Einschnitt bei Malaysia Airlines

Konzernchef Christoph Müller baut das Unternehmen um. 6000 der 20 000 Beschäftigten verlieren ihren Job. Auch die angeschlagene Marke wird erneuert.

Mathias Peer
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KUALA LUMPUR. Christoph Müller beginnt seine Arbeit mit einer Bankrotterklärung. «Wir sind praktisch pleite», sagt der Chef der Unglücksfluglinie Malaysia Airlines, als er gestern in der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur vor Journalisten tritt. Der aus Deutschland stammende Luftfahrtmanager plant deshalb einen kompletten Neustart für das Unternehmen, das im vergangenen Jahr mit dem Verlust von zwei Passagiermaschinen weltweit Schlagzeilen gemacht hat.

Kündigungen für alle

Müller will die alte Betreibergesellschaft von Malaysia Airlines durch einen neu gegründeten Konzern ablösen. Dafür verschickte er bis zu 20 000 Kündigungsschreiben. Nur rund 14 000 erhielten zeitgleich das Angebot, auch im neuen Unternehmen weiterzuarbeiten. Der Rest verliert seine Stelle. Er sei traurig darüber, dass die Trennung notwendig sei, sagt Müller und bedankte sich bei den Betroffenen für ihre Dienste. Der drastische Stellenabbau wurde bereits seit Monaten erwartet. Um das schwer angeschlagene Unternehmen zu retten, hat sich Müller zum Ziel gesetzt, die Ausgaben um 20% zu reduzieren. So könne er den defizitären Luftfahrtkonzern wieder wettbewerbsfähig machen und voraussichtlich bis 2018 wieder in die Gewinnzone steuern, sagte er.

Nach dem Verschwinden von Flug MH 370 im März vergangenen Jahres und dem Abschuss von Flug MH 17 über der Ukraine im darauffolgenden Juli verschärften sich die wirtschaftlichen Probleme der bereits zuvor verlustreichen Fluglinie. Zahlreiche Passagiere mieden die Airline. Das ist laut Müller bis heute zu spüren. Die Berichte über die Suche nach MH 370 würden regelmässig an die Tragödie erinnern. «Die Menschen bekommen dadurch Angst.» Der für September geplante Neuanfang mit einer Nachfolgeflugline soll das Unternehmen von dem Negativ-Image befreien. Im Zentrum steht eine neue Markenstrategie, die Müller in den kommenden Wochen vorstellen will. Neben einem neuen Logo und neuer Farbgebung ist demnach offenbar auch eine Umbenennung der Fluglinie eine Option. «Wir wollen als eine neue Airline starten, haben dabei aber keine Absicht, unsere Vergangenheit zu leugnen», sagt Müller.

Spitzname «Terminator»

Der Airlinechef hat Erfahrungen mit kriselnden Unternehmen. Vor seinem Einsatz bei Malaysia Airlines war Müller Vorstandschef der angeschlagenen irischen Fluglinie Air Lingus, die stark unter der Finanzkrise gelitten hatte. Mit einem harten Sanierungskurs machte Müller den Konzern aber wieder profitabel. Wegen der starken Einschnitte, die er dem Unternehmen zumutete, verpassten ihm Journalisten den Spitznamen «Terminator».

Auch Malaysia Airlines will er von Grund auf reformieren. «Wir sind nicht die alte Firma in Verkleidung, sondern ein echtes Start-up», sagt Müller, und weiter: «Ich weiss noch nicht, ob ich hier auf einem Pferd oder einem Esel sitze. Wir bewegen uns jedenfalls vorwärts – es ist nur eine Frage der Geschwindigkeit.»

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