Ein Trump-Witz und keine Frauen

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Zerrüttung Ein brillanter Redner wird Johann Schneider-Ammann in diesem Leben nicht mehr. In monotoner Tonlage las er seine Rede zur Eröffnung des Symposiums von zwei Telepromptern ab. Doch eins muss man dem Wirtschaftsminister lassen: Mit witzigen Episoden nahm er das Publikum im anschliessenden Talk mit Al-Jazeera-Moderator Mehdi Hasan für sich ein. Nicht zum ersten Mal erwähnte Schneider-Ammann dabei ein Telefonat mit US-Präsident Donald Trump, über dessen Inhalt er aber auch gestern nichts Genaueres verriet. Nur so viel: Man habe ihm als damaligem Bundespräsidenten am Abend vor den US-Wahlen zwei mögliche Gratulationsschreiben vorgelegt. Er habe nur eines unterzeichnet – und habe dann am nächsten Morgen nochmals unterschreiben müssen.

Überhaupt der Humor: Dieser sei angesichts von Zerrüttung und so unerwarteter Ereignisse wie der Wahl Trumps zum US-Präsidenten einer der wichtigsten Tugenden, meinte Ong Ye Kung, Bildungsminister Singapurs. Die Politik müsse vor allem wieder lernen, zuzuhören und das Potenzial jener Leute zu fördern, «die optimistisch in die Zukunft blicken und die Chancen der Globalisierung sehen», sagte dagegen Anders Samuelsen, der Aussenminister Dänemarks.

Ins Zentrum seiner Rede hatte Schneider-Ammann die Digitalisierung gestellt. Niemand könne sich diesem Wandel entziehen. «Früher hatten wir ein Telefon, heute haben wir Smartphones mit unendlichen Möglichkeiten wie einkaufen, fotografieren oder fernsehen. Sogar telefonieren kann man damit», sagte Schneider-Ammann. «Wir müssen die Menschen in die digitale Welt integrieren, damit sie nicht zu Verlierern werden.»

In der Diskussionsrunde meldete sich im Publikum auch eine junge Frau aus dem arabischen Raum zu Wort. Sie frage sich, wie es im 21. Jahrhundert möglich sei, zur Eröffnung des Symposiums eine Gesprächsrunde mit nur älteren Männern zu organisieren und was diese für mehr Chancengleichheit für Frauen zu tun gedenken. Im Falle Schneider-Ammanns nicht viel. «Ich bin vor allem gegen jede Art von Quoten», sagte der Bundesrat. (ja.)