«Eine Lücke geschlossen»

KMU können viel Energiekosten sparen, sagt Andy Koch, Geschäftsführer des Kompetenzzentrums Erneuerbare Energie-Systeme Thurgau (KEEST). Bisher haben rund 50 Firmen die Dienstleistungen des KEEST in Anspruch genommen.

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Andy Koch Geschäftsführer KEEST (Bild: Quelle)

Andy Koch Geschäftsführer KEEST (Bild: Quelle)

Warum sollen sich KMU mit dem Thema Energieeffizienz beschäftigen?

Andy Koch: In den Unternehmen stecken erhebliche Potenziale und Chancen, die es zu entdecken und zu nutzen gilt. Die Unternehmen sollen fitter werden und ihr Geld nicht für Energie verbrauchen, sondern für neue Arbeitsplätze und Maschinen einsetzen. Das steigert die Wettbewerbsfähigkeit, führt zu neuen Leistungen und zu zusätzlichen Arbeitsplätzen.

Wie fängt man als KMU an, Energie zu sparen?

Koch: In der Regel beginnt alles mit dem «Energie-Check KMU». Das ist eine grobe Analyse auf relativ grosser Flughöhe. Die Funktion von energietechnischen Anlagen sowie der Energieverbrauch werden überprüft und Sofortmassnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz abgeleitet. Diese Massnahmen sind meist ohne grosse Investitionen durchführbar oder machen sich innerhalb dreier Jahre bezahlt.

Wenn man mehr erreichen will, was ist der nächste Schritt?

Koch: Es folgen Feinanalysen. Mit einer technischen Prozessanalyse durchleuchtet man die Produktionsprozesse und sucht Verbesserungspotenzial. Die «Energie-Prozess-Optimierung», kurz EPO, hilft, die Prozesse selbst effizienter zu gestalten. Machbarkeitsstudien gehen noch einen Schritt weiter in Richtung alternative Energieversorgungs-Konzepte.

Was hält KMU davon ab, solche Analysen und Umsetzungspläne durchzuführen?

Koch: Ein wesentliches Hemmnis ist oft mangelndes Investitionskapital. Ausserdem stehen solche Investitionen häufig in Konkurrenz zu anderen Investitionen, die das eigentliche Kerngeschäft des Unternehmens betreffen. Ein Energie-Check KMU kostet netto inklusive Förderbeitrag lediglich 2500 Franken, rechnet sich aber mehrfach. Noch grösseres Potenzial erschliessen die vorher erwähnten Feinanalysen. Der Kanton fördert auch diese grosszügig. KMU können eigentlich gar nicht verlieren.

Wie sehen die Effizienzmassnahmen in den Unternehmen konkret aus?

Koch: Es gibt viele Beispiele, die sich ökologisch und ökonomisch sofort lohnen. Betreibt ein KMU beispielsweise noch eine alte Ölheizung, die saniert werden muss, kann ein neues Energie-Versorgungskonzept grosse Effizienzpotenziale erschliessen. Bei der Beleuchtung gibt es interessante Produkte, zum Beispiel neuartige Leuchtstoffröhren, die bis zu 60 Prozent Energie sparen.

Wo liegen im Strombereich die grössten Sparpotenziale?

Koch: Wir stossen oft auf hohe Sockelverbräuche im Lastgang. Es gibt Betriebe, die über Nacht oder übers Wochenende kontinuierlich 100 bis 150 Kilowatt Leistung fahren, aber niemand weiss, warum. Nur schon 20 bis 30 Prozent dieser Sockellast zu reduzieren, macht sich bezahlt. Manchmal muss man einfach nur einen Verbraucher ausschalten. Das ist direkt gespartes Geld. Sinnvoll sind auch Ersatzinvestitionen in neue Motoren oder Überlegungen, selber Strom zu produzieren, zum Beispiel durch Wärmekraftkopplung oder durch Photovoltaik.

Was hat das KEEST bisher erreicht?

Koch: Qualitativ haben wir eine Lücke geschlossen. KMU sind viel stärker für unsere Leistungen sensibilisiert. Man kann den Erfolg auch in Zahlen fassen: Jährlich sparen rund 50 Firmen gesamthaft 15 Millionen Kilowattstunden Energie oder 1,5 Millionen Liter Heizöl und circa 4000 Tonnen CO2 ein. Pro Betrieb sind es im Schnitt 40 000 bis 50 000 Franken, die betriebswirtschaftlich sinnvoller eingesetzt werden können.

Interview: Martin Sinzig

Auf dem Dach eines KMU wird eine Photovoltaikanlage installiert: Eigene Energieproduktion kann helfen, Kosten zu reduzieren. (Archivbild: Reto Martin)

Auf dem Dach eines KMU wird eine Photovoltaikanlage installiert: Eigene Energieproduktion kann helfen, Kosten zu reduzieren. (Archivbild: Reto Martin)