Ein Wendepunkt wie bei Microsoft?

Der US-amerikanische Internet-Gigant Google stösst in Europa auf zunehmende Skepsis und rechtliche Hürden. Vor einem Jahr urteilte der Europäische Gerichtshof, dass Google Suchresultate entfernen muss, welche den Persönlichkeitsschutz verletzen.

Fabian Fellmann/Brüssel
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Der US-amerikanische Internet-Gigant Google stösst in Europa auf zunehmende Skepsis und rechtliche Hürden. Vor einem Jahr urteilte der Europäische Gerichtshof, dass Google Suchresultate entfernen muss, welche den Persönlichkeitsschutz verletzen. Auch beim Karten- und Navigationsdienst Street View sah sich Google in Europa mit Datenschutzproblemen konfrontiert.

Google soll Geheimnis lüften

Nun folgen eine Reihe wettbewerbsrechtlicher Verfahren, welche Google Milliarden kosten könnten. Und in Frankreich stimmt das Parlament diese Woche über einen Vorstoss ab, der Google dazu zwingen soll, den Behörden Einblick in seinen geheimen Such-Algorithmus zu geben.

Mehrere Milliarden auf der Seite

Wie gefährlich kann das dem Internetriesen werden? Finanziell dürfte der Konzern keinen bleibenden Schaden davontragen, seine Reserven belaufen sich auf mehrere Milliarden Dollar. Doch kratzt die ständige Kritik erheblich am Bild der innovativen, jungen und erfolgreichen Zukunftsfirma aus den USA. Insbesondere amerikanische Analysten befürchten, die Verfahren könnten einen Wendepunkt darstellen.

«Googles Mitbewerber betrachten das ähnlich wie jene von Microsoft vor zwanzig Jahren», sagt etwa Patrick Moorhead, Analyst beim Nachrichtensender CNBC. Die Firma hatte mit ihrem Betriebssystem Windows ein Quasi-Monopol für Computer. Damit zwang Microsoft allen Nutzern sein Musikprogramm sowie den Browser Internet Explorer auf.

Kokurrenzprodukte verdrängt

Die EU-Wettbewerbshüter verknurrten die Firma zwischen 2007 und 2013 zu Bussen von über zwei Milliarden Franken. «Viele sehen das als den Punkt, welcher den Niedergang von Microsoft im Vergleich zu anderen Firmen eingeläutet hat», sagt Moorhead. In der Tat schien Microsofts Internet Explorer einige Jahre lang alle Konkurrenzprodukte zu verdrängen – bis sich mit Googles Chrome, Mozillas Firefox und Apples Safari wieder Alternativen verbreiteten. Allerdings weisen insbesondere technologieaffine Stimmen darauf hin, all das habe keineswegs mit den Wettbewerbsverfahren in der EU zu tun. Vielmehr hätte die Konkurrenz schlicht bessere Produkte entwickelt als Microsoft.

Aktien wieder auf Kurs

Die Anleger jedenfalls scheinen guter Dinge zu sein, dass Google auch in Zukunft ein erfolgreicher Konzern sein wird. War der Aktienkurs am Dienstag noch deutlich gefallen, als Gerüchte über die Kartellverfahren in Umlauf gerieten, erholte er sich bereits gestern wieder leicht.

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