fr. ein Rekord erzielt, ebenso beim operativen Gewinn mit 154 Mio. Franken.

Damit konnte der Umsatz im Vorjahresvergleich um die Hälfte erhöht werden, der Gewinn wurde mehr als verdoppelt. Was aber wenig verwundet, war doch die Weltwirtschaft damals im Krebsgang – und Ems als starke Exportfirma bekam dies zu spüren.

Autobranche erholt sich

Doch nun profitiert Ems vor allem von der wiedererstarkten Autoindustrie, die für über die Hälfte der Verkäufe verantwortlich zeichnet.

Gefragt sind in der Autoproduktion besonders die innovativen Spezialkunststoffe (polymere Werkstoffe) aus dem Hause Ems, deren Endprodukte leichter als Metall sind und sich auch unter Belastung und bei hohen Temperaturen nicht verformen.

Noch viel Potenzial in China

Besonders in den neuen Wachstumsmärkten China und Indien finden die Ems-Kunststoffe reissenden Absatz. So konnte der Umsatz mit polymeren Werkstoffen in China im 1. Semester verdoppelt werden.

Im Gegensatz zu den traditionellen Märkten USA, Europa und Japan, wo Autoproduktion und -verkäufe zwar angezogen haben, aber immer noch 20% unter dem Vorkrisen-Niveau (2007) liegen, boomt der chinesische Automarkt.

Und die Ems-Chefin ortet weiteres Potenzial – viel Potenzial: So liegt der Anteil der Autobesitzer an der Bevölkerung in China derzeit bei 2%, in Indien bei 1%. Zum Vergleich: In den USA sind es 77%, in Deutschland 56%.

Der Euro macht keine Freude

Martullo zeigt sich für die nahe Zukunft optimistisch: Sie spricht von weiterem Ausbau der Kapazität, besonders in den Wachstumsmärkten, aber auch in Domat/Ems. Zur Erinnerung: Vor gut einem Jahr musste Ems noch mit einem Einstellungsstop und Kurzarbeit gegen die Wirtschaftsflaute kämpfen. Tempi passati: Für 2010 rechnet Martullo bei operativem Gewinn und Umsatz mit «deutlich höheren» Resultaten als 2009.

Wermutstropfen sind die massiv höheren Rohstoffpreise und der schwache Euro. Doch sei es die Schweizer Exportindustrie gewohnt, mit Wechselkursschwankungen umzugehen, sagt Martullo. Auch habe sich Ems früh gegen den Euro-Sturz abgesichert.

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