Kommentar

Einschränkung beim Bargeld-Bezug: Unnötige Verschärfung

Liquiditätsvorschriften der Finanzmarktaufsicht Finma veranlassen die Banken, den Bargeldbezug bei Sparkonti einzuschränken. Das ist unnötig, weil die Banken eigentlich schon über ein robustes Einlagensicherungssystem verfügen.

Roman Schenkel
Drucken
Teilen
Roman Schenkel.

Roman Schenkel.

Das Sparkonto ist ein Auslaufmodell. Einen nennenswerten Zins wirft diese Anlageform schon lange nicht mehr ab, und in vielen Fällen gehen die Sparer gänzlich leer aus.

Aber es geht noch unattraktiver: Liquiditätsvorschriften der Finanzmarktaufsicht Finma veranlassen die Banken, den Bargeldbezug bei Sparkonti einzuschränken. Die Restriktion hat ihre Ursache in der Finanzkrise. Rückzugsbeschränkungen stärken die Stabilität der Banken, wenn das Vertrauen der Sparer ins Finanzsystem schwindet – und sie ihr Erspartes lieber unter die Matratze legen statt es bei einer mutmasslich labilen Bank zu lassen.

Für diesen Fall hat die Finma vorgesorgt. Sie verlangt, dass die Banken in einem Stressszenario über genügend Liquidität verfügen, um gehäufte Bargeldrückzüge der Kunden abwickeln zu können. Die Verschärfung der Praxis bei den Sparkonti zeigt, dass auch die Sparer ihren Beitrag zur Finanzstabilität leisten müssen.

Die Einschränkung ist ärgerlich. Noch ärgerlicher aber ist, dass sie nicht nötig wäre. Die Banken verfügen bereits über ein robustes Einlagensicherungssystem, mit dem sie das Vertrauen ihrer Kunden stärken könnten. Das System versichert 100 000 Franken pro Kunde und Bank. Nur: Das System kennt hier niemand. Statt dies zu ändern, wie es eine Expertenkommission des Bundesrates schon 2015 gefordert hatte, nehmen die Banken unnötigerweise ihre Kunden in die Pflicht.

Ist das der Anfang der Nullzinsära für Sparer?

Die UBS senkt den Zins auf dem Sparkonto auf 0,00 Prozent. Und es ist nicht auszuschliessen, dass die Grossbank auf höhere Guthaben sogar Negativzinsen einführt. Andere Schweizer Banken dürften der UBS folgen.
Beat Schmid