DSK und die Affäre LSK

Gegen den früheren Währungsfonds-Chef Dominique Strauss-Kahn wird wegen Betrugsverdachts ermittelt. Ins Rollen kam die neue Affäre durch Schweizer Investoren.

Stefan Brändle
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Dominique Strauss-Kahn, umringt von Medien, während seines mittlerweile abgeschlossenen Prozesses in Lille Anfang Jahr. (Bild: ap/Michel Spingler)

Dominique Strauss-Kahn, umringt von Medien, während seines mittlerweile abgeschlossenen Prozesses in Lille Anfang Jahr. (Bild: ap/Michel Spingler)

PARIS. Diesmal ist es kein Sexskandal. Es ist schlimmer: Jetzt ist der Ruf von Dominique Strauss-Kahn als Finanzexperte bedroht. Der frühere Chef des Internationalen Währungsfonds und französische Präsidentschaftskandidat, heute noch Budgetberater von Ländern wie Serbien und häufig mit seinem Namenkürzel DSK bezeichnet, muss sich gegen den Vorwurf der unsauberen Geschäftsführung verteidigen.

Klage löst Vorermittlungen aus

Zwei frühere Investoren haben seit Juli Gerichtsklage wegen Betrug, Veruntreuung und Fälschung gegen das Investmentunternehmen Leyne, Strauss-Kahn und Partner (LSK) eingereicht, dem DSK als Verwaltungsratspräsident vorstand und an dem er 20,2% der Anteile hielt. Sein Luxemburger Tochterunternehmen Assya hatte für 156 Anleger gut 100 Mio. € angelegt, Ende 2014 aber Konkurs angemeldet. Strauss-Kahn legte sein Mandat darauf nieder. Drei Tage später brachte sich sein Geschäftspartner Thierry Leyne in Israel um.

Seither versuchen die Anleger, wenigstens einen Teil ihres Geldes zurückzuerhalten. Der Franzose Jean-François Ott und der Mazedonier Jordan Trajkov, zwei Geschäftsmänner, die je 500 000 und 400 000 € in LSK investiert hatten, gehen mit ihrer Strafklage vor. Die Pariser Staatsanwaltschaft hat, wie gestern bekannt wurde, die örtliche Finanzbrigade mit Vorermittlungen betraut.

Im ersten Schritt muss sie die Zuständigkeit klären, da LSK in Luxemburg eingeschrieben war und Strauss-Kahn in Marokko steuerpflichtig ist. Abzuklären ist sodann, wie viel DSK «wusste». Laut seinem Anwalt war Leyne alleiniger Geschäftsführer; Strauss-Kahn sei von ihm selbst getäuscht worden, weshalb er seinerseits Klage gegen LSK eingereicht habe. Die beiden Klageführer behaupten jedoch laut Klageschrift, Strauss-Kahn habe als Verwaltungsratspräsident «über Informationen aus erster Hand verfügt» und die unerlaubten Investitionen «mit seinem Schweigen gedeckt».

Hellhörig geworden

Unerlaubt waren sie, weil LSK die aufgenommenen Gelder entgegen der Statuten in eigene Tochterunternehmen investierte. Darunter war ein unwägbares Immobilienunternehmen Leynes. Der Schweizer Investmentfonds Insch hatte dies schon 2013 kritisiert und seinen Einsatz zurückerhalten, als der Fondsleiter Christopher Cruden mit einer Gerichtsklage drohte.

Hellhörig geworden, verlangte auch eine Luxemburger Niederlassung der Bâloise Versicherung ihren Einsatz von 2 Mio. € zurück. Im Oktober 2014 erhielt sie vor einem Luxemburger Gericht recht, worauf die ganze LSK-Konstruktion wie ein Kartenhaus zusammenbrach. Ein Klägerargument lautet, Strauss-Kahn habe seine eigene Tochter Vanessa bei LSK anstellen wollen; das belege seine enge personelle Verflechtung mit dem ganzen Fonds. DSK zieht daraus im Gegenteil das Argument, dass er kaum Familienangehörige in die Firma aufgenommen hätte, wenn er um die Machenschaften seines Partners gewusst hätte.

Wundern über den Spezialisten

Wie auch immer der Gerichtsfall ausgehen wird, wundern sich französische Medien wie «Le Parisien», dass «der Spezialist in internationaler Finanz nichts gewusst haben will von der Führung seines eigenen Unternehmens». Das werfe kein gutes Licht auf den 66jährigen Sozialisten, der die aktuelle Linksregierung jüngst für deren Ungeschick kritisiert habe. Seine neuste Finanzaffäre dürfte den Spekulationen über ein DSK-Comeback vor den Wahlen 2017 wohl endgültig ein Ende bereiten.

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