Eine starke Aufsicht nützt

Kommentar

Balz Bruppacher
Drucken
Teilen

Die Finanzmarktaufsicht hat vielfältige Aufgaben. Eine Funktion erfüllt sie fast immer: jene des Sündenbocks. Zurzeit mehren sich die Stimmen aus Branche und Politik, die Finma sei übereifrig, masse sich Regulierungen an und gefalle sich als Musterschülerin. Die Kritik kommt zum Teil von den gleichen Leuten, die den Bankenaufsehern Versagen vorwarfen, weil sie die Finanzkrise nicht vorausgesehen hatten.

Zurzeit sind es zwei Faktoren, die den Kritikern Auftrieb geben. Zum einen die Pläne des neuen US-Präsidenten, die Vorschriften für die Finanzindustrie zu lockern. Zum anderen ist das Leben für die hiesigen Vermögensverwalter schwieriger geworden, seit sie im Geschäft mit internationalen Kunden den Trumpf des Bankgeheimnisses nicht mehr ausspielen können.

Sollen die Aufseher deshalb die Zügel schleifen lassen? Wohl kaum, ist doch eine schwache Finanzmarktaufsicht das letzte, was die Schweiz und ihr Finanzplatz brauchen können. Die jüngsten Geldwäschereiskandale lassen grüssen. Die ungewohnt klaren Worte des bisher eher blass gebliebenen Finma-Präsidenten Thomas Bauer kommen deshalb zur rechten Zeit.

Das heisst nicht, dass die Finma alles richtig macht. Sie könnte im Sinne der Prävention die schwarzen Schafe durchaus häufiger beim Namen nennen. Jedenfalls tun die Aufseher gut daran, unbeirrt ihre Hauptaufgabe wahrzunehmen: die Aufsicht. Ein sauberer Finanzplatz kommt allen zugute, nicht zuletzt der Branche selber.

Balz Bruppacher

wirtschaft@tagblatt.ch