Ein Start nach Mass für den Neuen

Heinz Huber hat sich rasch in seiner frischen Rolle als Chef der Thurgauer Kantonalbank zurechtgefunden. Der Neue ist ein alter Hase bei dem Geldinstitut. Dieses ist auf zahlreichen Ebenen gefordert, genau wie die Thurgauer Wirtschaft.

Thomas Griesser Kym
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Heinz Huber an seinem ersten öffentlichen Auftritt am Neujahrsapéro als neuer Chef der Thurgauer Kantonalbank. (Bild: Ralph Ribi)

Heinz Huber an seinem ersten öffentlichen Auftritt am Neujahrsapéro als neuer Chef der Thurgauer Kantonalbank. (Bild: Ralph Ribi)

ARBON. «Sehr glücklich» ist René Bock, dass sich Heinz Huber vor zwei Monaten zur operativen Leitung der Thurgauer Kantonalbank (TKB) bereit erklärt hat. Bock, der den Bankrat des Geldinstituts präsidiert, weiss, was er an seinem Vorsitzenden der Geschäftsleitung hat: «Heinz Huber kennt die TKB à fond und die Bedürfnisse der Kunden.» Wohl wahr: Huber ist seit März 2007 Leiter Firmenkunden und übt diese Funktion – in Personalunion mit seinem neuen Chefposten – weiterhin aus, bis ein Nachfolger gefunden ist. Parallel dazu sucht die TKB auch einen neuen Leiter Private Banking. «Der Bankrat ist bestrebt, diese Vakanzen in den nächsten Wochen und Monaten zu füllen», sagte Bock anlässlich des fünften Thurgauer Neujahrsapéros der TKB. Dieser fand am Dienstagabend im Arboner Seeparksaal mit 330 Gästen aus der Thurgauer Wirtschaft und Politik statt – ein deutliches Plus gegenüber Vorjahr mit 250 Teilnehmenden.

Thurgauer KB hat sich gesteigert

Huber selber geht davon aus, dass die TKB die beiden neuen Köpfe für die Geschäftsleitung «relativ schnell» vorstellen kann, «voraussichtlich noch im laufenden ersten Quartal». Der 50-Jährige führt die TKB seit 10. November, seit dem abrupten Abgang seines Vorgängers Peter Hinder. Der Start ins neue Amt scheint Huber ziemlich leicht- gefallen zu sein, wie er am Rande der Veranstaltung sagte – schliesslich wirkte er bereits zuvor als Hinders Stellvertreter und war als solcher «schon mit allen Dossiers vertraut. Am Anfang habe ich vor allem nach innen gewirkt und meine neuen Direktunterstellten noch näher kennengelernt», sagt Huber. Von Mitarbeitenden und Kunden habe er viel Zuspruch erhalten. Als TKB-Chef verantwortet Huber letztinstanzlich nun auch Finanzen, Personal, Kommunikation oder Marketing. Und er ist das Bindeglied zum Bankrat.

Über das vergangene Geschäftsjahr, dessen Abschluss in Arbeit ist, kann Huber bereits sagen, dass der Bruttogewinn «höher» ist als 2013. Damals betrug er 136,8 Mio. Fr; im 1. Semester 2014 waren es 71,6 Mio. Franken. Generell liege die TKB «auf Kurs». Im neuen Jahr muss sich die Bank «einigen Herausforderungen» stellen. Beispielsweise den tiefen Zinsen, welche die Zinsmarge unter Druck setzen, oder im Anlagegeschäft, da angesichts vieler Unwägbarkeiten wie Russland, Eurokrise usw. viele Anleger «nicht so investitionsfreudig» seien. Gleichwohl will die TKB ihre Beratung ausbauen und differenzierter gestalten, indem verschiedene Angebote für Anleger lanciert werden sollen, wie das in ähnlicher Weise andere Banken bereits getan haben. Als einen Höhepunkt des neuen Jahres nennt Huber die erstmalige Versammlung der Inhaber von Partizipationsscheinen der TKB. Zum Anlass am 28. Mai in der Kreuzlinger Bodensee-Arena erwartet Huber «mehrere tausend Partizipanten».

Lehrgeld bezahlt in Afrika

Wie beurteilen Exponenten der Thurgauer Wirtschaft, die am Mittwoch in Arbon zugegen waren, die Lage? Ein «schwieriges Jahr» hinter sich hat die Neuweiler AG aus Kreuzlingen, die im Anlagenbau und als Zulieferer für grosse Schweisskonstruktionen tätig ist. Das Unternehmen von Christian Neuweiler, der die kantonale Industrie- und Handelskammer präsidiert, habe «einige Aufträge im Ausland nicht realisieren können». Neuweiler konkretisiert, «wir haben Afrika als einen neuen Exportmarkt entdeckt, doch dort ist einiges noch nicht so gelaufen, wie wir uns das erhofft haben». Der Industriebetrieb hat also Lehrgeld bezahlt in einem noch relativ unbekannten Markt mit anderer Geschäftskultur als in der Schweiz – etwas, womit viele Firmen etwa auch bei der Expansion nach China kämpfen, wie in einem Gastreferat Fernsehkorrespondentin Barbara Lüthi aufzeigte. Trotz der Anlaufschwierigkeiten zeigt sich Neuweiler, der 80 Mitarbeitende beschäftigt, für 2015 «vorsichtig zuversichtlich». Und auch die ganze Schweizer Wirtschaft könne recht optimistisch sein, trotz zahlreicher Unwägbarkeiten.

«Wir geben immer Vollgas»

Von «hartumkämpften Märkten» spricht auch Diana Gutjahr, Mitglied der Geschäftsleitung und Mitinhaberin der Ernst Fischer AG. Die Romanshorner Stahl- und Metallbaufirma mit 80 Beschäftigten ist vorwiegend in der Schweiz tätig, wo sie vor allem Tankstellen, Shopgebäude sowie andere Industrie- und Gewerbeanlagen baut. «Wir spüren auch den Preisdruck», sagt Gutjahr. Vor allem an der Grenze verliere man wiederholt Aufträge an ausländische Konkurrenten, «die oft zu Einstandspreisen offerieren», mit denen ihr Unternehmen zu kämpfen habe. Dennoch war die Auftragslage der Ernst Fischer AG 2014 «gut», und «wir geben immer Vollgas, damit das so bleibt». Seit vergangenem Jahr ist das Unternehmen auch wieder im Export aktiv, aber auf kleiner Flamme und «nur, wenn wir mindestens zwei Punkte der folgenden Voraussetzungen erfüllt sehen: Kunden, Produkt oder Geographie kennen.»

Weiterhin positiv in die Zukunft blickt Hansjörg Brunner, Präsident des Thurgauer Gewerbeverbandes und Chef der Sirnacher Druckerei Fairdruck AG. «Der typische Thurgauer Gewerbler ist seit jeher kreativ, innovativ, zuverlässig und binnenorientiert», sagt Brunner. Seinen Optimismus für die Wirtschaft begründet er auch damit, dass auslandorientierte Firmen derzeit vom tieferen Ölpreis und vom stärkeren Dollar profitieren könnten. Aber Brunner muss trotz «vieler positiver Meldungen aus den Branchen» einräumen, dass es auch Schatten gibt. So stünden Firmen mit dem Exportschwergewicht in der Eurozone noch immer unter Druck und seien daher «etwas weniger optimistisch». Ebenfalls zeichne sich im Bauhaupt- und -nebengewerbe eine leichte Abkühlung ab. Dies wirkt allerdings laut Brunner auch etwaigen Überhitzungstendenzen entgegen.