Ein Klebstoff für alle Fälle

Kunden aus aller Welt und allen möglichen Branchen kommen zur APM Technica AG nach Heerbrugg, um Probleme mit Klebstoffen oder Oberflächen zu lösen. Dafür ist das Unternehmen für den Prix SVC Ostschweiz nominiert.

Kaspar Enz
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Diese Polierköpfe sind eines der Bauteile, die die APM Technica von Arthur Philipp mit ihren Klebstoffkenntnissen montiert. (Bild: Ralph Ribi)

Diese Polierköpfe sind eines der Bauteile, die die APM Technica von Arthur Philipp mit ihren Klebstoffkenntnissen montiert. (Bild: Ralph Ribi)

HEERBRUGG. Ein Fliessband sucht man bei der APM Technica vergebens. Die Produktionsräume des Heerbrugger Unternehmens sind eher eine Reihe von Werkstätten. Mithilfe von Maschinen kleben die Mitarbeitenden Magnete auf Bauteile von Lautsprechern oder Keramikteile auf Metall für Bauteile von Textilmaschinen. In Reinräumen werden Teile für die Optronik-Industrie behandelt. Einige Roboter beschichten runde Gläser für Tachos mit einem Lack, der dafür sorgt, dass sie nicht anlaufen. Für einen Kunden, auf den Verwaltungsratspräsident Arthur Philipp recht stolz ist. «Seit sieben Jahren beschichten wir die Instrumentengläser für Harley Davidson», sagt er.

Am Anfang ein Labor

Nach Heerbrugg kommt, wer mit Klebstoffen oder Oberflächen ein Problem hat. Wie der Kunde, für den die APM Technica Polierköpfe für Brillengläser montiert und zusammenklebt. «Der Klebstoff hatte die Polierflüssigkeit vorher nicht ausgehalten», sagt Arthur Philipp. Sein Unternehmen musste herausfinden, wo das Problem liegt, und zusammen mit dem Kunden eine Lösung finden. Deshalb sind die Labors, in denen die Materialien geprüft werden, ein Herzstück der APM Technica. Sie sind sogar ihr Ursprung. Bis 2002 war das Unternehmen Teil von Leica Geosystems. Die knapp 20 Mitarbeitenden prüften Verfahren und Werkstoffe und versuchten diese zu verbessern. 2002 kauften Arthur Philipp und sein ehemaliger Assistent Stefan Mattle und ein weiterer Manager des Profitcenters die Sparte aus dem Unternehmen heraus. Philipp war damals 64 Jahre alt. «Ich wollte es nochmals wissen.»

Vom Prototyp zur Produktion

Schnell wuchs das neue Unternehmen. «Bei der Leica hatten wir zwar Prototypen gemacht», sagt Philipp. Umgesetzt wurden die Neuerungen aber immer innerhalb des Konzerns. Die neuen Kunden wollten aber bald erste Serien. So kam zum Labor bald eine Produktion hinzu. 95 Mitarbeitende sind heute in Heerbrugg beschäftigt, rund 40 weitere in Standorten in der Schweiz, Deutschland und auf den Philippinen. Der Umsatz stieg von rund sechs auf heute über 20 Millionen Franken.

Die Kunden kommen dabei aus allen möglichen Branchen: Die APM Technica arbeitet unter anderem für Apparatehersteller, die Uhrenindustrie, die optische Industrie, die Medizintechnik oder den Fahrzeugbau. Für letztere zwei Branchen hat sich das Unternehmen vor einiger Zeit zertifizieren lassen. «Diese Zertifikate waren Türöffner», sagt Arthur Philipp. «Am Anfang kamen viele Kunden dank Mund-zu-Mund-Propaganda zu uns», sagt er. «Es hat wohl auch geholfen, dass wir aus der Leica kommen.»

Die APM Technica setzt auch auf Vernetzung: «Ich schicke meine Mitarbeitenden immer wieder auf Kongresse und Messen, wir sind in Fachorganisationen vertreten», sagt Philipp. Und die APM Technica ist auch immer wieder an Projekten der Kommission für Technologie und Innovation beteiligt, die sie mit verschiedenen Hochschulen zusammenbringt. «Als Spezialist müssen wir das», sagt Philipp.

Arthur Philipp gründete seinerzeit die APM Technica, statt in Pension zu gehen. Heute, mit 76 Jahren, ist er immer noch im Betrieb aktiv. «Viele wollen wissen, was nach mir kommt. Aber ich habe ein gutes Team, und bin daher sicher, dass die Firma auch weiterläuft, wenn ich nicht mehr einsatzfähig bin.»