Wegen Ansteckungsrisiko im Zug: Elektro-Velos erleben während Corona einen Boom

Die Angst vor dem Virus im öffentlichen Verkehr und das schöne Wetter befeuern den Verkauf. Velohändler enttäuscht von Bundesrat.

Pascal Ritter
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Prägen das Strassenbild immer mehr: Eine Elektrobike-Fahrerin fährt auf einer Strasse in Zürich.

Prägen das Strassenbild immer mehr: Eine Elektrobike-Fahrerin fährt auf einer Strasse in Zürich.

Bild: Walter Bieri / Keystone

Die Velohändler sind wütend auf den Bundesrat. Ab Montag sind die Baumärkte wieder geöffnet und sie dürfen auch Velos verkaufen. Veloläden dürfen aber noch bis zum 11. Mai nicht direkt Velos verkaufen . Corona hat die Branche unterschiedlich getroffen. Insgesamt sind die Umsätze zurückgegangen, weil ein direkter Verkauf von Fahrrädern im Laden nicht mehr möglich ist.

Diese Einbussen wurde aber zum Teil durch eine gesteigerte Nachfrage für Reparaturen und Ersatzteile wettgemacht. «Die Reparaturen laufen derzeit wie geschmiert: Mehrere Importeure haben deutliche Zuwächse beim Abverkauf von Ersatzteilen gemeldet», sagt Martin Platter, Geschäftsführer der Schweizer Fahrradhersteller und Importeure, Velosuisse.

Stark nachgefragt werde Verbrauchsmaterial wie Reifen, Schläuche, Bremsklötze, Ketten, Ritzel oder Kabel. Platter spricht von einem durchschnittlichen Umsatzzuwachs von 15 bis 25 Prozent in diesem Bereich.

Elektro-Velos gelten punkto Viren als sicherer als die S-Bahn

In den letzten Jahren erlebten Velos mit einem Elektromotor ein stetiges Wachstum. Im vergangenen Jahr waren 37 Prozent aller verkauften Velos E-Bikes. Die Elektrifizierung schreitet viel schneller voran als etwa beim Auto. Dieser Trend wird nun durch die Coronakrise verstärkt.

So beobachteten die Veloläden eine gesteigerte Nachfrage in der ersten Phase der Coronamassnahmen. Als die Empfehlung hinausging, Zug und Bus möglichst und vor allem während den Stosszeiten zu meiden, stiegen viele auf Velo und Elektrovelo um. Als die Geschäfte schliessen mussten, ging der Verkauf in den Läden zurück, dafür zog die Nachfrage übers Internet an.

Der allgemeine Trend dürfte auch nach der Corona-Krise anhalten. Davon geht Mobilitätsforscher Thomas Sauter-Servaes aus, der an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften den Studiengang Verkehrssysteme leitet. «Wir erleben ein Aufleben des Individualverkehrs», sagt er. Der öffentliche Verkehr gelte als Ort, mit Ansteckungsrisiko.

Davon profitiert das Auto, aber auch das Velo. Das Elektrovelo biete sich an, weil es auch Distanzen überwinden kann, die sonst mit der S-Bahn oder dem Bus zurückgelegt werden. Insbesondere in der Schweiz, mit der hügeligen Topografie ermögliche das Elektrovelo auf gewissen Strecken überhaupt erst das Pendeln per Fahrrad.

Sauter-Servaes verweist auf eine Studie aus den Niederlanden. Diese zeigt, dass E-Bike-Fahrer weniger Auto fahren. Gleichzeitig benutzten sie aber ihr traditionelles Velo nicht mehr so oft. Aus Sicht der Nachhaltigkeit sei die Entwicklung insgesamt positiv.