Ein Abstieg für Apple

Mit seinem eigenen Kartenmaterial hat sich Apple blamiert. Konkurrent Google lässt Apple-Fans zappeln: Auf absehbare Zeit wird es auf iPhone und iPad mit iOS 6 keine Google Maps geben.

Thomas Spang
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Apple-Laden in Hongkong. Die iPhone-Maps haben Mängel. (Bild: epa/Adrian Bradshaw)

Apple-Laden in Hongkong. Die iPhone-Maps haben Mängel. (Bild: epa/Adrian Bradshaw)

WASHINGTON. Google-Manager Eric Schmitt hält es vage. Keinesfalls werde das Kartenmaterial von Google via Update wieder Bestandteil des mobilen Apple-Betriebssystems iOS 6. Ob der Internetkonzern alternativ eine App anbieten wird, die Apple-Kunden aus dem Internet herunterladen können? Kein Kommentar. Nur soviel verrät Schmitt: «Unser Ziel besteht darin, Google Maps für jeden zugänglich zu machen, der es nutzen will, unabhängig von dem Gerät, der Internet-Software und dem Betriebssystem.»

Bahnhof als Park

An der Entscheidung des Technologiekonzerns Apple, vom neuen iPhone 5 mit iOS 6 den Google-Kartendienst zu verbannen, nimmt Google nun süsse Rache. Denn Apple hat mit seinem Aufbruch ins lukrative Karten- und Navigations-Geschäft ein Eigentor geschossen. Kunden klagen lauthals über die Patzer und Ungenauigkeiten der Apple-Karten. Auf Tumblr dokumentiert der Blog theamzingios6maps.tumblr.com die peinlichsten Irrwege. So taucht etwa der Bahnhof in Helsinki auf dem iPhone als Park auf. Das Flatiron-Hochhaus in New York steht bei Apple mitten auf der 5th Avenue. Und ganze Teile Mecklenburg-Vorpommerns verschwinden in einem schwarzen Loch. Die Liste der Peinlichkeiten wird täglich länger. Und mir ihr die Häme der Konkurrenten. Vorneweg Google, das auf seiner «Motorola Mobility»-Seite keck fragt: «Sie suchen nach 315 E 15th in Manhattan? Google Maps auf dem Droid Razr M führt sie hin statt #iLost in Brooklyn.»

Es geht ums Geschäft

Hinter der Blamage stecken handfeste Geschäftsinteressen. Apple stieg ein Jahr vor Ablauf eines bestehenden Vertrags mit Google vorzeitig aus dem Kartendienst aus, um sich selber als Spieler auf dem Werbemarkt zu etablieren. Google Maps ist nämlich das Rückgrat des einträglichen Geschäfts mit ortsgebundenen Anzeigen. So kann der Internetkonzern einem Smartphone-Nutzer zielgerichtet Werbung für ein nahe gelegenes Restaurant, ein Geschäft oder einen anderen Dienstleister schicken. Analysten erklären Apples Coup als Versuch, der Konkurrenz die wertvollen Daten über den Aufenthaltsort seiner Kunden vorzuenthalten – um damit später selber Geld zu verdienen.

Google wittert seine Chance

Das Gerangel um Maps ist nur das letzte Beispiel in einer Reihe von Streitigkeiten, die heute das Verhältnis der beiden Konzerne aus Kalifornien bestimmen. Einst waren sie beste Freunde. Doch seit der Suchmaschinenanbieter Google mit Android ein eigenes Betriebssystem für mobile Endgeräte eingeführt hat, haben sich die Beziehungen der Unternehmen zunehmend verschlechtert. Heute kämpfen Apple und Google vor Gericht um Patente und Copyrights. Und auf dem heiss umkämpften Konsumentenmarkt um Anteile.

Letzteres erklärt, warum Google-Manager Schmitt die Apple-Fans zappeln lässt. Schliesslich steht das lukrative Weihnachtsgeschäft vor der Tür, während dem mehr Smartphones verkauft werden als zu jeder anderen Jahreszeit. Google wittert die Chance, von der Blamage des Konkurrenten profitieren zu können, um seine Führungsposition auszubauen. Schon heute werden etwa zweimal so viele Android-Telefone verkauft wie iPhones.

Mit 5 Mio. blieb das iPhone 5 beim Verkaufsstart in den USA hinter den Erwartungen der Analysten zurück. Ab heute ist das neue iPhone auch in den Schweizer Läden zu haben. Zu allem Überfluss schrieben Arbeiterunruhen in einem chinesischen Werk des Zulieferers Foxconn negative Schlagzeilen. So hatte sich Apple die Lancierung des neuen iPhones gewiss nicht vorgestellt.