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DROPBOX: Vom Feature zum Milliardenunternehmen

Der amerikanische Online-Speicher-Anbieter Dropbox steht vor einem der grössten Tech-Börsengänge der jüngsten Zeit. Dabei bleibt unklar, ob Daten von Schweizer Kunden in den USA genügend vor Behördenzugriff geschützt sind.
Maurizio Minetti

Maurizio Minetti

Im Dezember 2009 empfing der damalige Apple-Chef Steve Jobs die Gründer des Online-Speicher-Dienstes Dropbox im kalifornischen Cupertino. Dropbox-CEO Drew Houston erzählt noch heute gerne davon, denn bei dem Treffen ging es darum, ob Apple die Jungfirma kaufen könnte. Für Jobs – einer der visionärsten Tech-Unternehmer der Welt – war Dropbox damals allerdings nur ein Feature, also höchstens eine zusätzliche Funktion, die allenfalls gut zu Apple-Produkten passen würde. Die Gründer hingegen glaubten an das Potenzial ihres Produktes. Der Kauf kam schliesslich nicht zustande.

Neun Jahre später steht Dropbox vor einem Börsengang, der das Unternehmen aus San Francisco mit 7 bis 8 Milliarden US-Dollar bewerten könnte. Schon ab kommender Woche könnten die Aktien an der Technologiebörse Nasdaq unter dem Kürzel DBX gehandelt werden. Erwartet wird der grösste Börsengang eines IT-Unternehmens seit jenem der Social-Media-Firma Snap im März 2017.

Private Investoren hatten Dropbox 2014 gar mit 10 Milliarden US-Dollar bewertet. Das ist bemerkenswert für ein Unternehmen, das letztes Jahr zwar über eine Milliarde Dollar erwirtschaftet hat, jedoch zehn Jahre nach der Gründung weiterhin Verluste schreibt. Dropbox hat nach eigenen Angaben über 500 Millionen Nutzer in 180 Ländern, davon sind aber nur elf Millionen zahlende Kunden. Der Cloud-Speicher-Dienst fokussiert sich immer stärker auf Unternehmenskunden.

Angst vor Massenüberwachung

Zunächst will Dropbox mit dem Börsengang 500 Millionen Dollar einnehmen. So steht es in der Mitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC, die Ende Februar veröffentlicht worden ist. In dieser Mitteilung findet man auch einen Hinweis darauf, was eine der grössten Herausforderungen solcher Anbieter von Online-Speicher-Diensten ist: Die Speicherung der Daten in den USA in Einklang zu bringen mit ausländischen Gesetzen. Wenn Schweizer Unternehmen oder Privatpersonen Daten in den USA speichern, kommt seit etwas mehr als einem Jahr der sogenannte Privacy Shield zur Anwendung. Dieses Abkommen, das die USA auch mit der EU abgeschlossen haben, soll sicherstellen, dass für Daten europäischer Bürger in den USA ein ähnliches Schutzniveau gilt wie in der EU beziehungsweise in der Schweiz.

Dropbox hat sich zwar gemäss dem Privacy Shield zertifizieren lassen. Doch das Unternehmen schreibt in der Börsenmitteilung, das regulatorische Umfeld in Sachen Datenschutz sei von Ungewissheit geprägt. Der Datentransfer aus der EU und der Schweiz in die Vereinigten Staaten bleibe «mit einer gewissen regulativen Unsicherheit behaftet, und wir beobachten die regulatorischen Entwicklungen in diesem Bereich aufmerksam.»

Für den auf IT-Recht spezialisierten Anwalt Martin Steiger ist das nicht überraschend: «Das Privacy Shield brachte Verbesserungen beim Datenschutz, ist aber immer noch umstritten und könnte jederzeit das gleiche Schicksal wie die zuvor abgeschaffte «Safe Harbor»-Regelung erleiden. Dropbox sieht darin zu Recht ein Risiko.» Safe Harbor war der Vorgänger des Privacy Shields, der aber abgeschafft wurde, weil unter dieser Regelung aus europäischer Sicht die Daten nicht gut genug vor Massenüberwachung durch US-Behörden wie etwa dem Geheimdienst NSA geschützt waren.

Beim Privacy Shield wird unter anderem die schwache Stellung der Ombudsperson kritisiert, die für Beschwerden von einzelnen Bürgern ansprechbar sein soll. Aus Europa fordert man zudem legal bindende Zusicherungen, dass es keinen willkürlichen und massenhaften Zugriff auf europäische Daten im Rahmen von US-Überwachungsprogrammen gibt.

Auch Schweizer Behörden beschaffen sich Daten

Eine Sprecherin des Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten (Edöb) betont, es gebe mit dem Privacy Shield verschiedene Punkte, die noch umgesetzt werden müssten: «Es müssen fünf Schiedsrichter für das Schiedsgericht bestellt und der Zugang zum im Swiss-US-Privacy-Shield vorgesehenen Ombudsverfahren geregelt werden.» Der Edöb unterstütze das Privacy Shield grundsätzlich, «vorausgesetzt, dass die Umsetzung klappt». Man beobachte, was auf europäischer Ebene geschehe und lege den Fokus auf die praktische Umsetzung.

Für IT-Anwalt Steiger geht es bei diesen Fragen aber weniger um Datenschutz als um Heimatschutz, wie er sagt: «Unternehmen in der EU und in der Schweiz hoffen, dass die mehrheitlich preislich attraktiven und funktional überlegenen Angebote aus den USA auf dem Rechtsweg verdrängt werden, so dass die Nutzer auf Angebote in der EU und in der Schweiz ausweichen müssen.» Doch was die staatliche Überwachung sowie den Zugriff auf Daten im Ausland durch Strafverfolgungsbehörden betreffe, sitze die Schweiz im Glashaus, denn: «Auch Schweizer Behörden betreiben Massenüberwachung und beschaffen sich Daten aus dem Ausland», sagt Steiger.

Dazu komme, dass in den USA derzeit öffentlichkeitswirksam vor Gericht verhandelt werde, ob amerikanische Behörden auf Daten, die im Ausland gespeichert sind, zugreifen dürfen. «Sollte das Gericht diese Frage bejahen, wäre es allenfalls sehr schwierig, als Unternehmen in der EU oder in der Schweiz überhaupt noch amerikanische Cloud-Anbieter zu nutzen.»

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