Ein Karrierist soll Amerikas Banken beaufsichtigen

Drucken
Teilen

Super-Sheriff Für einmal ist eine Personalentscheidung des Weissen Hauses recht unspektakulär: Randal Quarles soll neues Mitglied des Direktoriums (Board of Governors) der US-Notenbank Fed werden. Präsident Donald Trump will den 59-Jährigen zum ersten Vice Chairman for Banking Supervision im Leitungs­gremium der Fed ernennen – ein Posten, der 2010 mit der Verabschiedung der Finanzmarktreform (Dodd-Frank) geschaffen worden, aber vakant geblieben war. Indirekt würde Quarles ­damit den einflussreichen Fed-Gouverneur Daniel Tarullo ersetzen, der während der Amtszeit von Präsident Barack Obama die Rolle des Super-Sheriffs der Wall Street übernommen hatte.

Quarles ist ein langjähriges Mitglied des republikanischen Establishments. Er gilt als sicherer Wert. Das hat mit seinem Lebenslauf zu tun. Und mit seinen wirtschaftspolitischen Positionen – die wenig gemein haben mit Trumps nationalistischem Populismus. Anders als Tarullo steht Quarles mit der Wall Street nicht auf Kriegsfuss. Er spricht sich für den vorsichtigen Abbau der Vorschriften aus, mit denen die Behörden eine erneute Finanzkrise verhindern wollen. Auch könnte er den jährlichen Banken-Stresstest abändern – weil sich die Klagen der Finanzinstitute am Gesundheitscheck häufen.

Allerdings entscheidet das Fed-Leitungsgremium gemeinsam über weitreichende Anpassungen am Regelwerk. Quarles gilt als gewiefter Rhetoriker, geht jedoch nicht immer diplomatisch vor. So kritisierte er im Frühling 2016 im «Wall Street Journal» die Vorschläge von Neel Kashkari, dem Präsidenten der Fed-Filiale in Minneapolis, zur Lösung des «Too big to fail»-Problems. «Herr Kashkari ist ein seriöser Entscheidungsträger, aber seine Empfehlungen sind töricht», schrieb Quarles. Denn die vor­geschlagene, massive Erhöhung der Kapitaldecke hätte zur Folge, dass die Konsumenten höhere Kreditzinsen zahlen müssten. Quarles schlug stattdessen vor, dass sich die Aufsichtsbehörden die nötigen Werkzeuge verschaffen, um im Krisenfall einzelne Banken abzuwickeln, und die Fed solle beim Drehen an der Zinsschraube verlässlicher vorgehen.

Dennoch gilt Quarles als Reformer. Grund für dieses Vertrauen, das er geniesst, ist seine lange Karriere in Politik und Wirtschaft. So pendelte er zwischen einer Anwaltskanzlei und dem Finanzministerium, war US-Exekutivdirektor beim Internationalen Währungsfonds und kurz bei der Beteiligungsfirma Carlyle. Seit 2014 arbeitet er für die Cynosure Group, die auch das Vermögen seiner Familie verwaltet. (rrw)