Ein grosser Happen für SFS

Die Rheintaler SFS-Gruppe übernimmt in Asien das Unternehmen Unisteel mit 2700 Angestellten. Sie bringt sich damit in Stellung für die künftigen Herausforderungen auf den Weltmärkten.

Sabrina Dünnenberger
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In der Produktion von SFS Intec in Heerbrugg. Hier werden Schrauben und Befestigungslösungen nach Mass hergestellt. (Bild: Urs Bucher)

In der Produktion von SFS Intec in Heerbrugg. Hier werden Schrauben und Befestigungslösungen nach Mass hergestellt. (Bild: Urs Bucher)

HEERBRUGG. Die Übernahme von Unisteel ist ein «grosser Schritt», wie die Verantwortlichen der Rheintaler Befestigungstechnik-Gruppe SFS selbst sagen. Der Blick auf die Zahlen bestätigt das. Die künftige 100%-Tochtergesellschaft aus Asien beschäftigt 2700 Angestellte und wird im laufenden Geschäftsjahr einen Umsatz von 300 Mio. $ erzielen. Die Anzahl der SFS-Mitarbeitenden wird somit auf knapp 7000 steigen – auf SFS Intec, kombiniert mit Unisteel, entfallen davon knapp 6000 Angestellte. Der Umsatz der SFS Intec dürfte im Geschäftsjahr 2013 – dann wird Unisteel erstmals voll konsolidiert – zum ersten Mal über 1 Mrd. Fr. betragen. Zum Vergleich: 2011 setzte SFS Intec mit 3300 Angestellten 720 Mio. Fr. um. Die Übernahme des Unternehmens mit Sitz in Singapur und Produktionsstandorten in Malaysia und China ist die grösste, welche SFS jemals getätigt hat.

Schon länger Wunschkandidat

Wie SFS-Gesamtleiter und VR-Präsident Heinrich Spoerry gestern sagte, war Unisteel schon seit längerer Zeit ein Wunschkandidat für das Firmenportfolio. Schon einmal sei verhandelt worden – allerdings erfolglos: SFS habe sich für die Mehrheit der Firmenanteile interessiert, was damals aber «nicht verhandelbar» gewesen sei. Die jüngsten Verhandlungen mit den Eigentümern, bestehend aus Management und Angestellten von Unisteel sowie der Beteiligungsgesellschaft KKR, waren von mehr Erfolg gekrönt.

KKR hatte Unisteel gemäss Angaben den Nachrichtenagentur Reuters im Jahr 2008 für 575 Mio. $ übernommen. Zum aktuellen Kaufpreis machen SFS und KKR keine Angaben. Von Seiten der SFS-Gruppenleitung ist zu erfahren, dass der Kaufpreis die liquiden Mittel des Unternehmens übersteige und teilweise durch Bankkredite finanziert werde. Auch werde das Unternehmen jetzt einige Zeit benötigen, um diesen «grossen Happen zu verdauen». Allerdings hält Spoerry fest, dass bei SFS stets eine solide Finanzierung im Vordergrund stehe und das Unternehmen keine finanziellen Abenteuer eingehe.

«Müssen in Offensive gehen»

SFS verfolgt mit der Übernahme hauptsächlich zwei Ziele. Das eine ist der Ausbau der Position als Zulieferer der Elektronikindustrie, das andere die Stärkung der Marktposition in Asien. Sich eine strategische Position in den aufstrebenden Märkten zu sichern, sei für ein europäisches Unternehmen überlebenswichtig, sagt Spoerry. Die Märkte würden zunehmend global. «Wir müssen in die Offensive gehen. Wenn wir das nicht tun, gefährden wir unsere Marktposition in den angestammten Märkten.»

Zwar ist SFS mit Beteiligungen an Joint Ventures, demnächst einer eigenen Fabrik in China sowie mit Vertriebs- und Marketinggesellschaften im asiatischen Raum bereits präsent – die Übernehme von Unisteel aber wird diese Präsenz auf einen Schlag massiv erhöhen. Unisteel fertigt Miniaturteile aus Metall und Kunststoff, die in Mobiltelefonen, Smartphones, Tablets und Magnetplattenspeichern zur Anwendung kommen. Zu den Kunden von Unisteel zählen einige der weltweit grössten Elektronikgesellschaften (siehe Befragt).

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