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EGNACH: Swisscows kämpft für Datenschutz

Die Softwareschmiede Hulbee in Egnach findet für ihre Internetsuchmaschine Swisscows keine Werbepartner. Der Grund: Swisscows gibt keine Nutzerdaten weiter und speichert diese auch nicht. Die Antwort ist Crowdfunding.
Stefan Borkert
Andreas Wiebe im Serverraum. Auf die Server, über die die Internetsuchmaschine Swisscows läuft, haben die USA und die EU keinen Zugriff. (Bild: pd)

Andreas Wiebe im Serverraum. Auf die Server, über die die Internetsuchmaschine Swisscows läuft, haben die USA und die EU keinen Zugriff. (Bild: pd)

EGNACH. Mit mehr als 10 Mio. Suchanfragen pro Monat ist die Internetsuchmaschine Swisscows nach anderthalb Jahren ein Erfolgsmodell. Swisscows wirbt damit, die für den Nutzer sichere Alternative zu Google zu sein. Aufgeschaltet ist die von der Egnacher Softwareschmiede Hulbee entwickelte Suchmaschine in der Schweiz, Deutschland, Österreich und den USA. Hulbee-Chef Andreas Wiebe sagt: «Die strengen Datenschutzvorgaben der Schweiz ermöglichen uns die sichersten Server, und das ohne Zugriff der EU oder der USA. Erotik- und Pornoseiten sind nicht auffindbar. Damit eignet sich Swisscows besonders für Kinder und Jugendliche.» Wiebe fährt fort: «Wir geben keine Nutzerdaten weiter und speichern diese auch nicht. Datenschutz und Sicherheit ist unser oberstes Gebot.»

Pilatus setzt auf Hulbee
Auch Organisationen und Unternehmen schätzen die Datensicherheit der Suchmaschine und setzen sie ein. Darunter findet sich der bedeutendste Flugzeugbauer der Schweiz, Pilatus Aircraft mit Sitz in Stans, das Unternehmen Brüggli in Romanshorn, aber auch der mitgliederstarke deutsche Landschaftsverband Rheinland (LVR), Born Green Technologies oder das deutsche Bundesministerium für Bildung und Forschung in Berlin.

Am Start 2014 war Hulbee noch überzeugt, dass man Werbekunden, die Datensicherheit schätzen, finden werde. Doch das war ein Irrtum. Mit Datensicherheit, Vertrauen und Anonymität im Internet lässt sich kein Geld verdienen. Wiebe: «Es war uns im Vorfeld bewusst, dass es nicht einfach sein wird, die Werbeunternehmen dafür zu gewinnen. Ausserdem sind wir hierbei die Pioniere. Das Thema Datenschutz und Überwachung war noch nie so präsent wie heute.» Überall würden sich Menschen fragen, mit welchem Recht Grossunternehmen wie Google oder Facebook uns überwachen und unsere Daten verwenden dürfen. «Die bekanntesten Zeitungen und TV-Medien berichten ständig über das Thema Datenschutz und Überwachung. Ich würde eher sagen, mit Swisscows haben wir genau den Nerv der Zeit getroffen.»
Obwohl Swisscows erheblich weniger für Inserate verlangte als etwa Google und obwohl die Suchanfragen in so kurzer Zeit Spitzenwerte darstellen, kam es kaum zu Einnahmen. «Wir haben auch damit gerechnet. Da wir bei Swisscows unsere Nutzer nicht überwachen, also keine Nutzerdaten speichern, keine IP-Adresse und keinen Standort, ist es für Werbeunternehmen uninteressant, bei uns zu werben», sagt Wiebe. Für ein passendes Werbeprofil brauche man eben möglichst viele Daten. «Werbeunternehmen wollen alles über den Nutzer wissen.» Dazu gehören unter anderem das Herkunftsland, die Stadt, das Alter, kürzlich besuchte Webseiten, Interessen oder Hobbies. Die Liste ist gross. Das alles biete Swisscows nicht. Somit sei der Nutzer bei Swisscows zu 100 Prozent anonym.

Spenden für die Suchmaschine
«Und genau das gefällt der Werbeindustrie natürlich nicht», sagt Wiebe. Weil bei Swisscows Werbepartner keine Daten abgreifen können und weil man bei Swisscows die Datensicherheit nicht aufweichen will, hat Wiebe mit dem Segen des Thurgauer Steueramtes ein neues Finanzierungsmodell entwickelt. Die Suchmaschine Swisscows soll sich über Spenden per Crowdfunding finanzieren.
Seit gestern abend läuft das neue Projekt. «Crowdfunding ist derzeit sehr aktuell, denn es gibt genügend Menschen, die gute Projekte mit kleinen Geldbeträgen unterstützen wollen.» Wiebe ergänzt, dass die bekanntesten Beispiele dafür die grösste Enzyklopädie der Welt, Wikipedia, und der Webbrowser Mozilla Firefox seien. Wünschenswert wäre, dass jeder, der Swisscows nutze, einen Beitrag von 5 Fr. spende. Durch die Spenden sollten vor allem weitere Services, wie Karten oder E-Mail, entwickeln werden. «Darüber hinaus möchten wir den Überwachern weltweit Paroli bieten. Wer weiss, vielleicht ist Swisscows bald das nächste Google, und zwar nicht aus USA, sondern aus der Schweiz.»

Von Hulbee getrennt
Mit Kritik an der Spendenaktion rechnet Wiebe schon, da Hulbee ja ein kommerzielles Unternehmen ist. «Hulbee hat dieses Projekt als Investor finanziert, denn privat ist es unmöglich, eine Google-Alternative aufzubauen. Sobald wir sehen, dass es sich durch Spenden finanzieren lässt, wird Swisscows separat laufen. Ausserdem wird alles ganz genau vom Steueramt überwacht. Intern ist Swisscows von der Mutter Hulbee klar getrennt.»

Vom Netz nehmen will Wiebe Swisscows erst dann, wenn die Nutzer nicht mehr geschützt werden wollen. Dann würde Swisscows keinen Sinn mehr machen. «Das glauben wir aber nicht, da die Nutzerzahlen bei Swisscows monatlich steigen.»

Suchmaschine ausgezeichnet

Die Initiative Mittelstand vergibt jährlich den Innovationspreis-IT. Mehrere tausend Unternehmen haben sich am Innovationspreis-IT 2016 beworben. Die besten erhielten das Prädikat «Best of 2016». Mit dabei ist die datensichere Suchmaschine Swisscows. Sie gehört zu den Preisträgern in der Kategorie «Internet Service». (bor)

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