Duales Bildungssystem für China

China leidet unter einem Fachkräftemangel – das merkt auch die dort tätige Rieter. Eine Projektgruppe aus chinesischen Studenten und Studierenden der FHS St. Gallen entwickelte ein auf Rieter zugeschnittenes Ausbildungskonzept.

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Das schweizerisch-chinesische Team von Studierenden. (Bild: pd)

Das schweizerisch-chinesische Team von Studierenden. (Bild: pd)

ST. GALLEN. Rieter ist eine weltweit tätige Industriegruppe mit Hauptsitz in Winterthur. Die 18 Produktionsstätten sind auf der ganzen Welt verteilt, eines der jüngsten davon steht in China. In diesen Produktionsstätten werden gut ausgebildete Fachkräfte benötigt, welche den hohen Qualitätsstandard von Rieter erfüllen können. Wenn solche Fachkräfte fehlen, liegt es nahe und ist es notwendig, diese selber auszubilden. Su Jing, Studentin an der Tongji University in Shanghai, der Partneruniversität der Fachhochschule St. Gallen (FHS), erklärt: «In China kennen wir kein Lehrlingssystem.» Das erfolgreiche Lehrstellen-System der Schweiz für China zu adaptieren, sei eine offensichtliche Idee, die bisher allerdings noch ohne nachhaltigen Erfolg ausprobiert wurde, so Mathias Kleiner, Coach der FHS.

Konzept

Während es Anzeichen dafür gibt, dass der chinesische Staat die Problematik der fehlenden Ausbildung erkannt hat, findet doch noch keine systematische Förderung statt. Es bestünden keine Anknüpfungspunkte, an welche das europäische duale System anhängt werden könne, sagt Daniel Ritter, Projektleiter des Studierenden-Teams. Für Rieter entwickelte das Projektteam ein umfassendes Lehrstellen- und Ausbildungskonzept, das auch Punkte wie Lehrpläne, Layout eines Training Centers, ein Lehrmeisterkonzept oder die Zusammenarbeit mit Schulen berücksichtigt. «Unser Konzept hat das Ziel, dass Rieter in China zu genügend und gut ausgebildetem Personal kommt, damit das Unternehmen diesbezüglich mit dem Wachstum Schritt halten kann», sagt Daniel Ritter.

Die Arbeitsteilung des Projektteams war einerseits offensichtlich und anderseits notwendig: «Wir haben über 40 Interviews mit Arbeitern, Vorgesetzten, Personalverantwortlichen, Professoren und Experten durchgeführt. Direkte Fragen verwirren die Chinesen. Darauf musste man achten», erklärt Su Jing. «Diese Interviews hatten zum Ziel zu ermitteln, welche Art von Mitarbeitenden Rieter benötigt und mit welchem Lehrstellen- und Ausbildungskonzept dieser Anspruch erfüllt werden kann», sagt Daniel Ritter. Melanie Geldhauser und Sabrina Heller aus St. Gallen sowie Dong Dai und Xu Menqgi aus China vervollständigten das interkulturelle Team.

Massgeschneidert für Rieter

«Das Konzept ist eine massgeschneiderte Lösung für Rieter», meint Mathias Kleiner. «Rieter hatte bereits vor dem studentischen Projekt erste Schritte unternommen. Davon profitierte das Projektteam und konnte sein Konzept auf dieser Basis aufbauen.» Entstanden sei ein stimmiger Vorschlag mit umsetzbaren Lösungen, welche der Kundschaft einen unmittelbaren Mehrwert bieten. Dies bestätigt auch Bernd Leyendecker von Rieter (China) Textile Instruments Co. Ltd. «Dank der Arbeit der Studierenden kann Rieter mit einem eigenen Lehrlingsprogamm in China beginnen.» Dies sei eine wichtige Säule für das nachhaltige Wachstum des Unternehmens in China.

Echte Praxisausbildung fand aber auch im Rahmen dieser Projektarbeit statt, denn, so stellte Su Jing fest: «Unsere Universität bereitet uns nicht auf die spätere Berufstätigkeit vor. Dieses Praxisprojekt hatte für uns deshalb einen so grossen Wert, weil wir damit Arbeitserfahrung sammeln konnten.» (red.)