Eine Weltneuheit an der Decke

Seit Jahrzehnten ist die Kiebler AG bekannt für robuste Landmaschinen und Kräne. Nun hat das Thurgauer Unternehmen in Gossau den grössten und modernsten Hängedrehkran der Welt für Recyclingfirmen montiert.

Christof Lampart
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Der brandneue Hängekran von Kiebler im Einsatz bei Solenthaler Recycling. (Bild: Urs Bucher)

Der brandneue Hängekran von Kiebler im Einsatz bei Solenthaler Recycling. (Bild: Urs Bucher)

ZIHLSCHLACHT/GOSSAU. Der Hängedrehkran IK 250 ist als Weltneuheit jüngst an der weltweit führenden Recycling-Messe IFAT in München präsentiert worden und dort auf sehr grosses Interesse gestossen. Dass nun das erste Exemplar ausgerechnet bei der Gossauer Firma Solenthaler Recycling AG (Sorec) installiert worden ist, ist kein Zufall. Denn mit Solenthaler pflegt die Firma Kiebler aus Zihlschlacht schon seit Jahren eine enge Zusammenarbeit. So hatte Solenthaler bereits zwei Vorgängermodelle Kieblers installiert. Diese kommen nun nach gut zehn Jahren Betriebsdauer an ihr Lebensende. Kiebler-Geschäftsführer Daniel Stutz betont, dass Solenthaler während der ganzen Entwicklung des Krans ins Projekt involviert war und er die «gute Zusammenarbeit» mit Sorec-Chef Christoph Solenthaler und Produktionsleiter Rolf Brogle sehr schätze. «Es ist nicht selbstverständlich, dass sich eine Firma als Kunde eines Prototypen zur Verfügung stellt», sagt Stutz.

Viele technische Neuerungen

Wie gross der Unterschied zwischen dem Vorgängermodell und dem IK 250 ist, lässt sich beobachten, denn gegenwärtig versehen in der Sorec-Halle der alte und der neue Kran ihren Dienst. Während der Vorgänger im Vergleich ziemlich behäbig und schwerfällig ist, wirkt die Weltneuheit modern und agil. Oder wie Stutz erläutert: «Der IK 250 definiert neue Standards betreffend Technik, Benutzerfreundlichkeit, Effizienz, Belastbarkeit und Flexibilität.»

Doch was macht das Arbeitsgerät zur Weltneuheit? Der IK 250 wartet mit vielen technischen Neuerungen auf. Waren Hängedrehkräne früher grösstenteils hydraulisch betriebene Maschinen, so ist der IK 250 neben hydraulischen Antrieben auch mit modernsten gesteuerten Elektroantrieben versehen. Mit Hilfe der modernen Steuerung und diverser Sensoren lassen sich die Bewegungen last-, moment- und bedienerabhängig ansteuern. Bedienpanels unterstützen sowohl den Bediener als auch das Servicepersonal. Dank optimierter Gewichtsanordnung lassen sich die Belastungen auf die ganze Konstruktion massiv reduzieren, was sich positiv auf die Lebensdauer auswirkt. Auch die Belastung auf die Gebäudestruktur konnte bei gleicher Hubkraft gesenkt werden. In der Bedienerkabine wurde besonders auf die Ergonomie geachtet; zudem ist sie schallisoliert, klimatisiert, vibrationsgedämpft und bietet, dank grosser Fenster, eine optimale Rundumsicht.

Noch lange kein Leichtgewicht

Der sich um 360 Grad drehende und an der Decke hängende Industriekran hat dank eines cleveren Schienensystems mit Längs- und Querfahrwerk und eines 10,8 Meter langen Teleskoparms eine grosse Reichweite. Ein Hängedrehkran benötigt am Boden keinen Manövrierplatz – ein grosser Vorteil gegenüber einem Bagger. Zugleich erhöht dies die Sicherheit. «Von dort oben hat man einen guten Überblick über das, was in der Halle vor sich geht. Ein Baggerfahrer dagegen muss bei der Sortierung ständig aufpassen, ob nicht jemand hinter dem Fahrzeug steht», sagt Stutz. Auch arbeiten Hängedrehkräne mit einem deutlich tieferen Energiebedarf (knapp 45 kW Elektroantrieb) und tieferen Lärmemissionen als Bagger.

Dennoch dürfte es wohl noch etwas dauern, bis der IK 250 an vielen Orten hängt. Das habe, so mutmasst Stutz, wohl weniger mit dem Preis des High-Tech-Geräts zu tun als vielmehr mit der Statik so mancher Recyclinghalle. Denn der Kran ist zwar flexibel und auch gewichtsmässig optimiert, doch deswegen mit 6400 Kilo noch lange kein Leichtgewicht. «Bei Neubauten ist es natürlich viel einfacher, weil wir dann schon von Anfang an in die Planung mit einbezogen werden», sagt Stutz. Bei bestehenden Hallen sei das schwieriger. Denn dort können die baulichen Massnahmen, um eine Halle krantauglich zu machen, schnell sehr umfangreich werden.