«Ein Geschäftspartner mit Handschlagqualität»: Die Toggenburger Firma Berlinger gewinnt den Export Award

Drei Schweizer Unternehmen, alle hoch verlässlich, glaubwürdig und kompetent und sich immer wieder selber hinterfragend - kein Wunder, war es ein extrem enges Rennen. In einem hauchdünnen Juryentscheid setzt sich Berlinger gegen die Thurgauer Storz Medical und die Zürcher Sensirion durch.

Thomas Griesser Kym
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Andrea Berlinger, Verwaltungsratspräsidentin und Mitinhaberin der Berlinger-Gruppe, mit ihren Antidopingbehältern.

Andrea Berlinger, Verwaltungsratspräsidentin und Mitinhaberin der Berlinger-Gruppe, mit ihren Antidopingbehältern.

Bild: Ralph Ribi


Vor vier Jahren hat die Toggenburger Berlinger-Gruppe den Unternehmerpreis des Prix SVC Ostschweiz gewonnen. Und damit auf einen Schlag regional und auch in der ganzen Schweiz an Bekanntheit. Zuvor war das Unternehmen lediglich Insidern ein Begriff gewesen, denn: «Wir exportieren 96 Prozent unserer Produkte», sagt Verwaltungsratspräsidentin Andrea Berlinger, der das Unternehmen zusammen mit ihrem Mann Daniel Schwyter gehört.

«Der Preis hat uns hierzulande ein grösseres Netzwerk verschafft», sagt Andrea Berlinger. Man sei als Arbeitgeber bekannter geworden, und für die Mitarbeitenden sei es «sehr schön gewesen, auch mal ein Lob von ausserhalb zu bekommen.» Für das Unternehmen war der Preis zudem eine Bestätigung, dass es auf dem richtigen Weg sei.

Breit diversifiziert, stets für die Kunden da

Nun hat Berlinger einen weiteren Preis eingeheimst, und zwar einen nationalen, nämlich den Export Award, verliehen von der Förderorganisation Switzerland Global Enterprise. Jurypräsident Ralph Siegl nennt Berlinger einen «Geschäftspartner mit Handschlagqualität.» Aber auch Storz Medical aus Tägerwilen mit ihren Stosswellentherapiegeräten und die Sensorherstellerin Sensirion aus Stäfa seien hervorragende Unternehmen, weil auch sie wie Berlinger breit diversifiziert und stets für ihre Kunden da seien. Siegl:

«So gewinnt man Freunde fürs Leben.»

Zwei völlig unterschiedliche Geschäftsfelder

Andrea Berlinger spricht von einem «grossen Motivationsschub» und einer «Auszeichnung für das ganze Team», das sich tagtäglich dafür einsetze, damit die Firma in 175 Länder exportieren könne. Andrea Berlinger sagt:

«Das machen wir seit 30 Jahren, aber das Geschäft wird immer anspruchsvoller und komplexer.»

Mit dem Geschäftsverlauf zeigt sich Andrea Berlinger «zufrieden». Dem Unternehmen, das 120 Mitarbeitende beschäftigt, davon 80 in Ganterschwil, komme einmal mehr zugute, dass es in zwei völlig unterschiedlichen Geschäftsfeldern tätig ist. «Das war schon immer ein Erfolgsfaktor, weil nie beide Sparten gleichzeitig schlechter laufen. Das macht uns relativ krisenfest.»

Wie Corona das Geschäft belebt

Berlinger-Chef Thomas Bechter.

Berlinger-Chef Thomas Bechter.

Bild: PD

Momentan laufen die Geräte zur Temperaturüberwachung besser. Dies, weil Hersteller von Medikamenten und Lieferanten von Impfstoffen, die solche Geräte benötigen, Hochkonjunktur haben. «Die Nachfrage nach diesen Geräten ist hoch», sagt Andrea Berlinger. Firmenchef Thomas Bechter sagt im Zusammenhang mit Corona:

«Wir sprechen bei Impfstoffen von einem Volumen, das noch nie da war.»

Normalerweise würden weltweit pro Jahr 3,5 bis 4 Milliarden Impfdosen benötigt, nun gehe es um 12 Milliarden. Berlinger wolle mit ihrer Hard- und Software zur Temperaturüberwachung einen Beitrag leisten.

Weniger Sport, weniger Dopingtests

Im Abschwung ist dagegen das zweite Geschäftsfeld, die Bereg-Antidoping-Kits, von denen das Unternehmen normalerweise 250'000 Stück im Jahr herstellt. Mit diesen manipulationssicheren Fläschchen für Urin- und Blutproben ist Berlinger Weltmarktführer. Nun aber spürt das Unternehmen die Absage und Verschiebung von Sportanlässen wie die Fussball-EM oder die Olympischen Sommerspiele oder die Ausdünnung etwa des Leichtathletik- oder Tenniskalenders.

«Wenn es weniger Sportanlässe gibt, braucht es weniger Dopingtests.»

So bringt es Andrea Berlinger auf den Punkt. Den Rückgang der Auslieferungen in der Pandemie beziffert sie auf rund ein Drittel. «Wir haben die Zeit genutzt, um die Produktion weiter zu optimieren.» In der Abteilung der Bereg-Kits herrscht noch diesen Monat Kurzarbeit, danach gehe man über die Bücher.

Hürden im Import und im Export gemeistert

Die Pandemie beschäftigt Berlinger auch im Import und im Export, wie Thomas Bechter sagt. Zu Beginn der Pandemie bekundete Berlinger plötzlich Mühe, aus Asien beispielsweise Elektronikteile für die Temperaturüberwachungsgeräte zu beschaffen, weil viele Lieferanten nicht mehr arbeiteten. Dabei war Berlinger früh alarmiert, schon um Weihnachten/Neujahr herum, lässt man doch Prozessoren in Wuhan fertigen. Bechter sagt:

«Der Import war zu Beginn der Pandemie ein Knackpunkt.»

Kaum war dieses Problem gelöst, tauchten Schwierigkeiten im Export von Berlingers fixfertigen Produkten auf, wie Bechter sagt. «Weil es kaum mehr Flüge gab, sind die Frachtkosten stark gestiegen, teils haben sie sich verzehnfacht.» Kam hinzu, dass einzelne Kunden wegen Restriktionen die Ware zeitweise gar nicht annehmen konnten. Trotzdem habe man praktisch alle Kunden pünktlich beliefern können.

Regionale Zwischenlager als Lehre aus der Krise

Andrea Berlinger zeigt sich stolz und windet auch dafür ihrer Belegschaft ein Kränzchen. Diese habe alle Hebel in Bewegung gesetzt, um der Liefertreue gerecht zu werden. Wie will sich Berlinger für allfällige künftige Komplikationen wappnen? «Wir werden in Zukunft verstärkt regionale Zwischenlager halten», sagt Bechter:

«Aber alles wieder lokal in der Schweiz produzieren, das geht nicht.»