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«Einander Sorge tragen»

Die Balgacher WZW Optic erobert mit Präzisions-Prismen die Welt. Gestern abend luden Willi und Petra Weder Vertreter aus der Wirtschaft und dem Finanzsektor in ihr Unternehmen ein – und bewiesen dabei Offenheit.
Jeanette Herzog/ peter Brühwiler

Balgach. Willi Weder zieht eine kleine Dose aus seiner Hosentasche und genehmigt sich eine Prise Schnupftabak, während er noch auf der Bühne sitzt. Anlässlich der Veranstaltungsreihe «Gesichtspunkte» hat er gerade gemeinsam mit seiner Frau Petra rund 50 Gästen sein Unternehmen, die WZW Optic AG, vorgestellt – und das auf ihre eigene Art.

Im Podiumsgespräch mit Tagblatt-Redaktorin Diana Bula bewies das Unternehmerpaar gestern abend viel Sinn für Humor und liess die Besucher tief in ihre Firmenkultur einblicken.

80 Prozent gehen in den Export

«Bei einem Besuch bei der Kosmetikerin habe ich herausgefunden, dass in ihrem Enthaarungslaser ein Produkt von uns enthalten ist», antwortet Petra Weder auf die Frage nach der alltäglichen Verwendung der Prismen, Spiegeln und weiteren optischen Komponenten der WZW. Und Willi Weder? Bevor er antwortet, will er von seiner Frau wissen: «Hat es weh getan?» Erst dann fährt er fort und listet auf: «WC-Spülungen, Handy-Kameras, Glasfaserkabel, optische Sensoren zum Beispiel bei Skiliften – eigentlich überall.» Doch die Massenproduktion findet hauptsächlich in China statt. Exemplarisch dafür ist die Optik in DVD-Geräten: Vor Jahren hat die WZW für Sharp erste Prismen-Prototypen gefertigt, zum Preis von 100 Franken das Stück. «Heute», so Weder, «werden die gleichen Teile für ein paar Cents in China produziert.»

Die WZW konzentriert sich deshalb auf Spezialserien-Produkte oder gar Einzelstücke. Nur zwanzig Prozent des Umsatzes generiert das Unternehmen in der Schweiz; 35 Prozent in der EU, 25 Prozent in Israel und weitere 20 Prozent in anderen Ländern. Deshalb hat die WZW Optic die Weltwirtschaftskrise 2008 stark gespürt. Die Mitarbeiterzahl schrumpfte von 90 auf heute 62. «Schlimm», sagt Petra Weder beim Gedanken daran. Auch die Frankenstärke spürt die WZW nun stark. «Wir verhandeln mit Lieferanten und Kunden», sagt Willi Weder. Aber auch intern muss gespart werden. «Wir haben mit unseren Mitarbeitern offen über Sparmassnahmen diskutiert – auch über einen möglichen Stellenabbau.» Die Mitarbeiter hatten dann von sich aus Vorschläge gebracht, wie im Unternehmen effizienter produziert werden könnte. Auch längere Arbeitszeiten seien kein Tabu.

Optimistisch in die Zukunft

Trotz der schwierigen Zeit hat die WZW in neue Fertigungsprozesse zur Produktion von äusserst glatt polierten Oberflächen, dem sogenannten «Sub-Angström-Polieren», investiert. Das lässt Willi Weder optimistisch in die Zukunft schauen. «Vergangene Woche war ich in Russland und in China. Da hat man mich mit offenen Armen empfangen.» Offenheit wird im Hause Weder gross geschrieben. Während des Podiumsgesprächs lässt Willi Weder seine Mitarbeiter Fragen aus ihren Kerngebieten selber beantworten: «Hugo, erzähl Du von den Lehrlingen», oder «Otti, wenn es um die Mitarbeitermotivation geht, kannst Du am besten antworten.»

Wer ist wo der Chef?

Diana Bula taucht mit Willi und Petra Weder auch ins Private ein. «Sie sind Ehepaar und führen ein Unternehmen. Wer ist wo der Chef?» Petra Weder: «In der Firma ist es Willi und zu Hause bin ich es.» Die Mitarbeiter im Hintergrund schmunzeln vielsagend. «Aber es fliesst ineinander», sagt sie dann lächelnd. «Wir trennen Privates und Geschäftliches nicht.» Privaten Kummer bringen sie also ins Geschäft mit und umgekehrt, hakt Bula nach. «Wir dürfen einfach keinen Kummer haben», sagt Petra Weder. Und Willi Weder ergänzt: «Es muss Liebe sein, wenn das klappt. Und man muss einander Sorge tragen.»

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