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E-Tankstellen: Ein Schweizer Start-up macht Heimladestationen teilbar

Die E-Mobilität nimmt weiter zu und neue Konzepte für Stromautos kommen auf den Markt. So zum Beispiel die Vermietung privater Ladestationen. Ein Schweizer Start-up bietet genau dies an und expandiert nun auch ins Ausland.
Andreas Lorenz-Meyer
Martina Hickethier von eCarUp an einer Ladestation für Elektroautos in Rotkreuz. (Bild: Dominik Wunderli, 19. März 2019)

Martina Hickethier von eCarUp an einer Ladestation für Elektroautos in Rotkreuz. (Bild: Dominik Wunderli, 19. März 2019)

Elektroautos an öffentlichen E-Tankstellen aufzuladen, lässt sich bei langen Strecken nicht vermeiden, kann aber ganz schön ins Geld gehen. Es ist mitunter viel teurer, als das Fahrzeug zu Hause aufzuladen, wie eine aktuelle Stichprobe in der Schweiz ergab. Wer die eigene Ladestation benutzt, fährt also billiger. Heimladestationen lassen sich zudem mit anderen Autofahrern teilen.

Das Jungunternehmen eCar­Up aus Zug bietet so etwas an. Seit Oktober 2017 lassen sich private Ladestationen über die gleichnamige App «sharen». Damit das Teilen funktioniert, braucht die Ladestation eine kastenförmige Zusatzhardware, die 200 bis 300 Franken kostet. Bestehende Stationen können damit aufgerüstet werden. «Im Kern ist unsere Hardware ein Smart Meter, der einfache Ladestationen intelligent macht», erklärt Produkt-Managerin Martina Hickethier. Intelligent bedeutet, die Ladestation kann Stromflüsse präzise messen, sie kann mit anderen geteilt werden und die Ladungen lassen sich verbrauchergerecht abrechnen.

Einfacher als bisherige Systeme

Zwar gibt es ähnliche Systeme mit intelligenten, vermietbaren Ladestationen, so Hickethier. Diese ­basieren aber auf der OCPP-Technologie (Open Charge Point ­Protocol). «Wer seine Ladestation teilen möchte, muss hier eine OCPP-fähige Ladestation haben.» Die sei in der Regel etwas teurer als herkömmliche Ladestationen und müsse von einer Fachperson eingestellt werden. Die Mitgliedschaft in den Ladenetzwerken koste zudem meistens monatliche Gebühren und/oder eine «Eintrittsgebühr». Das ist ­alles umständlich, findet Hickethier: «Wenn Airbnb so funktionieren würde, könnte nur ein kleiner Teil der Wohnungen tatsächlich teilnehmen, sagen wir jene mit einem Keba-Schloss. Jedes Mal, wenn der Wohnungsbesitzer etwas an den Preisen ändern oder einem Freund die Wohnung gratis überlassen möchte, müsste er sich beim Keba-Schlüsseldienst melden, damit dieser bestimmten Personen einen Schlüssel für die Wohnung sendet. Und auch Leute, die nur ab und zu ihre Wohnung vermieten, müssten eine monatliche Gebühr und/oder eine Eintrittsgebühr bezahlen.»

Hier unterscheide sich eCar­Up. Es sei als einziges Ladenetzwerk herstellerunabhängig. Auch bestehende Ladestationen können integriert werden. Hinzu kommt der Kostenfaktor. Abogebühren gibt es in der Basisversion keine, eCarUp nimmt pro Transaktion 10 Prozent Kommission. Und: Eine günstige Ladestation plus eCarUp-Hardware ist in der Regel nur halb so teuer wie andere intelligente Ladestationen, ­betont Hickethier. Vorteile bringt auch die Einfachheit. Die Besitzer können Nutzungsrechte vergeben und jederzeit anpassen, etwa den Preis pro Kilowattstunde Strom. Und Elektroautofahrer benötigen nur ein Smartphone für die Bedienung. Mittlerweile gibt es rund 340 eCarUp-Ladestationen hierzulande, etwa 1400 Fahrer nutzen die App. Das Start-up kooperiert mit Energieversorgern und Elektroinstallateuren, die Kunden kommen aus der Immobilienbranche und dem KMU-Bereich. Entsprechend stehen viele Ladestationen bei Mehrfamilienhäusern und ­Bürogebäuden. Mehrere Ladestationen können auch mit einem Lastmanagement gesteuert werden – das kostet 3 Franken pro Monat und Ladepunkt. In Kombination mit dem «Smart-me»-Energiemanagement lässt sich zudem eine Brücke zum Gebäude schlagen. In einem Mehrfamilienhaus in Beckenried NW ist das schon so. Dort geht der Strom von der Photovoltaikanlage auf dem Dach direkt in die Haushalte. Stromüberschuss kann für die Ladestation genutzt werden. Die Besitzer der Ladestationen verlangen in der Regel 0,20 bis 0,50 Franken pro Kilowattstunde und 0,50 bis 5 Franken pro Stunde Parkieren. Hier und da kann auch gratis geladen und parkiert werden, etwa bei ­Geschäftsautos. Hickethier: «Mit dem Betrieb einer Stromtankstelle wird niemand reich – aber mit unserer App kann man wenigstens ein wenig daran verdienen.»

50 Prozent E-Autos bis im Jahr 2035

Die Zahl potenzieller Kunden für solche Angebote dürfte steigen. Im Jahr 2018 kamen «Steckerautos» – reine Elektrofahrzeuge und Plug-in-Hybride – hierzulande zusammen auf 3,2 Prozent der Neuzulassungen. Das ist im Vergleich zu anderen europäischen Ländern, etwa Norwegen, zwar bescheiden, aber gemäss «Roadmap Elektromobilität 2022» soll der Anteil in drei Jahren schon bei 15 Prozent der Neuwagen liegen. Je nach Szenario rechnet man bis 2035 mit über 50 Prozent E-Autos und Plug-in-Hybriden bei den Neuzulassungen, fügt Hickethier hinzu. Sie ist überzeugt: Das Teilen von Aufladestationen wird ein weiterer Zweig der wachsenden Sharing Economy sein.

85 Prozent aller Schweizer ­Ladestationen seien in privater Hand, für jedes Elektroauto werde eine Ladestation am Arbeitsplatz und/oder zu Hause gebaut. Kunden will man künftig auch in Deutschland finden. Kontakte zu deutschen Stadtwerken bestehen schon, bis jetzt operiert aber jedes Sharing-Economy-Ladenetzwerk in Deutschland «auf gut Glück», so Hickethier. Denn beim Eichrecht für Ladestationen ist die ­Situation dort noch nicht geklärt.

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