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Ein Ratgeber für Firmen: «Profitable Lösungen für die Probleme der Menschen generieren anstatt Profit»

Unternehmen sollen nicht mehr in erster Linie nur nach Gewinn streben, sondern auch gesellschaftliche Aufgaben erfüllen. Dafür plädieren namhafte Wirtschaftsführer an einem Panel am Symposium St.Gallen. Rezepte gibt es viele, doch das Umdenken und den Blick aufs grosse Ganze schärfen brauchen auch Zeit.
Thomas Griesser Kym
Diskutieren am St.Gallen Symposium den Zweck des Kapitals: Moderatorin Nina dos Santos, Swiss-Re-Chef Christian Mumenthaler, Morgan-Stanley-Nachhaltigkeitschefin Audrey Choi und Oxford-Professor Colin Mayer (von links). (Bild: Ralph Ribi)

Diskutieren am St.Gallen Symposium den Zweck des Kapitals: Moderatorin Nina dos Santos, Swiss-Re-Chef Christian Mumenthaler, Morgan-Stanley-Nachhaltigkeitschefin Audrey Choi und Oxford-Professor Colin Mayer (von links). (Bild: Ralph Ribi)

«Der Zweck des Kapitals ist mehr als nur Profit generieren». Dieser Einstiegsthese von Moderatorin Nina dos Santos stimmen alle drei Teilnehmenden an einem Panel am St.Gallen Symposium zu. Es fallen Stichwörter wie Dienst an der Gesellschaft, Innovationen entwickeln, Jobs schaffen. «Die meisten Zwecke sind positiv», sagt Christian Mumenthaler, Chef der Swiss Re. Hauptzweck des weltgrössten Rückversicherers: «Wir sammeln weltweit Versicherungsprämien ein und verteilen sie an die, die sie benötigen.» Zum Beispiel an Geschädigte nach Naturkatastrophen. Und schon ist das Panel beim Klimawandel. «Die Welt hat keinen hochstehenden Plan», wie dieser effektiv zu bekämpfen sei, räumt Mumenthaler ein. Was tut seine Gesellschaft konkret? «Wir unterstützen keine Kohleförderer und keine Kohlekraftwerke in entwickelten Ländern mehr», nennt Mumenthaler ein Beispiel.

Christian Mumenthaler, Swiss Re

Christian Mumenthaler, Swiss Re

«Der Klimawandel läuft schneller ab als erwartet», sagt Audrey Choi, Marketing- und Nachhaltigkeitschefin bei der US-Grossbank Morgan Stanley. Steuergelder allein reichten nicht für Lösungen, «wir brauchen die Industrie und wir brauchen Investoren». Dabei gelte es den Spagat zu schaffen, mit Investitionen in nachhaltige Projekte, die das Klima schützen, mehr soziale Gerechtigkeit schaffen, die Gesundheitsversorgung verbessern usw. auch Geld zu verdienen.

Ehrlich, integer, vertrauenswürdig

Mumenthaler sieht hier Erfolge. Er spricht von einem «Multi-Stakeholder Approach», also einen Ansatz, der verschiedenen Anspruchsgruppen eines Unternehmens nützt, den immer mehr Firmen verfolgten. Zumindest in Europa. In Amerika dagegen sei der Shareholder Value, also die Schaffung von Wert für die Aktionäre, noch immer das zentrale Kriterium.

Audrey Choi von Morgan Stanley

Audrey Choi von Morgan Stanley

Dass der Zweck vieler Firmen geändert hat, beobachtet auch Wirtschaftsprofessor Colin Mayer von der Universität Oxford. «Der Zweck ist nicht Profit zu generieren, sondern profitable Lösungen der Probleme der Menschen.» Dazu gehöre, dass Unternehmen ehrlich, integer und vertrauenswürdig seien. Als Beispiel nennt Mayer den dänischen Pharmakonzern Novo Nordisk. Der Weltmarktführer bei Diabetes-Präparaten habe sich gefragt: Wie erreichen wir die Patienten? Denn 80 Prozent leben in ärmeren Ländern und können sich das Insulin nicht leisten. Die Antwort lautete: Quersubventionierung der Produkte in den ärmeren Ländern mit Geld, das Novo Nordisk in den reicheren Ländern verdient.

Mikkel Stavnsbjerg und Phaedria Marie St.Hilaire von der Forschungs- und Entwicklungsabteilung von Novo Nordisk in Dänemark. (Bild: PD)

Mikkel Stavnsbjerg und Phaedria Marie St.Hilaire von der Forschungs- und Entwicklungsabteilung von Novo Nordisk in Dänemark. (Bild: PD)

Erst ausgezeichnet, dann mit der Justiz in Konflikt

Das Unternehmen ging aber noch einen Schritt weiter, mittels Partnerschaften mit Universitäten, Ärzten, Spitälern, Regierungsstellen usw. Dies mit der Absicht, den Lebensstil der Menschen zu verbessern und sie vor der schlimmsten Ausprägung von Diabetes zu schützen. Novo Nordisk hat sich laut Mayer gefragt: Schlachten wir damit nicht die Gans, die goldene Eier legt? Die Antwort lautete Nein, denn der Anspruch, soziale Probleme zu lösen, die Diabetes zugrunde liegen, biete eine grosse Chance für gute Geschäfte und für Wachstum.

Professor Colin Mayer von der Universität Oxford

Professor Colin Mayer von der Universität Oxford

Novo Nordisk kommt zugute, dass das Sagen eine gemeinnützige Stiftung hat, die dank ihrer Stimmrechtsaktien das börsenkotierte Unternehmen mehrheitlich kontrolliert. Dadurch ist Novo Nordisk weniger von der Quartalsberichterstattung und kurzfristigem Renditedenken getrieben als andere Firmen. 2012 wurde Novo Nordisk vom Wirtschaftsmagazin «Corporate Knights» als «das nachhaltigste Unternehmen der Welt» bezeichnet. Doch es gibt auch Schattenseiten: So geriet Novo Nordisk wiederholt mit dem Gesetz in Konflikt wegen der Verschweigung von Nebenwirkungen des Diabetes-Präparats Victoza, und 2017 zahlte das Unternehmen in dieser Sache 58,7 Millionen Dollar im Rahmen eines Vergleichs ans US-Justizdepartement.

St. Gallen Symposium an der HSG St. Gallen, im Bild Peter Wuffli. (Bilder: Ralph Ribi)St. Gallen Symposium an der HSG St. Gallen, im Bild Peter Wuffli. (Bilder: Ralph Ribi)
Ruth Metzler, ehemalige Bundesrätin. Ruth Metzler, ehemalige Bundesrätin.
Panel «On capital and purpose». Von links: Christian Mumenthaler Swiss Re , Audrey Choi Morgan Stanley , Prof. Colin Mayer Universtity of Oxford Panel «On capital and purpose». Von links: Christian Mumenthaler Swiss Re , Audrey Choi Morgan Stanley , Prof. Colin Mayer Universtity of Oxford
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Symposium St.Gallen

Was jungen Talenten wichtig ist

Audrey Choi rät Arbeitgebern, darauf zu achten, was jungen Talenten heute wichtig ist. Und dazu gehörten auch Themen einer nachhaltigen Entwicklung. Colin Mayer sekundiert, es gelte das Humankapital zu pflegen. In der jetzigen Zeit des raschen technologischen Wandels könne man Leute entlassen – oder sie neu trainieren und ihnen andere Fähigkeiten beibringen. In der Finanzindustrie bedeutet dies laut Choi etwa, dass für Banken angesichts künstlicher Intelligenz und neuer Wettbewerber im Zahlungsverkehr wie beispielsweise führende Technologiekonzerne oder Smartphonebanken «Automation keine Lösung ist». Viel wichtiger seien «Beziehungen. Dazu braucht es Mitarbeitende, die an den Kunden interessiert sind.» Und dafür wiederum müssten Angestellte neu befähigt werden.

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