Unbestrichene Brote an Schweizer Frühstückstischen? Grösste Nutella-Fabrik wird bestreikt

Die weltgrösste Nutella-Fabrik in Nordfrankreich wird seit einer Woche bestreikt. Der italienische Hersteller der Süsswaren, der Grosskonzern Ferrero, will aber nicht nachgeben.

Stefan Brändle, Paris
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Ein Barkeeper schmiert in Rom Nutella auf eine Crêpe. (Bild: Alberto Pellaschiar/AP, Juni 2018)

Ein Barkeeper schmiert in Rom Nutella auf eine Crêpe. (Bild: Alberto Pellaschiar/AP, Juni 2018)

Noch herrscht nirgends Panik, aber langsam beginnt sich die Gemeinschaft der Süssschmecker und Fingerschlecker eine bange Frage zu stellen: Was, wenn das Nutella ausginge?

Anlass zur Sorge gibt ein Streik in der weltgrössten Herstellung der Haselnuss-Schokoladen-Paste in dem Ort Villers-Ecalles in der Normandie. Dort hat ein Teil der 400 Angestellten vor genau einer Woche die Arbeit niedergelegt. Und nicht nur das, auch die Zufahrt zu dem Werkgelände ist gesperrt. Seit dem 29. Mai haben es laut den Streikposten keine Lastwagen oder Lieferwagen mehr verlassen.

Die Ausständler verlangen eine Lohnaufbesserung von 4,5 Prozent, eine bessere Bezahlung der Nachtarbeit sowie eine einmalige Kaufkraftprämie von 900 Euro pro Mitarbeiter, wie sie Präsident Emmanuel Macron vor einem halben Jahr im Zuge der Gelbwestenkrise angeregt hatte.

Die Geschäftsleitung lehnt dies ab und bietet 40 Euro pro Monat, was einer Lohnaufbesserung um 0,4 Prozent entspräche. Am Montagmorgen hat sich die Lage verschärft. Der italienische Nutella-Hersteller Ferrero klagte vor Gericht gegen die Gewerkschaft Force Ouvrière (FO), die am Ursprung der Kommandoaktion ist. Das Streikrecht ist in Frankreich zwar sakrosankt, doch ist es einer Personalminderheit untersagt, die Mehrheit an der Arbeit zu hindern. FO spricht von 160 – von insgesamt 400 – Streikenden, die Direktion von bedeutend weniger. Sie lässt verlauten, eine starke Mehrheit wünsche nichts anders als die Wiederaufnahme der Arbeit.

Ein Viertel der weltweiten Produktion betroffen

Ein französisches Gericht hat Ferrero recht gegeben und die Möglichkeit bestätigt, die Streikenden mit einem Strafgeld zu belegen, solange sie die Werkzufahrt blockieren. Nach inoffiziellen Meldungen kann die Tagesbusse bis zu 1000 Euro pro Beschäftigten erreichen. Ferrero hat gestern die Umsetzung der Busse in Aussicht gestellt.

Vor gut einem Jahr hatte Ferrero in Frankreich bereits Schlagzeilen gemacht, als Supermärkte den Nutella-Topf vorübergehend zu einem Dumpingpreis von 1.41 Euro (statt 4.50) abzustossen begannen. Das führte zu kleineren Krawallen vor den Regalen – und in der Folge zu einem gesetzlichen Verbot solcher Superrabatte.

In Villers-Ecalles werden normalerweise 600'000 Nutella-Gläser am Tag produziert, ein Viertel der weltweiten Produktion durch Ferrero. Beliefert werden die meisten Länder Westeuropas. Dazu fabriziert der kleine Normandie-Ort täglich eine Million Schokoriegel der Marke Kinder-Bueno.

Bueno-Riegel-Herstellung vollständig gestoppt

Die Herstellung von Nutella ist in Villers-Ecalles laut Angaben der Unternehmensleitung allerdings nicht gänzlich zum Erliegen gekommen. Obwohl niemand in Abrede stellte, dass die Versorgung prekär wird, behauptet Ferrero, dass eine von vier Fertigungsschienen nach wie vor in Betrieb sei. Wie die Auslieferung erfolgt, ist allerdings unklar. Hingegen gibt der Süsswarenhersteller aus dem Piemont zu, dass die Herstellung der Kinder-Bueno-Stengel vollständig gestoppt ist.

Auch nach Einschätzung von Branchenexperten müssen Nutella-Süchtige vorläufig nicht um Nachschub bangen. Glücklich über einen Engpass dürfte die Gilde der Kinderärzte sein: Sie predigt seit langem, die Nutella-Mischung aus 56 Prozent Zucker und 31 Prozent Fettstoffen sei für Kinder gar nicht so «bueno».

Milliarden-Deal: Ferrero will Kelloggs Kekssparte kaufen

Der italienische Süsswarenhersteller Ferrero und der US-Lebensmittelkonzern Kellogg haben sich auf einen Milliarden-Deal geeinigt. Ferrero werde die Kekssparte von Kellogg für umgerechnet rund 1,2 Milliarden Euro übernehmen, teilte das Unternehmen am Montag mit.