Eine Zukunft für KMU ohne Bank

Zwei ehemalige Banker und HSG-Absolventen haben die schweizweit bisher einmalige Internetplattform Creditworld gegründet, um kreditsuchende KMU direkt mit Investoren zusammenzuführen. Sie wollen in der Schweiz bleiben.

Perrine Woodtli
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Die Creditworld-Gründer Kai Ren, 29, (links) und Philipp Schneider, 35, leben beide in Zürich. (Bild: pd)

Die Creditworld-Gründer Kai Ren, 29, (links) und Philipp Schneider, 35, leben beide in Zürich. (Bild: pd)

ZÜRICH. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) werden als Rückgrat der Schweizer Volkswirtschaft bezeichnet. Um dieses Rückgrat zu unterstützen, haben die beiden ehemaligen HSG-Studenten Kai Ren und Philipp Schneider eine Peer-to-peer-lending-Plattform (siehe Kasten) gegründet. Creditworld ist ein Online-Marktplatz für KMU-Finanzierungen in der Schweiz. Dort werden KMU und Investoren direkt miteinander verbunden. Anders als beim klassischen Bankkredit wird das Geschäft nicht über eine Bank abgewickelt. Laut Ren und Schneider ist dies für beide Seiten attraktiver und effizienter. Der Grund: Für die Banken werde es aufgrund der Regulierung immer schwieriger, KMU zu bedienen. «Die Banken ziehen sich immer mehr aus diesem Bereich zurück, weil kleinere Darlehensbeträge nicht mehr kostendeckend sind», sagt Ren. KMU könnten dadurch schlecht ihren Finanzierungsbedarf decken. Bei Investoren herrscht gleichzeitig Anlagenotstand. Da die KMU ein wichtiges Segment in der Wirtschaft sind, wollten die beiden Jungunternehmer dem Problem entgegensteuern.

Bedeutende Kostenersparnisse

Creditworld unterscheidet sich vom Bankkredit, bei dem sich KMU an ihre Bank wenden, um ein Darlehen zu beantragen. Bei Creditworld entsteht eine direkte Beziehung zwischen Schuldner und Gläubiger. Dies erlaubt bedeutende Kostenersparnisse im Vergleich zum klassischen Modell. Zum einen werden Personalkosten reduziert. Zum anderen fallen keine Kosten zur Betreibung eines Filialnetzes an, und auch die Eigenmittelkosten fallen aufgrund der direkten vertraglichen Beziehung zwischen den beiden Parteien weg. «Unsere schlanken Prozesse ermöglichen KMU den Zugang zu Finanzierungen mit marktgerechten Konditionen und eröffnen Investoren interessante Investitionsopportunitäten in einem Negativzinsumfeld», sagt Ren und fährt fort, dies sei eine Win-Win-Situation für beide Seiten. Ren und Schneider begleiten die Firmen und Investoren während der Transaktion – falls dies denn gewünscht ist.

Unabhängiges Rating

Ein differenzierendes Merkmal von Creditworld ist die Trennung zwischen Vermittlungsprozess und Analysetätigkeit. Die Kreditanalyse, die Investoren bereitsteht, stammt von der Allianz-Tochter Euler Hermes. Ihnen ist ein unabhängiger Ratingpartner wichtig, damit keine Interessenkonflikte entstünden.

Creditworld sei bisher die einzige Plattform dieser Art, die es in der Schweiz gibt. Ren sagt: «Im Ausland, allen voran in den USA, sind Peer-to-peer-lending-Plattformen schon längst verbreitet. In der Schweiz aber sind wir die einzigen, die sich ausschliesslich auf die Finanzierung von KMU konzentrieren.» Ren und Schneider gründeten Creditworld im September 2015. Davor war Ren bei der Credit Suisse tätig und Schneider bei der Investmentbank der UBS. Mit der Plattform gingen sie Anfang Jahr online. Bisher sind die beiden Gründer zufrieden, wie sich diese entwickelt hat. Bis dato wurden vier Transaktionen über Creditworld abgeschlossen mit einem Gesamtvolumen von über 5,4 Mio. Franken. Aktuelle Angebote sind derzeit fünf aufgeschaltet, in absehbarer Zeit kämen noch weitere hinzu, sagt Ren. Feedback erhielten sie ausschliesslich positives. «Besonders die KMU schätzen das Peer-to-peer lending.» Derzeit können sich KMU und Investoren, professionelle sowie private, mit Sitz in der Schweiz und in Liechtenstein anmelden. Dies bleibt laut Ren vermutlich auch so. «Wir denken derzeit nicht daran, ins Ausland zu gehen. Aber man soll ja nie nie sagen. Eigentlich aber wollen wir hier bleiben, da wir mit der Schweizer Wirtschaft bestens vertraut sind.»

Lösung für beide Seiten

Ren zeigt sich zudem sicher, dass Peer-to-peer lending Zukunft hat in der Schweiz. «Sonst würden wir ja nicht auf dieses System setzen», sagt er schmunzelnd. Er betont, dass die Idee, zu attraktiven Renditen in das Rückgrat der Volkswirtschaft zu investieren, auch bei institutionellen Anlegern gut ankommt. «Es ist immer hilfreich, wenn ein Produkt für beide Seiten ein Problem löst. Aus diesem Grund sind wir sehr zuversichtlich.»