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Schweizer Ingenieure entwickeln das Stadtmobil der Zukunft

Auto, Velo, Scooter – wie fährt man am besten durch den städtischen Raum? Zwei Schweizer Ingenieure haben ein Gefährt entwickelt, das nicht nur ungewöhnlich aussieht, sondern auch viele ökologische Vorteile bietet. Es geht bald in die Testphase.
Andreas Lorenz-Meyer
Der dreirädrige Bicar erreicht eine Geschwindigkeit von 45 Stundenkilometern. (Bild: PD)

Der dreirädrige Bicar erreicht eine Geschwindigkeit von 45 Stundenkilometern. (Bild: PD)

Das Stadtmobil der Zukunft bewegt sich auf drei Rädern. Zumindest wenn es nach den Plänen von Adrian Burri geht. Zusammen mit Hans-Jörg Dennig, seinem Ingenieurskollegen von der ZHAW School of Engineering, hat er das dreirädrige elektrische Kleinmobil Bicar entwickelt. «Als erstes Fahrzeug überhaupt wurde es nur für die Sharingnutzung optimiert. Wir konnten so ein Fahrzeug designen, das sehr platzsparend ist.»

Es passen bis zu 9 Bicars auf einen PKW-Parkplatz – für Sharinganbieter ein grosser Vorteil. Zudem wiegt das Gefährt unter 100 Kilogramm – das ist viel weniger als bei anderen Kleinfahrzeugen wie etwa beim Renault Twizy. So kann es günstiger produziert und energieeffizient betrieben werden. Zudem lässt sich Bicar als erstes Fahrzeug im Sharingbetrieb komplett energie­autark über Solarzellen einsetzen, ohne Ladestationen.

Leichtmobil zwischen Auto und Velo

Ein Auto stösst im Schnitt 140 Gramm CO2 pro gefahrenem Kilometer aus, im Stadtverkehr eher mehr. Der solarbetriebene Bicar fährt dagegen emissionsfrei. Sharingangebote sind grundsätzlich wünschenswert, findet Burri. Untersuchungen hätten gezeigt, dass sie zu einer Verhaltensveränderung führen. Menschen kämen durch Sharing weg vom Besitzen und kauften sich kein eigenes Auto mehr. Neben den ökologischen Faktoren geht es vor allem um Sicherheit. Dafür sind die drei Räder da. «Mit denen fährt man auch auf nassen oder rutschigen Strassen sicher», erklärt Burri. So hebe sich Bicar auch von Scooter-oder Velolösungen ab.

Zudem braucht man keinen Helm, sondern ist mit einem Dreipunktgurt gesichert. Durch einen speziellen Neigemechanismus lässt es sich mit dem Gefährt auch richtig in die Kurven gehen. Wobei auch dann sicheres Fahren garantiert ist wegen der sehr kompakten Bauweise und einer Höchstgeschwindigkeit von 45 Kilometern pro Stunde. Dass Bicar, dieses Leichtmobil zwischen Auto und Velo, im künftigen Stadtverkehr eine gewichtige Rolle spielt, daran hat Burri keinen Zweifel. Es werde keinesfalls nur eine Nische besetzen. Bereits über 60 europäische Städte hätten die Zufahrt mit dem Auto in die Stadt verboten, viele weitere planen das in den nächsten Jahren. Der Autoverkehr verursacht bekanntlich sehr hohe CO2-Belastungen und verringert wegen der vielen Staus und des extremen Parkflächenbedarfs die Attraktivität der Städte. «Da heute rund 70 Prozent der Strecken in der Stadt mit einem privaten Auto zurückgelegt werden, und zwar für Distanzen von unter 5 Kilometern, brauchen die Menschen eine Alternative, wie sie effizient an ihr Ziel gelangen.» Bestehende Sharingfahrzeuge bedienten das Bedürfnis bis heute nicht. Überall würden neue nachhaltige Mobilitätslösungen gesucht. Die Gespräche und Kooperationen mit über 20 europäischen Städten bestätigen, «dass wir auf dem richtigen Weg sind».

Die beiden ZHAW-Ingenieure, deren Start-up mit vollem Namen «Share your Bicar» heisst, tüfteln gerade an Modell 3.0, der Version, die die Schweizer Strassenzulassungskriterien erfüllt. Ab Mai 2019 soll die Zulassung da sein. Von Juni bis September werden dann fünf Testfahrzeuge gebaut. Ihr erster Einsatzort: Winterthur. Die Stadt hat sich der «Charta für eine nachhaltige städtische Mobilität» angeschlossen. «Das Bicar-Konzept passt da gut hinein», so Christoph Bar­tholdi, Geschäftsführer Klimafonds Stadtwerk Winterthur. Das Fahrzeug soll auf Kurz- und Mittelstrecken einen Individualverkehr ohne Auto ermöglichen. Zudem ergänzt es den öffentlichen Verkehr, vor allem in Randzonen und Randzeiten. Für Bartholdi eine attraktive, emissions- und lärmfreie Alternative zum Auto.

Bevölkerung soll mit einbezogen werden

Das Modell könne dazu beitragen, den Autoverkehr in Winterthur auf lange Sicht zu reduzieren. Daher unterstützt man das 6-monatige Pilotprojekt finanziell. Es beginnt im Oktober. Anfangs gibt es einen fixen Abhol- und Rückgabeort in der Nähe des Hauptbahnhofs Winterthur, ab dem dritten Monat kommen weitere Standorte dazu. Danach wird Bicar im Freefloating-System innerhalb des Stadtgebiets getestet. Das heisst, die Fahrzeuge können an verschiedenen fixen Stationen wieder abgestellt werden. Sie sind nicht zwingend an die Ausgangsstation zurückzubringen.

Entlang der Fahrtstrecken finden Messungen statt, um den Energieverbrauch der Solardreiräder zu dokumentieren. Im Anschluss an Winterthur kommen die Testfahrzeuge nacheinander in Baden und in Basel zum Einsatz. Danach soll die Serienproduktion beginnen. Die Bevölkerung wird bei dem Projekt mit einbezogen, so Bar­tholdi. Das könne helfen, die Akzeptanz zu vergrössern. Anregungen aus der Bevölkerung will man möglichst schnell umsetzen. «Die daraus erhobene Statistik lässt sich clustern, um so noch mehr geeignete Standorte zu definieren.»

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