Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

EMMI: «Wir zahlen gerne einen höheren Preis»

Der grösste Milchverarbeiter der Schweiz hat ein durchzogenes erstes Halbjahr hinter sich. CEO Urs Riedener spricht über die Eigenheiten des Milchmarkts und die Marktmacht der verschiedenen Akteure.
Ernst Meier
Es wird nicht mehr so viel gemolken: Der Milchkonsum ist in der Schweiz weiter rückläufig.

Es wird nicht mehr so viel gemolken: Der Milchkonsum ist in der Schweiz weiter rückläufig.

Interview: Ernst Meier

Urs Riedener, das Halbjahres­ergebnis von Emmi liegt unter den Erwartungen. Wie sind Sie per­sönlich zufrieden mit den Zahlen?

Wir können mit den Verkäufen in der Schweiz und in Europa nicht ganz zufrieden sein. Der gesamte Konzernertrag stimmt hingegen. Wir sprechen hier immerhin von unserem zweitbesten Halbjahresresultat.

In der Schweiz gingen die Verkäufe um 15 Millionen Franken zurück. Was sind die Gründe für die rück­läufige Tendenz?

Zum einen liegt es am Milchkonsum, der in der Schweiz weiterhin zurückgeht – vor allem der Absatz von Trinkmilch, Rahm und Butter ist rückläufig, der Absatz anderer Milchprodukte ging weniger stark zurück. Was derzeit gut läuft, ist Glace. Weil Emmi in diesem Bereich nicht so stark vertreten ist, profitieren wir weniger von den guten Wetterverhältnissen. Weiter lief der Käseverkauf weniger gut. Das hat damit zu tun, dass die Schweiz mehr Käse importiert. Die Einfuhren stiegen im ersten Halbjahr um 4,4 Prozent. Schliesslich spürten wir auch, dass bei Hard-Discountern importierte Eigenmarken einen rechten Regalanteil haben. Der Druck auf die Menge gibt auch Preisdruck.

Die Gewinnmarge und den Reingewinn konnte Emmi trotzdem verbessern. Das gibt den Milchbauern und ihren Forderungen nach einem höheren Milchpreis erneut Auftrieb.

Unsere Rendite ist unabhängig vom Milchpreis. Gerade Richtpreisveränderungen werden ja durch die ganze Wertschöpfungskette weitergegeben. Da gibt es für uns nichts zu gewinnen oder zu verlieren. Unabhängig davon, zahlen wir nachweislich einen überdurchschnitt­lichen Milchpreis. Die erfreuliche Entwicklung von Emmi in den letzten Jahren ist vor allem auf das Wachstum im Ausland zurückzuführen. Und die Reingewinnsteigerung im ersten Halbjahr 2017 ist rein buchhalterischer Natur. Durch die vollständige Übernahme der Mittelland Molkerei AG im aargauischen Suhr müssen wir nicht mehr einen Teil des Gewinns an andere Aktionäre ausschütten. Der Kernertrag liegt unter dem Vorjahr.

Die Situation bei den Milchbauern bleibt angespannt. Die Zahl der Milchbetriebe geht zurück. Mit einem höheren Milchpreis könnte Emmi als Verarbeiter zu einer Verbesserung der Lage beitragen.

Der Milchpreis wird nicht von Emmi, sondern von der Branchenorganisation Milch (BOM) bestimmt. In diesem Rahmen hat sich Emmi schon diesen Frühling für eine Preiserhöhung ausge­sprochen. Leider hat das damals nicht geklappt. Aber soeben wurde ja der Richtpreis für das vierte Quartal, auch mit der Unterstützung von Emmi, um drei Rappen angehoben.

Im Ausland ist der Milchpreis bereits gestiegen. In der EU erhalten die Produzenten zwischen 10 und 18 Rappen pro Kilo mehr als vor einem Jahr. Warum dauert es in der Schweiz länger?

Der Milchpreis in der Schweiz ist in der letzten Zeit sehr wohl gestiegen. Die mediale Diskussion hat dies einfach immer ausgeblendet und sich lediglich mit dem sogenannten Richtpreis für A-Milch beschäftigt. Es gibt aber noch zwei weitere Milchpreise. Im A-Richtpreis hat es aber tatsächlich eine gewisse Verzögerung drin. Das liegt am dahinterliegenden ­Indexsystem. Als vor rund zwei Jahren in der EU der Milchpreis abstürzte, zog man mit dem Schweizer Richtpreis nur verzögert und nur in reduziertem Umfang nach. Als der Index wieder zu steigen begann und der Schweizer Milchpreis nicht gleich angepasst wurde, reklamierten natürlich viele Produzenten. Der Index ermöglicht jedoch eine nachvollziehbare Preisgestaltung für die Branche und trägt der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Rechnung. Übrigens hätte dieser Index für das vierte Quartal noch keine Milchpreiserhöhung angezeigt.

Ist denn der Richtpreisindex falsch? Müsste man diesen neu berechnen?

Das muss die Branchenorganisation diskutieren und festlegen. Wenn man den Index auf ein höheres Niveau hievt, würde das den Absatz von Schweizer Milchprodukten weiter erschweren, und man müsste die Mengen reduzieren.

Das tönt alles sehr bürokratisch. Auf der anderen Seite ist das Schicksal von vielen Bauern, die ihre Milch­kühe verkaufen, weil sie damit kein angemessenes Einkommen mehr erzielen können. Das muss Sie als Partner sicher auch berühren.

Natürlich ist mir klar, dass die wirtschaftliche Situation der Bauern nicht befriedigend ist. Es gibt verschiedene Wege, das zu verbessern. Wir haben uns eingesetzt, den Milchpreis frühzeitig zu ­erhöhen, obwohl der Index noch keine Anpassung vorsieht. In der BOM waren andere jedoch dagegen. Emmi die Schuld am tiefen Milchpreis zuzuweisen ist populistisch und nicht zielführend. Wir haben keinen «goldigen Richtpreisschlüssel» in der Hand. Wir sind jedoch gerne bereit, einen überdurchschnittlichen Preis zu zahlen und sinnvolle Branchenentscheide zu stützen.

BOM-Mitglied Coop ist im Juni ausgeschert und zahlt den Bauern nun einen höheren Preis, als die Branche abgemacht hat.

Coop war richtigerweise nicht zufrieden mit dem Entscheid der BOM, den Milchpreis nicht frühzeitig zu erhöhen – und hat darauf eigenständig gehandelt. Für jene Milch, die wir Coop liefern, erhalten wir die zusätzlichen drei Rappen und ­geben sie den Bauern vollumfänglich weiter. Für mich zeigt dieser Schritt von Coop, dass in der Branche der Detailhandel ein sehr gewichtiges Wort hat. Wenn Emmi entscheidet, den Bauern mehr zu bezahlen, können wir dies beim Detailhandel nicht umsetzen. Emmi hat keine Preishoheit nach vorne, wir stehen mit anderen Milchverarbeitern im Wettbewerb.

Wobei die Detailhändler ja auch untereinander im Wettbewerb stehen. Entsprechend hatte die Migros keine Freude am Vorpreschen von Coop und hat mit dem Austritt aus der BOM reagiert. Was heisst das künftig für die Milch­preisbestimmung?

Ich befürworte es, wenn Lösungen innerhalb der Branche gesucht werden können. Die Milchbranche war schon immer eine heterogene Branche. Es gibt ganz viele partikular-regionale Interessen. Zudem ist der staatliche Einfluss kleiner als beispielsweise in der Fleischwirtschaft. In der Milchbranche hat es viele Freigeister, die versuchen, ihren Eigennutzen zu maximieren. Es gibt zu wenige Mitglieder, die mithelfen, den Gesamtnutzen zu verbessern. Das Ausscheiden von Migros aus der Branche ist, so gesehen, kein gutes Signal, denn Uneinigkeit in der Branche führt in der Regel zu tieferen und nicht höheren Preisen. Wenn man Wertschöpfung in der Branche erzielen will, dann ist eine breite ­Abdeckung der BOM wichtig.

Ein Bauer aus dem Luzerner Hinterland forderte im April, dass Emmi einen Teil des Gewinns zusätzlich an die Milchbauern ausschüttet. Wie stehen Sie heute zu dem Vorschlag?

Emmi ist eine Aktiengesellschaft, die zu 54 Prozent den Zentralschweizer Milchproduzenten (ZMP) gehört. Diese können aber nicht alleine entscheiden. Wir sind verpflichtet, alle Aktionäre gleich zu halten, und können nicht einfach eine Teilhabergruppe bevorzugen. Der ZMP gibt aber einen schönen Teil der Dividende an die Bauern weiter. Das ist der richtige Weg und so in der Schweizer Milchwirtschaft einmalig.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.