Durchbruch in Amerika

Aus dem Silicon Valley hat der Schienenfahrzeugbauer Stadler Rail einen prestigeträchtigen Auftrag erhalten. Elektrische Aluminiumzüge ersetzen veraltete Dreckschleudern aus Stahl.

Thomas Griesser Kym
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Visualisierung eines Caltrain-Doppelstöckers für das Silicon Valley. Die Züge von Stadler Rail sind 157 Meter lang und 177 km/h schnell. (Bild: pd)

Visualisierung eines Caltrain-Doppelstöckers für das Silicon Valley. Die Züge von Stadler Rail sind 157 Meter lang und 177 km/h schnell. (Bild: pd)

BUSSNANG/SAN FRANCISCO. Mit neuen Produkten und in neuen Marktsegmenten wie Hochgeschwindigkeitszüge oder U-Bahnen will Peter Spuhler die Zukunft seines Unternehmens Stadler Rail mit 7000 Mitarbeitenden sichern. Und mit der Expansion in neue geographische Märkte. Dazu zählen neben Australien und Grossbritannien auch die USA. Dort hat Stadler Rail zwar bereits 2002 den ersten Auftrag erhalten, aber seither haben sich nur eine Handvoll weiterer Order dazugesellt.

Doch nun setzt Stadler Rail in Amerika einen Meilenstein. Für 551 Mio. $ (530 Mio. Fr.) baut der Schienenfahrzeughersteller für das US-Bahnunternehmen Caltrain 16 sechsteilige, vollelektrische Doppelstocktriebzüge des Typs Kiss. Dieser siebte Auftrag aus den USA ist für Stadler der bei weitem grösste Erfolg in Amerika, und erstmals hat Spuhlers Unternehmen dorthin Doppelstöcker verkauft. Der Vertrag mit Caltrain enthält zudem eine Option auf weitere 96 Wagen im Wert von 385 Mio. $ zur Erweiterung der Kompositionen auf sieben oder acht Teile.

Zur Miete für die Endmontage

Caltrain wird Stadlers Züge in Kalifornien auf der Strecke von San Francisco nach San Jose im boomenden Silicon Valley einsetzen. Der erste Zug soll im August 2019 übergeben werden und nach Abnahme aller Tests 2020 in Betrieb gehen. Die Kiss in Leichtbauweise mit Wagenkasten aus Aluminium werden dieselbetriebene Stahlzüge ablösen.

Wegen des Buy America Act muss Stadler Rail 60% der Wertschöpfung in den USA erbringen. Dieses Gesetz von 1983 schreibt einen US-Anteil vor, wenn bei Beschaffungen, die mit Massenverkehrsmitteln zu tun haben, Bundesmittel fliessen. Erstmals angewendet wurde das Gesetz im Falle Stadlers beim zuvor letzten Auftrag von Mitte 2015. Dieser umfasst acht Dieseltriebzüge des Typs Flirt für die neue Pendlerstrecke zwischen Fort Worth und dem internationalen Flughafen von Dallas/Fort Worth in Texas. Für die Endmontage dieser Züge hat sich Stadler Rail in einer Halle in Salt Lake City in Utah eingemietet. Dort werden dann auch die Caltrain-Züge endmontiert. Laut Stadler-Sprecherin Marina Winder ist das Werk im Aufbau, und die Zahl der Arbeitsplätze nehme laufend zu. Der Mietvertrag läuft vorerst zwei Jahre. Je nachdem, wie viele US-Aufträge bei Stadler künftig eingehen, sei später auch die Errichtung einer eigenen US-Fabrik denkbar.

Arbeit auch für Schweizer Werke

Der Rest der Wertschöpfung für den Bau der Caltrain-Züge fällt in Stadlers Schweizer Werken an. Involviert sind in erster Linie die Werke in Winterthur, von wo die Drehgestelle stammen, und in Altenrhein, Stadlers Kompetenzzentrum der Doppelstöcker. Wegen der engen Verzahnung der Standorte wird aber auch das Werk am Hauptsitz in Bussnang einen Beitrag leisten.

Zuversicht punkto Auslastung

Bisher sprach Stadler Rail von einer guten Auslastung fast aller Werke, doch benötige man noch Aufträge, um die Bücher auch 2017 und darüber hinaus füllen zu können. Gestern, nach dem Erhalt der Caltrain-Bestellung, sagte Winder: «Ein Auftrag tut immer gut, und dieser ist vor allem für Altenrheins Auslastung vorteilhaft.» Bussnang dagegen könne noch Arbeit brauchen. Winder zeigte sich aber zuversichtlich, mit Verweis auf mehrere laufende Ausschreibungen, an denen sich Stadler beteiligt.