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Ein Geschäftsmodell liegt am Boden

Ansichten
Reto Lipp

Die Krise der klassischen Medien schwelt seit Jahren – sie hat in diesem Winter in der Schweiz aber eine neue Dimension erreicht, die Besorgnis auslöst. Kritische Medien sind in einer Demokratie unerlässlich, verschwinden sie, verarmt nicht nur die öffentliche Meinung, auch die Demokratie kann Schaden nehmen. Denn nur informierte Bürger können (einigermassen) rationale Entscheidungen an der Urne treffen. Und in der Schweiz wird alle drei Monate abgestimmt – auch oft über komplizierte Vorlagen.

Die Krise spitzte sich in den letzten Wochen zu: Zeitungen verschwinden, werden fusioniert, Redaktionen zusammengelegt, eine Nachrichtenagentur im Streik, und selbst die SRG bangt um ihre Existenz. Hinter diesen Ereignissen stehen ökonomische Kräfte, welche die Medienlandschaft umpflügen. Die neue Medienökonomie macht das Geschäft mit Informationen schwieriger. Früher konnte sich eine Zeitung zu 50 Prozent aus Lesereinnahmen und 50 Prozent aus Werbe- und Inserateeinnahmen finanzieren.

Das ist heute anders. Eine Zeitung wird heute kaum noch zu 20 Prozent von der Werbung getragen. 80 Prozent müssen die Leser aufbringen. Und da die Auflagen ebenfalls schrumpfen aufgrund der Abwanderung ins Internet, steht die ökonomische Grundlage vieler Zeitungen auf immer schwächeren Füssen. Eine gewisse Zeit trösteten sich viele Verleger mit dem Gedanken, im Internet die verlorenen Werbeausgaben wieder herein­holen zu können. Dieser Traum ging dann zu Ende, als der Smartphone-Boom vor zehn Jahren begann. Heute werden schon 50 Prozent der Informationen auf dem Smartphone gelesen. Dort aber lässt sich mit Inseraten praktisch kaum Geld verdienen – jedenfalls nicht mit klassischen Werbeformen. Was aber selbst auf dem Handy wunderbar funktioniert, sind Suchmaschinen oder die sozialen Medien wie Facebook oder Instagram.

Laut einer Schätzung der NZZ erwirtschaften allein Facebook und Google in der Schweiz über 600 Millionen Franken Umsatz. Facebook macht das mit null Mitarbeitern in der Schweiz (und auch null Steuern natürlich). Google ist da etwas besser unterwegs und bietet in Zürich viele Jobs an. Zum Vergleich: Die SRG macht heute nach Jahrzehnten der Existenz pro Jahr noch rund 300 Millionen Franken Werbeeinnahmen. Was mich besonders stört an Google und Co., ist ihre Intransparenz. Sie weisen keine Umsatzzahlen für die Schweiz aus, ihre Gewinne aus dem Schweizer Markt werden nicht gezeigt, und Fragen werden selten beantwortet.

Nachdem die Printmedien angeschlagen sind, wird es auch die Fernsehstationen, die nur von der Werbung leben, treffen. Fernsehen hat heute noch den grossen Vorteil, dass Werbespots gut präsentiert werden können. Neue Autos oder Waschmaschinen lassen sich nirgends emotionaler und farbiger ins Szene setzen als im Fernsehen.

Aber die abnehmende Werbung für die klassischen Medien wird auch das Fernsehen massiv treffen. Praktisch alle TV-Sender weisen rückläufige Werbeerträge aus. Bei vielen TV-Stationen ist das dramatisch, leben sie doch ausschliesslich von Werbung. Bei Zeitungen gibt es immerhin noch Abonnenten, und manchmal sind Leser (wie ich) bereit, die Zeitung auch zu kaufen, wenn sie teurer wird – und im Gegenzug weniger Werbung enthält.

Das klassische Fernsehsystem wird die Entwicklung, die die Printmedien vorgemacht haben, mit einer Zeitverzögerung von fünf bis sieben Jahren nachvollziehen. Pay-TV wird nur bei Filmen, Sport oder Porno funktionieren. Der Markt richtet es nicht. Unabhängige Informationen werden entweder nur noch eine Nische besetzen oder sehr teuer sein – oder sie müssen mit einem gemeinschaftlichen Ansatz aufgebracht werden (staatliche Gebühren, Stiftungen oder durch Crowdfunding). Wie sich die klassischen Medien künftig finanzieren sollen, ist unklarer denn je. Das alte Geschäftsmodell jedenfalls mit immer mehr Werbung wird nicht mehr funktionieren. Kein Wunder, herrscht in der Medienszene Krisenstimmung.

Reto Lipp

Wirtschaftsjournalist SRF

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