Einhörner beunruhigen die Wall Street

NEW YORK. Ein Einhorn ist ein seltenes Tier. Deshalb wird an den amerikanischen Finanzmärkten ein Jungunternehmen, das nach kurzer Zeit mehr als 1 Mrd. $ wert ist, als «Unicorn» bezeichnet, als Einhorn.

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NEW YORK. Ein Einhorn ist ein seltenes Tier. Deshalb wird an den amerikanischen Finanzmärkten ein Jungunternehmen, das nach kurzer Zeit mehr als 1 Mrd. $ wert ist, als «Unicorn» bezeichnet, als Einhorn. Diese Herde ist in den vergangenen 15 Monaten beträchtlich gewachsen: 102 hat die Marktforschung Pitch Book Data gezählt.

Viele der Einhörner sind noch gar nicht an der Börse und werden dennoch schon hoch bewertet. Oder sie enttäuschen beim Börsengang. Zu den Unicorns zählen Unternehmen wie der Taxiersatzdienst Uber (40 Mrd. $), der Zimmervermittler Airbnb (10 Mrd. $) und der Finanz- und Bezahldienst Square mit 6 Mrd.$. Sie und andere sind Zielobjekte von Investoren, die in der Niedrigzinsphase Investitionen mit hohem Gewinn suchen.

Aber Uber hat enttäuscht. Die Firma hat nur 6,3 Mrd. $ Risikokapital zur Finanzierung aufnehmen können, trotz der hohen Schätzung des Firmenwerts. Bei Airbnb waren es ganze 1,8 Mrd. $ und bei Square nur 488 Mio. $. Solche Entwicklungen lassen an der Wall Street die Alarmglocken läuten. Denn die Finanzmärkte befürchten, dass sich hier eine ähnliche Blase entwickelt wie die 2001 geplatzte Internet- oder Technologieblase, bekannt als Dotcom-Blase. «Ich bin fest davon überzeugt, dass wir uns in einer Tech-Blase befinden. Allerdings nicht wie die Dotcom-Blase», sagt Paul Cohn. Der Direktor des öffentlich-rechtlichen Ohio Capital Fund, der Investitionen im Bundesstaat Ohio fördert, fügte hinzu: «Ich weiss nicht, wann sie platzt. Aber Blasen platzen immer.» Man durchlaufe immer dieselben Zyklen, auch wenn die offensichtlichen Überbewertungen eigentlich strukturelle Veränderungen des Marktverhaltens verlangten.

Die Unicorns haben ihre Blütezeit, weil grosse Fonds wie Fidelity, T. Rowe Price, Black Rock und Janus ihre Anteile gekauft haben, um dabei zu sein, falls ein neues Google, Apple oder Facebook entstehen sollte. Und natürlich, um ihr Portfolio zu diversifizieren. (J. D.)