Ein denkwürdiger Monat Januar

Mit drei bedeutenden Marktereignissen wurden bereits im ersten Monat des neuen Jahres entscheidende Weichen für das Börsenjahr 2015 gestellt. Den Reigen eröffnete die Schweizerische Nationalbank (SNB) mit der überraschenden Aufhebung der Untergrenze von 1.20 Fr. pro Euro.

Santosh Brivio Ökonom Bei Raiffeisen Schweiz
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Mit drei bedeutenden Marktereignissen wurden bereits im ersten Monat des neuen Jahres entscheidende Weichen für das Börsenjahr 2015 gestellt. Den Reigen eröffnete die Schweizerische Nationalbank (SNB) mit der überraschenden Aufhebung der Untergrenze von 1.20 Fr. pro Euro. Die Marktreaktionen fielen heftig aus: Der Franken wertete innert kürzester Zeit drastisch auf, während der SMI, der Leitindex der Schweizer Börse, regelrecht einbrach.

Voluminöses Kaufprogramm

Nur eine Woche nach dem SNB-Entscheid kündigte die Europäische Zentralbank (EZB) ein Quantitative Easing (QE) an, in dessen Rahmen bis September 2016 für über 1000 Mrd. € Anleihen aufgekauft werden sollen. Während das eigentliche QE die Marktakteure insgesamt nicht überraschte, übertraf der Umfang des Programms die Erwartungen: Das Aufkaufvolumen von monatlich 60 Mrd. € hatte an den meisten europäischen Börsen Kursavancen zur Folge. Gleichzeitig werden die Zinsen damit auf tiefem Niveau verharren. Und die für Obligationäre bestehende Gefahr einer schnellen Zinswende wird limitiert bleiben.

Tsipras prescht nach vorne

Mit dem Erdrutschsieg der linken Syriza von Alexis Tsipras an den griechischen Neuwahlen folgte schliesslich das dritte marktrelevante Ereignis dieses aus Börsensicht denkwürdigen Januars. Der überwältigende Erfolg von Tsipras, der mit dem Versprechen angetreten war, die von der Troika auferlegten Reform- und Sparanstrengungen neu zu verhandeln, rückte die Griechenland-Problematik in den Fokus.

Folgen dauern an

Die Nachwehen dieser Ereignisse dürften die Anleger noch das ganze Jahr beschäftigen. Neben den Auswirkungen auf der Zinsseite stellt der SNB-Entscheid vor allem den Schweizer Tourismus und die Exportunternehmen vor Herausforderungen. Hier werden die Ergebnisse zum 4. Quartal 2014 und zum abgelaufenen Jahr Aufschluss darüber geben, wie solide die Unternehmen aufgestellt sind und inwieweit der Währungsschock absorbiert werden kann. Man kann davon ausgehen, dass vor allem die defensiven Schwergewichte wie Nestlé oder Novartis weniger unter der Währungssituation zu leiden haben, während die zyklischen Titel mehr Schwierigkeiten haben dürften. Insgesamt sind Schweizer Aktien jedoch wieder relativ attraktiv bewertet, da in einer ersten Reaktion der gesamte Markt unter Druck geriet.

Tiefer Ölpreis verleiht Flügel

Wo der SNB-Entscheid die Schweizer Exportwirtschaft belastet, verbilligt das QE der EZB europäische Produkte auf dem Weltmarkt. Europäische Aktien sollten daher trotz bereits sportlicher Bewertungen weiterhin Luft nach oben haben, beflügelt auch durch den tiefen Ölpreis. Ein Dämpfer könnte allerdings von den Folgen der Griechenland-Wahl ausgehen, da die Möglichkeit eines Grexit bestehen bleibt, auch wenn die Gefahr eines Flächenbrandes deutlich abgenommen hat.