Ein digitaler Assistent für Pillenschlucker: Zur Rose und KPT bauen ihre Geschäftsbeziehung aus

Patienten mit hohem Medikamentenkonsum das Leben erleichtern: Dazu vertiefen die Frauenfelder Versandapotheke Zur Rose und die Krankenkasse KPT ihre Geschäftsbeziehung. Und wollen so auch die Kundenbindung erhöhen und stationären Apotheken weitere Marktanteile abjagen.

Thomas Griesser Kym
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Im Logistikzentrum der Zur Rose in Frauenfeld werden Medikamente für den Versand bereit gemacht.

Im Logistikzentrum der Zur Rose in Frauenfeld werden Medikamente für den Versand bereit gemacht.

Bild: Gaëtan Bally/Keystone

Auf der Suche nach neuen Einnahmequellen und dem Gewinn von Marktanteilen kooperiert die Frauenfelder Versandapotheke Zur Rose seit geraumer Zeit mit der Krankenkasse KPT. Die Absichten sind stets die Gleichen: Einen Beitrag leisten zur Senkung der Gesundheitskosten, wie unablässig betont wird, und der Konkurrenz, den stationären Apotheken, das Wasser abgraben.

Jüngster Streich: Zur Rose und KPT lancieren einen digitalen Medikamentenassistenten namens Medi+. Dieser richtet sich in erster Linie an Patienten, die regelmässig und verschiedene Arzneimittel einnehmen müssen. Der kostenlose Assistent soll laut Angaben der Unternehmen den Umgang mit Medikamenten erleichtern und sicherer machen, und er soll dazu beitragen, Fehlmedikation und damit verbundene Folgekosten zu vermeiden.

Ein Bestellzwang wird verneint

Zu den Funktionen von Medi+ gehört eine persönliche Medikamentenübersicht. In dieser kann der Nutzer alle über die KPT abgerechneten Medikamente sowie weitere Arzneimittel integrieren, und er kann bereits bei Zur Rose bestellte Medikamente und hinterlegte Rezepte einfügen. Resultat sei eine Übersicht über alle Medikamente, samt Einnahmeplan mit Erinnerungsfunktion.

Kommt hinzu: Rezeptpflichtige Medikamente können mit Medi+ bei Zur Rose online nachbestellt werden, und zwar «einfach, sicher und günstig». Die Unternehmen schieben hinterher, die Nutzung der Anwendung sei nicht an den Medikamentenbezug bei Zur Rose gebunden; die KPT-Versicherten könnten ihre Pillen auch beim Arzt oder in einer stationären Apotheke beziehen. Aber natürlich zielt das Modell mit der Verzahnung der Angebote der beiden Firmen genau darauf ab, die Kundenbindung zu erhöhen.

Eine langjährige Kooperation

Zur Rose und KPT arbeiten sei über zehn Jahren zusammen. Die Krankenkasse wirbt mit einem Prämienrabatt von bis zu 20 Prozent in einem Grundversicherungsmodell, bei dem der Versicherte eine Kombination aus telemedizinischer Beratung vor der Inanspruchnahme medizinischer Leistungen und aus Medikamentenversand wählt.

Die Arzneimittel müssen in diesem Modell entweder bei Zur Rose bezogen werden oder von einem selbstdispensierenden Arzt. Auch im zweiten Fall kann Zur Rose profitieren, ist doch die Versandapotheke auch als Ärztegrossistin tätig, beliefert also Mediziner mit Medikamenten.

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