Klarer Fenster schwört auf den Produktionsstandort St.Gallen und findet mit der Übernahme des Geschäfts von Haller eine lokale Lösung

Nach 127 Jahren stellt die St.Galler Haller Fenster AG ihre Tätigkeit ein. Ihr Geschäft samt der Betreuung der Kunden wird in die Klarer Fenster AG in St.Gallen-Haggen integriert. Für die Mitarbeitenden zeichnen sich Lösungen ab. Die Familie Klarer hält an ihrem Standort unbeirrt fest.

Thomas Griesser Kym
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Blick in die Produktion der Klarer Fenster AG.

Blick in die Produktion der Klarer Fenster AG.

Bild: PD

61 Jahre alt ist Patron Adolf Haller, und er hat sich in den vergangenen Jahren Gedanken gemacht über die Zukunft. Weil familienintern keine Nachfolge absehbar gewesen ist, hat er mit der Klarer Fenster AG das Gespräch gesucht - und mit ihr «eine St.Galler Lösung» gefunden.

Demnach stellt Haller sein operatives Geschäft per Ende 2020 ein, und es wird dann in die Klarer Fenster AG integriert. Dabei werden auch einzelne Maschinen übernommen. Klarer beschäftigt am Standort unterhalb des Bahnhofs Haggen 60 Mitarbeitende und wird geführt von Josef Klarer und seinen Söhnen Adrian und Rafael Klarer. Ihr Unternehmen feiert dieses Jahr das 125-Jahr-Jubiläum.

Gute Bekannte

Die Voraussetzungen sind gut: Haller und die Familie Klarer kennen sich seit Jahrzehnten, die Produktepaletten sind praktisch identisch, und beides sind traditionsreiche Familienbetriebe mit ähnlicher Unternehmensphilosophie, wie betont wird. Klarer will die Haller-Kunden weiterhin bedienen. Dazu gehört auch, laufende Aufträge abzuwickeln und alle vertraglichen Verpflichtungen zu erfüllen. Klarer stellt Fenster aus Holz, Kunststoff sowie aus Holz und Metall her.

Herstellung von Kunststofffenstern bei der Klarer Fenster AG.

Herstellung von Kunststofffenstern bei der Klarer Fenster AG.

Bild: PD

Adolf Haller beschäftigt fünf Mitarbeitende. «Alle dürfen sich bei Klarer bewerben und werden bevorzugt behandelt, doch müssen ihre Fähigkeiten zum Unternehmen passen», sagt Haller. Rafael Klarer sagt, «wir sind in Kontakt mit allen Mitarbeitern und werden voraussichtlich zwei Mitarbeiter übernehmen können». Haller ergänzt, die anderen drei wollten sich anderweitig orientieren. Den beiden Unternehmen« liegt viel daran, dass für alle Beteiligten eine Lösung gefunden wird».

Von reiner Handarbeit zur Vollautomatisierung

Wie die beiden Firmen schreiben, herrscht im Fensterbau wie in vielen anderen Handwerksbranchen Fachkräftemangel. Rafael Klarer präzisiert:

«Projektleiter wie aber auch erfahrene Fenstermonteure sind sehr gefragte Leute.»

Allgemein seien gute Handwerker «immer gefragt», sagt Rafael Klarer. «Momentan haben wir alle Stellen soweit besetzen können. Einzig auf den nächsten Sommer suchen wir noch einen Lehrling in der Schreinerei.»

Mit Holzfenstern ist Klarer gross geworden.

Mit Holzfenstern ist Klarer gross geworden.

Bild: PD

Die Wurzeln des Unternehmens reichen zurück bis 1895, als Heinrich Mettler mit der Herstellung von Holzfenstern und Bilderrahmen begann, alles in reiner Handarbeit. Heute ist die Produktion voll automatisiert. 2014 nahm Klarer eine neue hochmoderne Produktionsstrasse für Holz- und Holz-Metall-Fenster in Betrieb.

Über den Geschäftsgang sagt Rafael Klarer, «im Jahr 2019 hatten wir durchgängig eine gute Auslastung. Und 2020 waren wir vor allem im Neubausektor tätig, da hilft uns der Bauboom.» Punkto Ausblick sagt Rafael Klarer:

«Für das nächste Geschäftsjahr 2021 haben wir auch bereits einige grosse Aufträge akquirieren können, haben aber noch freie Kapazitäten.»

Arbonia hat verlagert, Swisswindows hat aufgegeben

Klarer Fenster schwört auf den Produktionsstandort Schweiz. Andere Fensterbauer haben einen anderen Weg eingeschlagen. So hat der Gebäudezulieferer Arbonia seinen Fensterbau der EgoKiefer AG von Altstätten und vom Waadtland in den Osten Europas verlagert, wo in hoch automatisierten Fabriken und zu deutlich tieferen Löhnen gearbeitet wird.

Nochmals andere haben aufgegeben. So ging beispielsweise im Februar 2020 die Swisswindows in Mörschwil in Konkurs, und der Freiburger Fenster- und Jalousienhersteller Favorol Papaux bekannt kündigte die Entlassung von 95 Mitarbeitenden oder 90 Prozent der Belegschaft an.

Lokale Produktion und Beschaffung als Trumpf

Warum setzt Klarer auf den hiesigen Produktionsstandort? Rafael Klarer nennt zum einen die gut ausgebildeten Handwerker. Andererseits sagt er: «Wir produzieren hier in St. Gallen hochwertige Qualitätsfenster, in allen erdenklichen Ausführungsvarianten. Wir wollen für jeden Kunden und für jedes Haus das passende Fenster anbieten können. Dadurch haben wir ein sehr tiefes Produkteportfolio und können fast alles anbieten, was der Markt verlangt.» Und weiter:

«Diese Flexibilität können wir einzig und allein mit einer lokalen Produktion gewährleisten.»

Neben der Kundennähe setze Klarer auch auf Nähe zu den Lieferanten. Sei es Glas, Aluminium, Holz oder die Farbe:

«Wir möchten so viel wie es geht in der Region zukaufen. So können wir terminlich rasch reagieren, Transportwege einsparen und die Qualität der Produkte auf einem hohen Niveau halten.»

Und für gute Qualität, äussert sich Rafael Klarer überzeugt, gebe es egal wie sich der Markt entwickle immer Kunden, die dies schätzten und bereit seien, dafür einen fairen Preis zu bezahlen.