«Ein Affront und respektlos»: Chef der Bischofszeller Firma Marty unter Druck – Angestellte fordern Sozialplan und Konsultationsverfahren 

Mit Unterstützung der Gewerkschaft Unia haben die gekündigten Mitarbeiter der Bischofszeller Marty AG eine Resolution verabschiedet.

Stefan Borkert
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Die Bischofszeller Marty AG ist mit der Kündigung aller Mitarbeiter in die Schlagzeilen geraten.

Die Bischofszeller Marty AG ist mit der Kündigung aller Mitarbeiter in die Schlagzeilen geraten.

Bild: Reto Martin

Es herrscht eine aufgeladene Stimmung bei der Unia. Die Gewerkschaft hatte die gekündigten Mitarbeiter der Bischofszeller Bauunternehmung Marty AG zu einem Treffen eingeladen. Viele machen ihrem Ärger Luft, mussten sich ihren Frust über die plötzliche Kündigung von der Seele reden. Nach Kenntnis der Unia sind 51 Kündigungen ausgesprochen worden.

Mehr als 30 Marty-Mitarbeiter seien gekommen, sagt Unia-Sprecher Tobias Hollinger. Den Marty-Mitarbeitern brannten verschiedene Fragen unter den Nägeln. Was ist mit den Überstunden, was mit Ferien, dem Lohn und so weiter.

Angestellte nehmen Kündigungen nicht hin 

Kranführer Mike Bertsche hatte schon im Vorfeld erklärt, dass man noch an der Weihnachtsfeier von einem guten Geschäftsverlauf geredet habe. «Die Kündigungen kamen völlig überraschend», sagt er. Viele der Betroffenen haben Familie, andere sind schon etwas älter und fürchten, keinen Job mehr zu finden. Unia-Sprecher Hollinger erklärt, dass die Unia-Juristin den Leuten empfohlen habe, weiter zu arbeiten. Man dürfe nicht daheim bleiben.

Am Schluss sind sich die Anwesenden einig, dass man die Kündigungen so nicht hinnehmen werde. Zuhanden des Verwaltungsrats und derzeitigen CEO, Patrick Manser, ist eine Resolution verabschiedet worden. Manser hatte letzte Woche Knall auf Fall die Kündigungen ausgesprochen und diese mit der wirtschaftlichen Lage begründet. Zuvor war bereits Firmengründer und bis dahin CEO Ronny Marty zurückgetreten.

Ruf nach einem Konsultationsverfahren

Zwischen ihm und Manser gilt das Handtuch als zerschnitten. In der Resolution pochen die Angestellten auf das gesetzlich vorgeschriebene Konsultationsverfahren. Wörtlich heisst es:

«Wir, die gekündigten Angestellten der Marty AG, sind empört und enttäuscht über das Vorgehen seitens der Geschäftsleitung und des Verwaltungsrates.»

Weiter steht geschrieben: «Wir sind immer zur Firma gestanden und haben stets die bestmögliche Leistung erbracht.» Umso unverständlicher sei das Verhalten des Verwaltungsrates.

«Dass uns unvermittelt und ohne vorgängige Information gekündigt wurde, ist ein Affront und respektlos. Unser Vertrauen in die Marty AG und insbesondere in Herrn Manser wurde tief erschüttert.»

Man erwarte, dass rasch das Konsultationsverfahren aufgegleist werde. Dazu sei Manser gesetzlich verpflichtet.

Am Hauptsitz der Marty Bauunternehmung AG in Bischofszell.

Am Hauptsitz der Marty Bauunternehmung AG in Bischofszell.

Bild: Reto Martin

Im Rahmen des Konsultationsverfahrens gelte es, Klarheit über die finanzielle Lage der Marty Bauunternehmung AG zu schaffen. Ziel müsse es sein, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten und einen Sozialplan auszuarbeiten.

Verwaltungsrat Manser entschuldigt sich

Patrick Manser geht unterdessen auf die Belegschaft wieder zu. Er sagt, das Konsultationsverfahren sei in Bearbeitung. Ausserdem sei das Thurgauer Amt für Wirtschaft inzwischen über die Massentlassung informiert worden. «Dieses Versäumnis haben wir nachgeholt und dafür möchte ich mich auch entschuldigen.»

Die Neueinstellung von Mitarbeitern werde nächste oder übernächste Woche in Angriff genommen. Dabei würden sowohl neue als auch jetzt gekündigte Angestellte berücksichtigt, versichert er. Was die Zukunft für Marty bringt, ist unterdessen offen. Auch Verkauf und Umbenennung werden geprüft.

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