Ein wenig Hoffnung

Der Schweizer Hotellerie steht vor allem wegen der Frankenstärke ein herausforderndes Jahr bevor. Eine Entlastung verspricht die Schweizerische Gesellschaft für Hotelkredit.

Stefan A. Schmid
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Das Hotel Belvedere am Furkapass. Die Schweizer Hoteliers stehen vor strengen Zeiten. (Bild: ky/Peter Klaunzer)

Das Hotel Belvedere am Furkapass. Die Schweizer Hoteliers stehen vor strengen Zeiten. (Bild: ky/Peter Klaunzer)

ZÜRICH. In Schweizer Tourismuskreisen dominieren derzeit zwei Themen: Wetter und Währung. Die für die Jahreszeit ungewöhnlich milden Temperaturen und der fehlende Schnee betrüben besonders die Hoteliers in den Alpenregionen. Glaubt man den Meteorologen, sollte aber bald der Winter Einzug halten.

Hingegen macht der starke Franken das Ferienland Schweiz weniger wettbewerbsfähig. Die Konjunkturforscher der BAK Basel rechnen vor, dass die Schweiz für Gäste aus dem Euroraum seit Jahresbeginn 2008 allein wegen der Verschiebung der Wechselkurse um 30% teurer geworden ist, für Briten gar um 50%. Als Folge wird in der aktuellen Wintersaison ein Rückgang der Zahl der Hotelübernachtungen um 2,6% erwartet. Noch stärker unter die Räder kommen dürften die Hoteliers im Alpenraum, weil deren Gäste sensibler reagieren auf Veränderungen der Wechselkurse als Gäste in den tendenziell stärker auf den Geschäftstourismus ausgerichteten Städten.

«Nationalbank wird reagieren»

Ein Fazit am Hotel Finance Forum 2011 in Zürich diese Woche mit 250 Teilnehmern aus der Hotel- und Finanzbranche: Nicht nur punkto Wetter ist Besserung in Sicht, sondern auch bezüglich Währung – konkret eine leichte Entlastung für die Hoteliers. Dies zumindest, wenn man den Worten Klaus Wellershoffs glaubt. Der Unternehmensberater und frühere UBS-Chefökonom erwartet nämlich, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) bereits diesen Monat den Mindestkurs von 1.20 auf 1.25 Fr. pro Euro anhebt. Der starke Franken würde somit etwas schwächer, Ferien in der Schweiz preislich attraktiver. Eine weitere Erhöhung des Mindestkurses auf 1.30 Fr. werde dann folgen, äussert sich Wellershoff überzeugt. Für ihn steht ausser Frage, dass die SNB reagiert: Wegen der deutlichen Euro-Unterbewertung (Wellershoff sprach von einer «Euro-Hysterie») und deflationärer Tendenzen in der Schweiz gebe es keinen Grund für die SNB, den Mindestkurs nicht anzuheben.

So oder so ein schwieriges Jahr

Allerdings dürfte 2012 selbst bei einem Eurokurs von knapp über 1.30 Fr. für die Schweizer Hoteliers schwierig werden, wie Yngve Abrahamsen betont, Ökonom der Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich. Er prognostiziert der Branche weiter sinkende Margen, und er erwartet einen Beschäftigungsabbau sowie Betriebsschliessungen.

Darlehen werden günstiger

In dieser «Ausnahmesituation» versucht die Schweizerische Gesellschaft für Hotelkredit (SGH) die Hoteliers zu entlasten. SGH-Präsident Ulrich Immler kündigte an, dass die Zinssätze für diverse Darlehen per 1. Januar 2012 substanziell gesenkt würden.

Den Blick auf mittel- und langfristige Strukturprobleme der Branche lenkte Peder Plaz, Geschäftsführer des Wirtschaftsforums Graubünden. Die Schweizer Hotellerie muss laut Plaz deutlich produktiver werden, mit höherer Auslastung, attraktiveren Gästeangeboten oder Kooperationen.