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Ein Wert ohne Papier

Wertpapiere, die auf Papier gedruckt sind, sind eine aussterbende Spezies. So auch bei der Brauerei Schützengarten: Dort müssen die Partizipanten ihre Partizipationsscheine in Bucheffekten umtauschen – sonst gibt es keine Dividende.
Thomas Griesser Kym
Schützengartens Finanzchef Josef Zweifel (li.) und Verwaltungsratspräsident Christoph Kurer mit einem Partizipationsschein samt Coupon Nr. 55. (Bild: Urs Bucher)

Schützengartens Finanzchef Josef Zweifel (li.) und Verwaltungsratspräsident Christoph Kurer mit einem Partizipationsschein samt Coupon Nr. 55. (Bild: Urs Bucher)

ST. GALLEN. Einst waren Wertpapiere, wie zum Beispiel Aktien, kunstvoll gestaltete Urkunden. Diese Zeiten sind vorbei: Heute existieren die meisten Papiere nur noch als Bucheffekten, also nicht mehr in physischer Form, und aufbewahrt werden sie elektronisch im Depot der Hausbank statt wie früher zu Hause oder im Banktresor. Aber es gibt noch Ausnahmen, und zu diesen zählt die St. Galler Brauerei Schützengarten AG: Ihre Partizipationsscheine (PS) sind noch auf Papier gedruckt vorhanden mit Coupons, von denen man jährlich einen abschneidet und dafür die Dividende bezieht.

Aber auch die Tage dieses physischen Schützengarten-PS sind gezählt. Just bevor der letzte Coupon Nr. 55 eingelöst werden kann und die Brauerei neue PS mit einem neuen Coupon-Bogen hätte drucken lassen, müssen die Papiere in Bucheffekten umgetauscht werden. Das hat die Brauerei kürzlich unter anderem in einem Tagblatt-Inserat ihren Partizipanten kundgetan. Diese müssen demnach, falls sie die PS noch zu Hause oder im Banktresor horten, das Papier samt Coupon ihrer Hausbank zur Aufbewahrung im Depot übergeben. Fortan wird die Bank die alljährliche Dividende jedem Partizipanten automatisch auf dessen Konto gutschreiben. Wer seine PS bereits im Depot hat, muss nichts unternehmen.

Kapitalgeber sollen bekannt sein

Weshalb dieser Umtausch? Laut Christoph Kurer, Verwaltungsratspräsident der Brauerei Schützengarten AG, und Finanzchef Josef Zweifel basiert dies auf einer Empfehlung der Financial Action Task Force (FATF). Diese internationale Arbeitsgruppe kämpft für den Schutz des globalen Finanzsystems und hat sich besonders dem Kampf gegen Geldwäscherei und Terrorismusfinanzierung verschrieben. Zu den Empfehlungen gehört, dass nicht nur Namenaktionäre, sondern auch Inhaberaktionäre und Partizipanten den Unternehmen, auch nichtkotierten, bekannt sein sollen. Die Schweiz hat diese Empfehlung in ein Bundesgesetz übernommen.

Schützengarten hätte zur Umsetzung dieser Vorschrift alle Partizipanten ausfindig machen und ein Partizipantenbuch führen müssen. «Das wäre aber aufwendig, zumal die PS relativ rege gehandelt werden, im Unterschied zu unseren Namenaktien», sagt Kurer. Als Alternative wählt Schützengarten den Umtausch in Bucheffekten, womit künftig die Bank bei einem Handwechsel eines PS die SIX SIS AG informiert, die als Sammelverwahrungsstelle sämtliche Transaktionen von Effekten kontrolliert.

Mit dem Coupon in die Brauerei

Kurer ist nun gespannt, wie viele PS in Bucheffekten umgetauscht werden. Wobei: «Die meisten Partizipanten, die ihre Papiere noch zu Hause oder im Banktresor aufbewahren, kennen wir, weil sie jedes Jahr mit dem Coupon zu uns gekommen sind, um die Dividende zu kassieren.» Viele sind es demnach nicht, und Schützengarten hat die ihr bekannten auch persönlich angeschrieben und informiert. Als Frist hat die Brauerei den 30. September gesetzt, doch ist der Umtausch physischer PS in Bucheffekten auch später noch möglich, wobei allerdings der Dividendenanspruch nach fünf Jahren verjährt.

Die Aktie ist ganz schön schwer

Wieso hat die Brauerei überhaupt PS? Laut Kurer wurden diese erstmals 1978 ausgegeben, im Hinblick auf das 200-Jahr-Jubiläum der Brauerei im Jahr darauf. Später folgten nochmals zwei Tranchen, die letzte 1992. Sämtliche PS wurden den Aktionären gratis abgegeben, sozusagen als steuerfreie Sonderdividende. Kurer weiss: «Einige Aktionäre haben ihre PS verkauft.» Diese abzuschaffen und so die Kapitalstruktur zu vereinfachen, ist indessen kein Thema. «Dank des PS haben wir auch einen leichteren Titel, der es Anlegern einfacher macht, sich an Schützengarten zu beteiligen.» In der Tat: Während ein PS für 5000 Fr. bis 6000 Fr. gehandelt wird, muss man für eine Schützengarten-Aktie rund 55 000 Fr. hinblättern.

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