Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Seit 2006 können alle Bauarbeiter mit 60 Jahren in Rente gehen. Nun sind die Baumeister und die Gewerkschaften erneut im Gespräch. (Bild: Fotolia)

Seit 2006 können alle Bauarbeiter mit 60 Jahren in Rente gehen. Nun sind die Baumeister und die Gewerkschaften erneut im Gespräch. (Bild: Fotolia)

Eine Erfolgsgeschichte auf dem Bau gerät in Gefahr

Bauarbeiter können ab 60 Jahren in Pension gehen. Während der Übergangszeit erhalten sie Geld aus der Stiftung FAR. Da es bald um geburtenstarke Jahrgänge geht, verhandeln die Sozialpartner über Anpassungen. Noch ist keine Einigung in Sicht.
Ramona Riedener

«40 Jahre sind genug! – Rentenalter 60 jetzt!» stand auf strassenbreiten Spruchbändern. Die Bauarbeiter waren zum Arbeitskampf bereit: für einen vorzeitigen und würdigen Altersrücktritt. Das war vor mehr als 18 Jahren.

Nach einer gestaffelten Einführung ab 2003 können seit 2006 alle Bauarbeiter mit 60 Jahren in Rente gehen. Auch die Baumeister, damals aus Kostengründen gegen den flexiblen Altersrücktritt (FAR), sprechen heute mit Stolz auf die Branchenlösung von einer Erfolgsgeschichte. Rund 70 Prozent des früheren Erwerbseinkommens erhalten die FAR-Rentner heute während der Übergangszeit.

Dazu kommt, dass aus dem FAR der Beitrag an die Pensionskasse weiterbezahlt wird. Dadurch soll verhindert werden, dass durch die Frühpensionierung eine einschneidende Einbusse bei der Rente entsteht. Weil Nichterwerbstätige keiner Pensionskasse mehr angeschlossen sind, besteht aktuell für die FAR-Rentner eine spezielle Regelung mit der Auffangseinrichtung. Diese hat nun angekündigt, die frühpensionierten Bauarbeiter ab 1. Januar 2019 nicht mehr zu versichern. Der Grund dafür ist, dass die geburtenstarken Jahrgänge allmählich ins Rentenalter kommen, was einen Kostenanstieg zur Folge hat. Die Baumeister wie auch die Gewerkschaften sind sich aber einig: Der FAR muss gerettet werden! – Nicht einig sind sie sich, mit welchen Sanierungsmassnahmen darauf reagiert werden soll.

Bauleute sind stolz auf ihren FAR

Die harte Arbeit auf dem Bau, Wind und Wetter ausgeliefert zu sein, geht nicht spurlos an den Arbeitern vorbei. Statistiken haben gezeigt, dass viele Bauarbeiter vor Erreichen des Pensionsalters gesundheitlich nicht mehr in der Lage sind, ihren Beruf auszuüben und IV-Rentner werden. Oder sie verlieren ihre Stelle, weil sie die Leistung nicht mehr erbringen können und werden dann in die Arbeitslosenversicherung abgeschoben.

Hinter dem gesundheitlichen Aspekt, der für eine vorzeitige Pensionierung der Bauarbeiter sprach, standen auch die meisten Baumeister. Die Finanzierbarkeit war der Grund, warum es mehrere Jahrzehnte brauchte, bis die Frühpensionierung im Bauhauptgewerbe Realität wurde. Der FAR funktioniert heute mit dem Umlagerungsverfahren, gleich wie die AHV. Die Lohnanteile, die Arbeitnehmer und Arbeitgeber in die Rentenkasse einzahlen, werden in Form von Renten an die FAR-Rentner wieder ausbezahlt. Mit dem Erreichen des ordent­lichen Pensionsalters fallen die FAR-Rentner weg, was die Finanzierbarkeit kalkulierbar macht – im Gegensatz zur AHV, die mit der Lebenserwartung der Bezüger rechnen muss.

Für verbindlich erklärt

Die Bestimmungen für den flexiblen Altersrücktritt im Bauhauptgewerbe ist im Gesamtarbeitsvertrag FAR (GAV FAR) geregelt. Dieser wurde durch den Bundesrat allgemeinverbindlich erklärt. Dadurch sind die Bauunternehmen verpflichtet, die Bestimmungen des GAV FAR und das Reglement einzuhalten. Für die Unterstellung dieser Firmen, die Einhaltung der Bestimmungen und die Durchsetzung ist ein Stiftungsrat zuständig. Dieser setzt sich paritätisch aus den Vertragspartnern zusammen: den Gewerkschaften Syna und Unia, dem Baukaderverband und dem schweizerischen Baumeisterverband auf der Arbeitgeberseite. Der finanzielle Teil des FAR, wie die Auszahlung der Renten und der Inkasso der Beiträge wird über die Geschäftsstelle der Stiftung abgewickelt.

Massnahmen für den Erhalt des FAR

In den nächsten Wochen werden die Baumeister und die Gewerkschaften über befristete oder dauerhafte Anpassungen des FAR verhandeln. Noch sind sie sich nicht einig, wie die sogenannten Babyboomjahre überbrückt werden sollen: Zum Beispiel durch Kürzung der Rentenleistungen, Erhöhung des Rentenalters oder durch höhere Lohnprozente. Die Vertragspartner werfen sich Uneinsichtigkeit vor, verfolgen aber im Endeffekt das gleiche Ziel: den Erhalt des Erfolgsmodells FAR. Schweizweit sind die Gewerkschaften bereits kämpferisch unterwegs. Verschiedene Aktionen auf Baustellen sind geplant und an einer nationalen Demo im Juni wollen sich die Bauarbeiter öffentlich Gehör verschaffen.

In der Ostschweiz begegnen sich die Parteien respektvoll. So auch in der Paritätischen Berufskommission des Bauhauptge­werbes Kanton St. Gallen, wo die ­Mitglieder, Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter für die Einhaltung und Durchsetzung des Gesamtarbeitsvertrags der Baubranche verantwortlich sind. Kurt Maus, kaufmännischer Leiter des Baumeisterverbands Kanton St. Gallen, und Danilo Ronzani, Regionalverantwortlicher der Syna Ostschweiz, sind sich einig: «Wir sind sachbezogen unterwegs und konzentrieren uns auf unsere Aufgaben. Die Verhandlung um den FAR ist eine andere Sache.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.